Erfahrungen mit Imkervereinen

Das Thema „Imkervereine“ kam hier in diesem Thread zum Schiffer Tree auf. Dazu gibt es bestimmt noch mehr zu sagen, was wir hier bündeln können.

Tobias @Cupido und Matthias @helmholm machen den Anfang: :slight_smile:

Ich werde dann auch etwas dazu beitragen.

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Hallo,

ich möchte dann mal eine Lanze für den örtlichen Imkerverein brechen.

Unser Verein ist für alle Beutensysteme aufgeschlossen, alles andere wäre auch dumm.

Wenn ich sehe welche Leistungen ich für die ca. 30 Euro Jahresbeitrag (je nach Völkeranzahl) inkl. den Beiträgen für die übergeordneten Verbände bekomme, dann ist das eigentlich geschenkt.

Neben den Versicherungen und der Möglichkeit vergünstigte Varroabehandlungsmittel zu bestellen sind das für mich vor allem der regelmäßige Kontakt bei den Monatsversammlungen sowie die angebotenen Vorträge.
Und da ist immer für jeden was dabei, normalerweise in der Kneipe/Vereinsheim mit anschließendem Fachsimpeln oder eben derzeit digital.
Letzte Woche gab es beispielsweise über die Imkervereine im Kreis eine Online-Veranstaltung mit Pia Aumeier und Gerhard Liebig und zusätzlich im Verein selber eine Wachsschulung von einem externen Referenten.

Und selbst wenn ich mit den Referenten nicht alle Meinungen teile kann ich mir immer doch was abschauen oder meine Arbeitsweise überdenken.

Zum Thema Toleranz:

Eigentlich sollte jeder Imkerverein für alle Beutensysteme und Einstellungen offen sein.
Es ist auch eine Chance für oft überaltete Vereinsstrukturen um neue und vor allem jüngere Interessenten anzusprechen.

Ich denke die größten Vorbehalte gegenüber Biki, ERB usw. gibt es aus Unkenntnis.

Zum einen die Unkenntnis in den Vereinen über Biki u.ä. weil sie noch nie eine in Betrieb gesehen haben und auch keinen Kontakt zu verantwortungsbewussten und informierten Haltern hatten.

Zum anderen aber auch die Unkenntnis der Neustarter mit „alternativen Beuten“ welche ohne große Vorkenntnisse „einfach so“ mal starten und meinen ihre Bienen überleben mit gutem Willen auch so, am besten ohne Varroamanagement.

Und diese Art Neustarter gibt es vermutlich mehr bei alternativen als bei klassischen Beuten.
Schon alleine weil bei klassischen eher ein Kurs im Verein besucht wird und dort auch Kontakte zu Paten entstehen die in der Anfangszeit behilflich sind.
Oder weil die alternativen Halter schon beim Anfragen im Verein vergrault werden…

So oder so sollte um vielmehr Toleranz und Akzeptanz geworben werden.
Dann haben unter dem Strich alle was davon.

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… und wenn es im Verein vielleicht nicht auf Anhieb nicht passt oder funktioniert, würde ich dennoch versuchen mich an einzelne Mitglieder zu wenden. In Einzelgesprächen von Mensch zu Mensch ist oft mehr Akzeptanz als wenn man einer geschlossenen Gruppe gegenüber steht. Wenn man dann erstmal einen Leumundszeugen hat, kann man den auch mal zur Sitzung begleiten.
Bei mir ist es eher andersrum: Mein Nachbar (ein paar Häuser weiter) ist Vereinsimker und versucht mich mit der Versicherung zum Verein zu ködern. Da ich aber bei Mellifera versichert bin, zieht das bei mir nicht und so richtig als Imker sehe ich mich mit meinen paar Völkern auch nicht …
Aber mal gucken, vielleicht schnuppert ich da doch mal rein, denn Nachwuchssorgen haben die meisten ja auch. Deswegen können die sich das gar nicht erlauben, pauschal Mitglieder abzulehnen.
Bisher hatte ich tatsächlich mehr Ablehnung bei den Bio-Imkern in der Region! Vielleicht weil man mit wesensgemäßer Bienenhaltung an deren alternativem Selbstbild kratzt – ich weiß es nicht …

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Das ist kein Grund für Selbstzweifel.
Lt. Homepage des DIB hat der Durchschnittsimker bei uns 6,6 Völker.

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:rofl:
Das ist kein mangelndes Selbstbewusstsein, sondern eine Frage des Selbstbildes :wink:
Vielleicht muss ich mein Bildes eines Imkers überdenken, damit beide kongruent werden :thinking::grin:

Ich möchte hier mal eine Lanze für den Beitritt in den Imkerverein brechen. Grundsätzlich ist das Wissen und die Erfahrung vieler älterer Imker ein enormer Schatz den man sich nicht entgehen lassen sollte. Zumal man egal wie man Imkert gerade als Anfänger immer zu Problemstellungen kommt bei denen man einfach nicht mehr weiter weiß.
Oft liegt die Skepsis gegenüber der wesensgemäßen Imkerei oder vor allem auch BKI darin, dass man befürchtet das die doch noch immer notwendigen Behandlungen nicht gemacht werden und somit andere umliegende Imker geschädigt werden könnten. Desweiteren tun sich viele Imker damit schwer das es Bienenhalter gibt, die nicht den größtmöglichen Honigertrag erzielen möchten. Wobei auch hier selbst bei den älteren Imkern teilweise schon ein Umdenken stattgefunden hat. Selbst die Bienenzeitung biene & Natur (Imkerbibel) hat im vergangenen Jahr Mellifera e.V. als Monatsbetrachter über das ganze Jahr ausgewählt. Wäre vor 10 Jahren noch nahezu undenkbar gewesen. Zudem provoziert der Ausdruck wesensgemäße Bienenhaltung natürlich auch ein wenig. Da natürlich auch viele konventionelle Imker eigentlich meinen ihre Bienen „wesensgemäß“ zu halten. Bin seit über 10 Jahren im Imkerverein und wurde auch immer sehr belächelt oder toleriert. Immer noch ein wenig der Exot, aber schon soweit das ich sogar den 2. Vorstandsposten angeboten bekommen habe. Hab ich abgelehnt, aber leite jetzt die Abteilung für Alternative/ ökologische Bienenhaltung :wink:. Soll auch beim diesjährigen Imkerkurs mithelfen, da die Hälfte aller Teilnehmer dieses „neuartige“ Imkern machen wollen. Also es tut sich was. Zeig einfach das du es ernst meinst mit der Bienenhaltung. Den ein oder anderen Seitenhieb kanns immer mal geben…ist auszuhalten! Aufmerksam zuhören, offen sein und seinen eigenen Weg finden…viel Spass dabei!

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Ich bin kürzlich dem regionalen Imkerverein beigetreten und möchte hier einmal meinen Weg dorthin schildern! :slight_smile:

Warnung vor dem Vereine…?

Zunächst war mir als Anfänger der Ratschlag begegnet, dass, falls man vorhat, „ökologischer“, „biologischer“, „wesensgemäßer“, „artgerechter“, d.h. irgendwie halt nicht-konventionell zu imkern, man besser erstmal eigene praktische Erfahrungen sammeln sollte, bevor man an örtliche Imkervereine heran tritt. Sonst wäre die „Gefahr“ zu groß, dass man entweder abgelehnt oder womöglich wortreich auf die dort übliche Betriebsweise „eingenordet“ wird. Mit konkreten eigenen Erfahrungen in der alternativen Betriebsweise sei es einfacher, damit umzugehen. Diesen Ratschlag hatte ich auch zunächst beherzigt.

Positive Begegnungen

Genauso, wie Tobias @Cupido es empfiehlt, habe ich es dann tatsächlich gemacht. Ich hatte schon früh, d.h. bevor ich überhaupt Bienen hatte, den Kontakt mit 2 hiesigen Imkern gesucht. Zunächst nur, um bei dem einen regionalen Honig zu kaufen und bei dem anderen, der offiziell für den Verein Schwärme fängt, mein Interesse für einen Naturschwarm zu bekunden.

Daraus entstanden jeweils mehrere sehr angenehme persönliche Begegnungen mit (Fach-) Gesprächen, in denen die erfahrenen Imker meine Betriebsweise nie in Frage stellten. Im Gegenteil stellten sie sehr interessiert Fragen an mich, den blutigen Anfänger. Interessanterweise sind die beiden auch die Ausbilder desselben Vereins; der eine für Dadant, der andere für Zander (eigener O-Ton: „Liebig-Jünger“).

Der Zufall wollte es dann, dass ich via Schwarmbörse vom dritten Imker des Vereins auch meinen erstes Bienenvolk, einen Naturschwarm, erhielt!

Zum vierten Imker bekam ich den Tipp, dass er der mutmaßlich einzige im Verein sei, der nicht nur entweder Dadant oder Zander hätte, sondern auch Golzbeuten. Dieser Beutentyp interessierte mich auch, so dass ich mit ihm auch schon früh im letzten Jahr Kontakt aufnahm. Im Sommer meldete er sich dann bei mir zurück und lud meine Frau und mich auf seinen Bienenstand ein. Auch hier wurde es wieder eine sehr angenehme und aufschlussreiche Begegnung!

Die Motivation

Ich bin ebenfalls Mitglied des Mellifera e.V. und in einer Mellifera-Regionalgruppe vernetzt. Ich denke, meine Motivation ist mein Wunsch nach weiterem regionalem Austausch auch mit Imkern mit anderen Betriebsweisen. Um mehr darüber zu lernen, auch um über den eigenen Tellerrand zu schauen (Stichwort Nische oder Filterblase) und damit meine eigenen Ansichten und meine Betriebsweise zu hinterfragen. Wie schon Andreas @Ostalbkiste schrieb, bin ich ebenfalls davon überzeugt, dass in einem Imkerverein für wirklich jeden etwas dabei ist. Und ich wünsche mir bzw. habe den Anspruch an mich, dass auch ich etwas beitragen kann.

Nägel mit Köpfen

Im Februar habe ich es dann „gewagt“ und habe aus den durchweg positiven Erfahrungen mit einzelnen Imkern heraus meine Mitgliedschaft beantragt und erhalten.

Schon bei der ersten (Online-) Versammlung, an der ich dann teilnahm, zeigte sich zu meiner Freude, dass auch in dem Verein durchaus ein paar Imker sind, die Interesse an wesensgemäßer Bienenhaltung haben oder sie sogar schon praktizieren! :+1:t2: Auch gibt es Bienenkisten im Verein. Ich bin aber bis dato der erste und einzige mit (Mellifera-) Einraumbeuten. Und ein weiteres Imker-Ehepaar wird dieses Jahr so wie ich mit der Warré starten. Jetzt verdichten sich sogar die Anzeichen, dass sich demnächst innerhalb des Vereins eine Interessensgruppe zur wesensgemäßen Bienenhaltung bilden wird. Damit hatte ich nun nicht wirklich gerechnet! Was will ich mehr? :heart_eyes:

Die Quintessenz

Bei mir hat es sich ausgezahlt, erstmal in Ruhe Kontakt mit einzelnen Imkern aufzunehmen und zu schauen, wie sich die Begegnungen entwickeln. Ich habe den Beitritt nicht bereut. Im Gegenteil! :smile:

Ja, das hoffe ich hiermit ebenfalls getan zu haben! :smile:

Liebe Grüße,
Michael

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den Teil mit der Mellifera-Regionalgruppe fand ich äußerst interessant :wink:

ich glaub hier ausm Darmstädter Umland müsste die Frankfurter Regionalgruppe meine nächste sein - davon ist nicht rein zufällig hier jemand aktiv im Forum? :innocent:

@Olli
stimmt - die Frankfurter Regionalgruppe wäre die nächste in unserem Bereich.
Ich hatte auch schon mit dem Gedanken gespielt mich dort mal zu melden, bin bisher aber noch nicht dazu gekommen :frowning:

@EmmBee
schön das es so verlaufen ist - wenn ich das ein oder andere Imker-Forum durchstöbere bekomme ich manchmal das Gruseln.
Grade im Bezug auf den angedachten Imkerführerschein wird oft nicht so gut von Bienenkiste & Co. und deren Betreiber gesprochen.

Wir haben hier zwei Vereine in der Umgebung. Bei dem, der etwas weiter von mir entfernt ist, habe ich ein recht gutes Gefühl.
Weil ich etwas Bedenken hatte nach Gesprächen mit Imkern direkt aus dem Ort, deutete ich das in meiner Email beim Kontakt mit dem zweiten Verein vorsichtig an und bekam die Antwort, dass bei ihnen alle Imker willkommen seien. Es gäbe auch Imker mit Bienenkiste, Einraumbeute, TBH usw. Ich überlege mir tatsächlich, ob ich dort dieses Jahr eintrete - die Mitgliedschaft bei Mellifera möchte ich aber trotzdem beibehalten

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Auch ich bin seit etwa einem Jahr zusätzlich zur Mellifera Mitgliedschaft Mitglied im örtlichen Imkerverein. Meine persönliche Motivation in den Imkerverein einzutreten war, ich muss es gestehen, zunächst reiner „ Selbstnutz“. Beispielsweise die Information zu AFB Sperrgebieten ( wir sind hier leider sehr geprägt): Die Info dazu kommt einfach unmittelbar. Natürlich kann ich auch proaktiv die Seiten der Veterinärbehörde „ scannen“ aber so ist es um einiges komfortabler. Der Erstkontakt zum Vereinsvorsitzenden war äußerst positiv. Er erwähnte, dass jeder willkommen sei. Betriebsweisen spielen ebenso keine Rolle wie Anzahl der Völker etc. Ich ging also zum ersten Treffen. Wurde als Gast vorgestellt und es ging los. Jeder der Anwesenden beschrieb seine Betriebsweise und den Status quo. Und siehe da, ein „Bienenkistler“ und ein „ Einraumbeutler“ inmitten der konventionellen Imker. Von einem Volk bis zu 380 Völkern war alles mit von der Partie und ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl belächelt zu werden. Ganz im Gegenteil: Ich bin überzeugt, dass das Blicken über den Tellerrand für alle Parteien fruchtbar sein kann bzw. ist. Also: Belebt Mellifera e.V. belebt die Imkervereine!
Liebe Grüße von der Ostsee
Btw: Einen Imkerschein habe ich bereits seit 4 Jahren. Es ist halt alles konventionell geprägt trägt aber sicher in den Augen der „Veteranen“ ungemein zur Akzeptanz bei. ( Ist natürlich Quark denn so ein Zettel sagt wenig über die persönliche „ imkerliche Qualität“ aus).

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Es tut mir leid, wenn ich einigen widersprechen muss.
Eine Zusammenarbeit mit örtlichen Imkervereinen auch ihren Mitgliedern ist hier sehr schwierig.
Ich wohne im Lkrs Freising, Ort Rudelzhausen.
Der ansässige Imkerverein ist veraltert und verknöchert in den Strukturen.
Kurz gesagt: allen Honig ernten und füttern mit Zuckerwasser - Dreimal bis vielmal gegen Varoa behandeln mit Ameisensäure und im Winter mit Oxalsäure.
Wie die Bienen das durchhalten ist mir ein Rätsel.
Ich war ein Jahr in diesem Imkerverein und bin immer wieder vor die Wand gelaufen.
Dieser und auch viele andere Imkervereine haben feste Grundsätze von denen sie nicht abweichen, egal wieviel Bieneenvölker sterben.

Diese Strukturen in Imkervereinen sind nicht förderlich für junge Imker und junge Bienenhalter.
Freue mich auf andere Erfahrungen.

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Hallo Hans,

Ich finde, das ist überhaupt kein Widerspruch, wenn Du Deine leider schlechten Erfahrungen dokumentierst. Im Gegenteil finde es wichtig, dass wir hier die ganze Bandbreite an Erfahrungen sammeln.

Das tut mir sehr leid, dass Du diese Erfahrungen machen musstest, und es ist sehr schade (im Grunde für alle Beteiligten), dass da kein fruchtbarer Dialog zustande kommen konnte! Genau solche Reaktionen hatte ich auch in meinem Fall befürchtet und bin wirklich sehr froh, dass es anders gelaufen ist.

Viele Grüße,
Michael

schönen Dank Michael für Dein Verständnis - was ja nicht üblich ist.
Ich hatte vor ca. 4 Jahren eine gute Erfahrung und auch einen guten Austausch von Erfahrungen mit Bienen. Es war ein Bio-Imker im Kreis Aichach. Von Hubert konnte ich auch viel lernen. Leider mussten wir vor 3 Jahren von dort wegziehen und seither habe ich Probleme mit Bienen in den Wintermonaten.
War vorher nicht so. Vielleicht liegt es doch an dieser Hopfenspritzerei, was natürlich alle in der Holledau leugnen.
Liebe Grüße von Hans

Erfahrungen von Mireen @Mika (Herkunft):