"Weitstirnige" Varroabehandlung

Weitstirnige Varroabehandlung:
Daran arbeiten viele Bienenhalter, auch mit neuen Wundermitteln, egal ob chemisch oder natürlich …
Ich sehe den Inhalt ungefähr so:
Alle arbeiten „miteinander“ - zum Wohle der Biene - nicht nur zum Vorteil (auch Bequemlichkeit) des Menschen.
Jeder akzeptiert den anderen und dessen Meinung, es gibt kein „du bist blöd“!
Und wir müssen einen Weg finden, zwischen der nachhaltigen aber langfristigen Methoden der Natur (übrigens ist das die Lebensgrundlage - auch von uns Menschen) und unseren ungeduldigen und kurzfristigen „Wünschen zum (Honig-) Erfolg“.
Nur mal als Anfang einige Gedanken von mir.
Man könnte (sollte und müsste) ständig darüber diskutieren und philosophieren!
Ich würde mich über sinnvolle Beiträge, ohne Beschimpfungen, nur die eigene Meinung/Erfahrung - man soll sich ja auf sich konzentrieren, sehr freuen - von ALLEN!

Alles Gute vom Rolf

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Wenn es um Varroabehandlung/bekämpfung geht, dann bin ich wieder weg aus dem Thema. Denn wenn es um die verschiedenen Bekämpfungsmittel geht. Besser, schlechter, natürlicher, usw…Würde ich es sogar als sehr „engstirnig“ betrachten.

…Und @Rolf . gefragt, habe ich nach einer „weitstirniger Vorgehensweise“.

Lg Sulz.

Meiner Meinung muss man da tatsächlich etwas weiter denken als nur die reine ›Vernichtung‹ der Milbe – ob chemisch, biologisch oder durch ›Hygiene‹ der Bienen.
So etwas wie natürliches Schwarmverhalten ist ja ach Varroa-Management des Bienenvolkes. Auch wenn die wilden Völker vielleicht nur ein oder zwei – vielleicht auch mal drei – überleben, entstehen durch Schwärme neue Völker und sichern den Fortbestand der Spezie. Wenn es nur um die Bienen geht würden sie das vielleicht auf andere Weise hinbekommen, als wir uns es vorstellen und denken können. Das passt dann aber nicht zu unserer Sichtweise aus menschlicher Sicht/Erfahrung und erst recht nicht zu herkömmlicher Haltungsweise mit Ernteerwartung (konventionell) und vielleicht auch nicht der Haltung in festen Beuten wie wir das auch wesensgemäß betreiben.
Ich hoffe, das ist einigermaßen verständlich, wenn nicht fragt einfach mal nach, ich wollte jetzt hier halt kein seitenlangen Essay schreiben :wink:

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@Cupido :ok_hand:

Das würde ich jetzt als eine weitstirnige Denkweise bezeichnen. Und wohl der erste Schritt, für eventuelle Handlungen in der Praxis.
Aber klar. Gut überlegt und mit Verstand.

Lg Sulz.

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Ich denke es gibt im Grunde nur zwei Wege um ohne Behandlung der Varroa Herr zu werden.

Es gibt keine Behandlung mehr mittels Säuren, sämtliche Völker sterben im Laufe einiger Jahre, übrig bleiben einige resistente Völker. Diese werden sich im Laufe vieler Jahre ausbreiten.

Oder auch nicht, denn sollten wirklich alle Völker sterben, wird es dutzende, hunderte Jahren dauern, bis sich die varroabekämpfende asiatische Biene überall ausgebreitet hat und die Nischen der bisherigen Bienen besetzt.

Voraussetzung ist dabei wiederum, dass der Mensch sich völlig raushält (was nicht passieren wird). Oder aber auf welche Weise auch immer verschwunden ist.

Natürlich ist das rumspekuliert. Vielleicht gelingt es resistente Bienen zu züchten.

Bis dahin behandle ich mit AS und OS.

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Ich überlege, ob das wirklich so kommen muss, wenn nicht behandelt wird.
Durch das Schwärmen ist doch die Arterhaltung gegeben mit einer natürlichen Varroabehandlung durch das Volk selber, oder?

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@Lerngarten Wenn denn alle Imker alle Völker frei Schwärmen lassen würden…

Hast du dabei das Wesen des Biens mitberücksichtigt, oder nur die „natürliche“ Varroabehandlung?

Lg Sulz.

@Sulz:
Hättest du den Begriff „Vorgehensweise“ haben wollen, der steht aber nicht in direktem Zusammenhang zur Varroa, dann eröffne doch bitte selber ein Thema.
Du kritisierst meinen Begriff „Behandlung“, fragst nicht nach, was ich darunter verstehe, jetzt übernimmst du den Begriff selber, im Zusammenhang mit Schwärmen.
Eine „Behandlung“ des Varroabefalls ist für mich Teil der gesamten Betriebsweise, des Umgangs mit den Bienenvölkern und auch unserer Natur.
Und, bei mir steht der Begriff überhaupt nicht im Zusammenhang mit irgendwelchen Mittelchen, egal ob Rhabarber oder Ameisensäure.

Alles Gute vom Rolf

Es geht also doch um die Varroa.

In einem Bienenforum, ein Thema zu den Bienen eröffnen, erscheint mir aber doch etwas komisch.

Und irgendwie, verstehe ich nun gar nicht mehr, was du im anderen Thema als „engstirnig“ gemeint hast…Jetzt stehe ich komplett auf dem Schlauch.

Lg Sulz.

Den Begriff, habe ich aus dem zitierten Text übernommen…

Das Schwärmen, ist die natürliche Vermehrung des Biens, und hat mit der Varroa nichts zu tun. Und hinsichtlich der Varroa, ist das Schwärmen des Biens sogar kontraproduktiv.

Weitstirniges Denken/Handeln, heisst für mich an den Bienen zu orientieren…Und nicht an der Milbe.

Zumindest, bezeichne ich mich als Bienenhalter/Imker. Und klar. Als Bienenhalter, kann es sein, dass man den Bien gegen die Milbe behandeln muss. Ob dies dann desswegen zur Betriebsweise dazu gehört, kann ich nicht nach voll ziehen.

Lg Sulz.

Noch eine Bemerkung dazu:
Ich war der Meinung, dass ich hier in einem Forum von Melifera ev bin, welche das wohlwollen der Honigbienen, schon in den 80er Jahren sich auf die Fahnen geschrieben hat…Mir hat es gefallen.
Nur scheint es in der Umsetzung, nicht danach auszusehen…Für mich, doch mittlerweile etwas fragwürdig…Aber klar: Ich muss ja nicht dabei sein.

Lg Sulz.

Hallo @Sulz - könntest Du diese Aussage bitte auch begründen?
Ich möchte die Beiträge im Forum gerne verstehen bzw. nachvollziehen können.

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Zu diesem Szenario gibt es noch eine andere Variante:
Es gibt keine Behandlung mehr mittels Säuren, sämtliche Völker sterben im Laufe einiger Jahre und es bleiben keine übrig.
Es steht nirgendwo geschrieben, dass eine evolutionäre Anpassung erfolgreich stattfinden muss.

Ich hatte Frank @Frankthebee so verstanden, dass er genau diese Variante

gemeint hat: „Unsere“ Apis mellifera würde aussterben (= Sackgasse der Evolution) und schließlich durch die Apis cerana ersetzt, die mit der Varroa klarkommt.

@Naturfreund

Nach dem Schwärmen, kommt es in den Schwärmen und dem Muttervolk, zu einem verschlechterten Bienen-Brut Verhältnis, welches die Vermehrungsrate der Milbe erhöht.
In der Bilanz, ist der Gewinn aus dem Schwärmen spätestens im August wieder verloren. Wobei die Schwärme dabei stärker betroffen sind, als das Muttervolk, weil dieses von dem „Backfilling“ profitiert…
Ob ein Schwarm ohne Hilfe durch den ersten Winter kommt, hängt davon ab, wieviele Milben er aus dem Muttervolk mitnimmt…Und nach einem Jahr ohne Entmilbung, hat das Volk zum Zeitpunkt des Schwärmens, eben zuviele Milben.

Lg Sulz.

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Durch mehrere Seminare bei Mellifera e.V. habe ich den prägnanten Satz

Schwärmen ist ein Akt der Gesundung!

verinnerlicht.

siehe z.B. auch Mellifera-Blog - klicken zum Aufklappen

Wenn ein Bienenvolk schwärmt, lässt es ⅘ der Milben im Muttervolk zurück. Der Schwarm ist je nach Anfangsbelastung relativ unbelastet. Im Muttervolk dauert mindestens 10 Tage, bis die Jungkönigin anfängt Eier zu legen und weitere 9 Tage, bis wieder verdeckelte Brut im Volk ist. In dieser Zeit können sich die Milben nicht weiter vermehren. Das alleine würde schon die Varroaentwicklung dämpfen. Ein Teil der Milben wird aber in dieser Zeit steril und kann sich nicht mehr vermehren. Dadurch ist auch für das Muttervolk ein erheblicher positiver Effekt zu verzeichnen.

Quelle: Mellifera-Blog, Varroadezimierung durch Schwärmen von Erhard Maria Klein @emk und Gunnar Weidt @gweidt

und auch

Durch die mit dem Schwarmakt verbundene Brutunterbrechung werden bakterielle Erkrankungen wie Faulbrut und Sauerbrut reduziert und auch die Belastung mit der Varroa-Milbe wird vermindert.

Quelle: Mellifera-Blog, Bienen verstehen, wesensgemäß Imkern

Wenn Du nun schreibst

klingt das für mich so, dass aus Deiner Sicht bzw. Erfahrung das Schwärmen hinsichtlich der Varroabelastung im Grunde nichts bringt, weil es am Ende doch wieder auf das gleiche Belastungsniveau hinausläuft. Dies steht offensichtlich im Widerspruch zum allgemeinen Verständnis, dass durch die Brutunterbrechung auch das exponentielle Wachstum der Milbenpopulation vorübergehend unterbrochen wird und das gleiche Niveau eben erst später wieder erreicht würde. Warum meinst Du, dass das Schwärmen hinsichtlich der Varroa sogar kontraproduktiv (= schädlich) ist? Könntest Du Deine Sicht da bitte noch etwas erläutern?

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Ich bin mir nicht sicher, ob das ›bekämpfen‹ die einzige oder vernünftigste Anpassung oder Strategie für resistente Völker ist. Wikipedia sagt zur Östlichen Honigbiene:

Durch verschiedene Abwehrmechanismen, wie z. B. Putzverhalten und kürzere Verdeckelungsdauer der Arbeiterinnenbrut, kann sich bei ihr diese Milbe nur in der Drohnenbrut und auch nur in beschränkter Zahl vermehren.

Es gibt ja eben auch andere Strategien. Ich habe in einem Vortrag mal gelernt, dass die Östliche Honigbiene eben auch eher mal ihre Waben zurücklässt und neu startet, wenn der Varroadruck zu hoch ist. Das käme ja dem Schwärmen gleich. Deswegen denke ich, dass vielleicht auch unser menschliches Denken ›Ich habe ein Volk und mein ganzer Imkerstolz ist, dieses Volk so lange wie möglich zu haben‹ nicht der einzige Weg ist. Das kommt natürlich von den Ertragserwartungen der Imkerei als Nutztierhaltung. Aber Bienen funktionieren nunmal anders als Schweine oder Rinder und vor allem als Menschen und es verlangt einiges unser anthropozentrisches Weltbild zu erweitern und den Indivualkult nicht auf auf andere Wesen zu übertragen.

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Die Vermehrung der Milbe in der Brut, ist keine Konstante und wird durch die Pflege der Brut beeinflusst. Wahrscheinlich auch durch die Population der Milbe selber. (Anteil der vertilen Milben)
Ich bezeichne dies als Vermehrungsfaktor.

In einem Schwarm, ist dieser Faktor deutlich höher als in einem Volk wo nicht schwärmt.
In meiner Praxis mit unbehandelten Völkern kann dies soweit gehen, dass die Schwärme im August eine höhere Milbenlast aufweisen, als die Volker wo nicht geschwärmt haben. Beim Muttervolk, ist der Unterschied eher weniger signifikant, kann aber auch dort negativ sein. Also mehr Milben.

Wenn bei mir ein Volk im Nachsommer/Herbst probleme mit der Milbe bekommt, dann sind es meistens die Schwärme aus diesem Jahr.

Und klar. Wenn die Bienen gegen die Milbe behandelt werden, sieht es sicher anders aus.

Sulz schreibt
„verschlechterten Bienen-Brut Verhältnis“
durch die nicht vorhandene Brut vermehrt sich die Milbe im Schwarm erst mal nicht, genauso wie im Muttervolk. Die Pflege der Brut hat keinen Einflus auf die Vermehrung der Milbe sondern lediglich das vorhanden sein von Brut. Es ist Zufall wieviel Milben mit dem Schwarm abgehen, und davon hängt es auch ab wie schnell sich die Milbe im Schwarm vermehrt.
Der " Vermehrungsfaktor" der Milbe hängt ausschlieslich von der vorhandenen Brut ab
Der Schwarmtrieb hat nicht unbedingt etwas mit der Anzahl der Varroen im Volk zu tun,.

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