Presshonig, wesensgemäß?

Hallo liebes Forum.

Ich selbst habe noch keine Bienen, wollte aber eigentlich im letzten Jahr damit anfangen.

Die Geburt meiner Tochter hat jedoch meine Prioritäten ersteinmal verschoben :slight_smile:

Das Thema ist aber noch nicht vom Tisch und ich lese nach wie vor vieles darüber. Durch verschiedene Artikel von Mellifera.ev habe ich mich für den wesensgemäßen Weg in die Imkerei entschieden.

Ich möchte dieses Jahr einmal jeden Arbeitsschritt durchplanen und finde es sehr interessant Press- oder Tropfhonig herzustellen. Die anfänglichen Kosten lassen sich gering halten und die Liste von Inhaltsstoffen des Honigs liest sich auch sehr gut.

Ich frage mich nur wie die Bienen damit zurechtkommen dass sie nach der Wabenentnahme wieder jede Menge bauen müssen. Ist das noch wesensgemäß?

Das man durch die Herstellung von Presshonig auf 100% Naturwabenbau setzen kann, ist ja wiederum ein großer Vorteil.

Vielleicht habt Ihr ja eine Erklärung oder einen Lesetipp für mich.

Vielen Dank

Christopher Baier,

Katzweiler

Ich denke es ist eher andersrum: Dadurch, dass man auf Naturwabenbau bzw. Stabilbau setzt, bleibt einem nix anderes übrig als Presshonig zu machen (wenn man denn erntet) :wink: Dass der dann noch gehaltvoller ist, ist ein netter Nebeneffekt …

Je nach Beute müssen sie ja nicht viel neu bauen, zumindest nicht um zu überleben. Außerdem ist das ja nunmal das was Bienen machen: Wabenbauen um Honig zu lagern – die stört das nicht, wenn sie ihren Instinkten nachgehen.
Durch Rähmchen mit Mittelwänden bauen sie vielleicht schneller, aber das hat eher mit der Effizienz der Imkerei zu tun, weil man dann schneller mehr Honigertrag hat, als mit dem was den Bienen gut tut.

Viel Spaß mit dem Nachwuchs und hoffentlich dann bald auch mit den Bienen!

Vielleicht eine Einordnung welche Menge man dabei den Bienen „klaut“ aus dem Honigraum laut einem Imkerkurs: Ein (konventionell gehaltenes) Bienenvolk sammelt im Jahr ca. 200 kg Honig, 20 kg davon werden im Jahr cira geerntet. Das heißt, dass nur 10% geerntet werden von dem was sie sammeln. Dazu kannst du ja auch den Bienen ihren Honig komplett lassen,. Davor warnen aber viele konventionelle Imker, dass die Gefahr groß ist, dass die Bienen im Winter an Melizitose-/Zementhonig verhungern weil die Nektarzusammensetzung die sie finden nicht mehr stimmt. Da bin ich mir unsicher inwiefern das stimmt. Meine Bienen haben letztes Jahr komplett auf ihrem eigenen Honig überwintert, was also gegen die Theorie spricht - vielleicht aber auch nur ein Glücksfall :wink:

Naturwabenbau generell macht es aber nicht unmöglich, die Waben zu schleudern (ich könnte die Rähmchen mit Naturwabenbau aus der ERB schleudern, die Leisten mit Waben aus der Bienenkiste aber nicht)

Ach echt, Rähmchen mit gleichjährigem Naturwabenbau gingen zu schleudern? Gut zu wissen für meine City-Box Einraumbeute. Bei der Bienenkiste werde ich dann wohl nächstes Jahr quetschen.

ich hab erst seit diesem Jahr eine ERB, aber wenn die Rähmchen gedrahtet sind, kann man sie auch schleudern. Neulich wurden hier im Forum glaube ich auch Schleudern vorgestellt, in die die ERB-Rähmchen passen. Ich hab bisher aber keine eigene Erfahrung damit (habe ein Jungvolk aus 2020 und ernte im ersten Jahr natürlich noch nicht)

hab den Beitrag zu den Schleudern gefunden, schau, hier: Schleuderkauf für Einraumbeutenrähmchen
Viele Imker, die gängigere Beuten nutzen (Dadant, 1 1/2 Zander,…) , ermöglichen ihren Bienen auch Naturwabenbau und schleudern die Waben genauso wie Imker, die Mittelwände geben

Erst einmal Danke für eure Antworten.
Honig ernten, möchte ich auf jeden Fall.
Ich will mal sehen wieviel Honig ich denn bekomme bzw wieviel ich überhaupt brauche. Ich kann mir vorstellen dass ich den Bienen tatsächlich nicht alles klaue.
Ich könnte ja auch nach und nach ernten und muss nicht alles auf einmal nehmen. :thinking:
Aber so weit bin ich ja noch lange nicht.

Klar, deswegen hatte ich auch Stabilbau als Konkretisierung dazu geschrieben … und weil nicht klar war von welcher Beute wir ausgehen …
Ich habe aber auch gehört, dass sogar Warré-Waben von Leisten mit einer Vorrichtung (Gitterkörbe🤔) geschleudert werden können. Allerdings kann man auch Presshonig aus Rähmchen machen. Was ich sagen wollte ist halt, dass das eine nicht unbedingt mit dem anderen Zusammenhängen muss …

Da wüsste ich jetzt nicht wie das praktikabel ist :thinking: Allein immer wieder der Aufwand des Filtern und Saubermachen und Abfüllen … für kleine Mengen? Ich glaube nicht …
ALLES nimmst du nach den hier besprochenen Methoden ja eh nicht, sondern eher das, was über ist.

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Punkt für dich.
Ich hatte mich gefragt ob ich alles nehme was über ist oder davon den Bienen auch etwas lasse.
Aber das sind ja gerade nichts weiter als Gedanken.

Ps: Den Umgang untereinander hier finde ich gut.

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Ich muss mal fragen welche Beutenform du planst? Oder habe ich das überlesen?
In der Bienenkiste leere ich in jedem Fall den Honigraum. Die AS Behandlung wird darin durchgeführt.
Grüße Frank

Ich schwanke noch zwischen Bienenkiste und ERB. Tendiere aber eher zur Einraumbeute.

Wenn es nicht wesensgemäß wäre, würde das Wesen das nicht tun. Das ist also für mich eine Zirkelfrage sozusagen.

In der Bienenkiste werden die Waben im Honigraum mit Hilfe von Mittelwand gebaut, was für die Bienen sehr schnell geht.

Ich denke man kann wesensgemäße Handlungen egal bei welchem Tier absichtlich steuern oder unabsichtlich, zb. durch Unwissenheit zur Übertreibung bringen und für sich ausnutzen.

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Gut, dass wir das geklärt haben. :slight_smile:

Während der Arbeit, so wurde es wenigstens bezahlt :smile:

Ja!!! Weil jede Biene in einer bestimmten Phase ihres Lebens voll ausgebildete Wachsdrüsen hat und bauen will. Es wird auch zu anderen Zwecken permanent Wachs benötigt (Verdeckelung des Honigs). Wachs ausschwitzen und bauen gehört zum normalen Alltag des Bien dazu und hat weitere Funktionen, als nur Platz für den Honigüberschuss zu schaffen. Im Wachs werden z.B. auch Krankheitskeime und fettlösliche Umweltgifte eingebaut bzw. dem Honig entzogen.
An anderer Stelle hatte ich neulich geschrieben, dass die Zukunft des Bien im Schwarm liegt. Ein gesundes Bienenvolk schwärmt unter natürlichen Bedingungen jedes Jahr, u.a. um die Chance zu haben, neues Wabenwerk bauen zu können.

Guido Eich vertritt die Ansicht, dass nichts, was man einem Bienenvolk entnommen hat (er spricht davon im Zusammenhang von Honigfütterung, aber das gilt konsequent zuende gedacht für Bienen und Waben eigentlich in gleicher Weise), ihm selbst oder einem anderen Bienenvolk zurückgegeben werden sollte. Warum? Weil das eine Quelle für die Verbreitung von Krankheiten darstellt. Ich meine aber auch, weil man Teile des Bien nur in Notfällen zurücktransplantieren sollte. Das ist auf keinen Fall natürlich. weil ja der Bien das Lebewesen ist und die Waben zum Tier dazu gehören.

Natürlich kann man dann sagen: „OK, das mit den Waben habe ich jetzt verstanden. Ist es aber dann überhaupt wesensgemäß, Honig zu ernten?“. Ich würde sagen: in Maßen schon, da es zum Wesen des Bien gehört, unter guten Bedingungen (für die wir als Imker sorgen), mehr zu sammeln, als sie brauchen. Wenn wir Überschüsse abschöpfen, dann halten sich Belastung und Benefit durch den Imker mindestens die Waage. Und per Definition geht es bei der wesensgemäßen Bienenhaltung ja um eine tiefe Beziehung zwischen Mensch und Bien, zu der das Geben und Nehmen elementar dazu gehört.

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Erhard, würdest du persönlich also keinen Honig an die Bienen zurück geben? Ich mache mir dazu ja gerade Gedanken. Manchmal ist es doch so, dass man den Honig, der sich im HR befindet, Ende Juli erntet und dann nach dem Wiegen evtl. feststellt, dass sich im Brutraum zu wenig Vorräte befinden, man folglich auffüttern muss. Falls das also der Fall ist - würdest du in so einem Fall dann den Honig behalten, ihn den Bienen also nicht zurück geben (dem Verständnis von Guido Eich nach, den du oben erwähnst)

Ich persönlich würde im Regelfall keinen Honig verfüttern, wobei ich das jetzt auch nicht zu eng sehe. Einem Bienenvolk etwas von seinem eigenen Honig zurück zu geben, ist ja erst mal eher unproblematisch. Ich weiß, dass ich damit innerhalb der wesensgemäßen Imker eine abweichende Meinung vertrete. Dort wird ja systematisch Honig in das Winterfutter gegeben (mind. 10%) und Zuckerfütterung gilt als großes Übel. Wenn man aber nur füttert, um in Notlagen zu helfen (zu wenig Vorräte) und nicht eine Betriebsweise hat, wo man Honig gegen Zucker tauscht, sehe ich in der Zuckerfütterung ein notwendiges Übel und mir leuchtet nicht ein, warum man (systematisch) Bienen Honig entnehmen sollte, um ihn anschließend wieder zurück zu geben.
Ich finde, man sollte Honig-Fütterung etwa so betrachten, wie Bluttransfusionen. Das macht man auch nur in Notfällen.

Danke für deine Erklärung, Erhard - falls man keinen Honig möchte, wäre es also besser, die Leisten gar nicht erst in den Honigraum zu hängen?! In dem Fall würden die Bienen gleich alles vorne lagern?
Ich dachte eben, ich würde nur ein paar Gläschen abzwacken und den Rest wieder zurück geben, falls im Brutraum tatsächlich zu wenig Honig für den Winter eingelagert wäre