Oxalsäurebehandlung Varrox Verdampfer

Die Ameisensäure ist zunächst einmal eine sehr agressive Säure. Ob und mit welcher Effektivität die Behandlung erfolgreich ist vs. inwieweit sie womöglich „Kollateralschäden“ anrichtet, hängt von verschiedenen Faktoren wie z. B. Zeitpunkt, Position des Verdunsters im Volk, Dosierung, Dochtgröße und Wetter (Temperatur und Luftfeuchte) ab. Selbst wenn die Behandlung an sich zielführend ist, so gibt es auch Nebenwirkungen.

Die Nachteile der Ameisensäurebehandlung:

Brutschäden: Befindet sich direkt unter dem Verdunster Brut, wird sie häufig geschädigt. […] Auch bei hohen Temperaturen von über 30°C kann die Bienenbrut durch die Ameisensäure geschädigt werden. Die Bienen reißen die Brut dann heraus und man findet auf dem Flugbrett häufig weiße Larven.
Ameisensäure desinfiziert: Die Ameisensäure tötet auch Bakterien, Pilze und Viren ab. Ist doch positiv – sollte man meinen. Doch darunter sind auch wertvolle Mikroorganismen (Antagonisten), die dem Bienenvolk helfen, gesund zu bleiben.
Abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Damit die Säure wie gewünscht verdunstet, müssen die äußeren Bedingungen passen. Ist es zu kalt, wirkt die Ameisensäure nicht. Ist es zu warm, kann sie auch Brut und Bienen schaden. Da die Ameisensäure Wasser zieht, ist es schlecht, wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist. Dann ist die Konzentration der Ameisensäure in der Stockluft nicht hoch genug. Deshalb sollte man die Bienen nicht bei Regenwetter oder Nebel behandeln und nicht parallel füttern. Denn auch bei einer Fütterung verdunstet Wasser und die Wirkung der Ameisensäure ist geringer.
Bienen reagieren empfindlich: Teilweise brausen die Bienen auf, wenn man die Ameisensäure mit einem Verdunster in den Stock gibt. Manche Völker versuchen zudem die übersäuerte Luft hinaus zu fächern, deshalb sieht man vor den Fluglöchern häufig abgestorbenes, braunes Gras. Manche Bienen flüchten auch vor der Säure: Sie machen einen Bogen um die Verdunster und hängen sich teilweise vor dem Flugloch auf.
(Quelle: bienen&natur)

Einzelne tote Bienen und Schäden im Brutnest sind nicht auszuschließen. Die Schäden bleiben aber im Umfang gering, solange nicht überdosiert wird. Hier gilt nicht „Viel hilft viel.“, sondern „Ein zu viel schadet.“. Speziell Jungbienen in der Schlupfphase sind empfindlich gegen die Dämpfe der Ameisensäure.
(Quelle: Die Honigmacher)

Nachdem ich meine Honigbienenvölker mit Ameisensäureverdunstern ausstattete, um vorschriftsmäßig mit 60-prozentiger Ameisensäure gegen die Varroamilben vorzugehen, sah ich zahlreiche tote Jungbienen: mit dem Kopf aus ihren Zellen hängen. Nach ein paar Tagen fand ich nicht nur viele tote Milben in der Gemüllschublade (einer durch ein Gitter vom Bienenraum abgetrennten Schublade, in der sich der organische Abfall des Volks sammelt), sondern auch Hunderte abgerissener Fühler der Bienen selbst. […]
Jeder Imker, der Ameisensäurebehandlungen durchgeführt hat und dabei eine geringfügige Menge der Dämpfe in die Nase bekam, wird kaum vergessen haben, wie schmerzhaft das war. Wie also wird sich eine solche Behandlung für die Biene anfühlen, wenn sie sich anschließend ihre Antennen – diese überlebenswichtigen Werkzeuge – vom Kopf reißt?
(Quelle: Torben Schiffer, Evolution der Bienenhaltung, 2020, S. 9)

Daraus ziehen offenbar einige die Konsequenz:

Einige Imkerinnen und Imker haben wegen der hohen Nebenwirkungen für die Bienen begonnen, auf die Ameisensäure-Behandlung ganz zu verzichten. Sie verwenden auch im Sommer Oxalsäure zur Behandlung.
(Quelle: Johannes Wirz und Norbert Poeplau, Imkern mit der Einraumbeute, 2020, S. 122)

Viele Grüße,
Michael

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