Ich habe mir vor kurzem zwei Einraumbeuten gebaut, möchte aber beim Bau in Zukunft die Wände dämmen. Aktuell bin ich mir unsicher wie und mit welchem Material dies am besten klappt.
Hat jemand da eine Idee oder selber Erfahrungen wie man die ERB besser dämmt?
Hallo Piet,
Ich bin auch gerade dabei eine ERB zu bauen. Ich denke bei der Dämmung über drei Varianten nach:
Kork gibt es im Baumark mit 1 cm Dicke. Davon würde ich zwei Lagen aufkleben. Das ist zwar recht teurer, ist aber witterungsbeständig.
Holzweichfaser würde ich 2cm dick aufkleben. Das müsste dann jedoch einen witterungschutz bekommen. Den würde ich aus 4mm Siebdruckplatte aufkleben.
Styrodur ist das billigste. Es braucht allerdings auch einen Schutz vorallem vor der Sonne. Das könnte man mit Gewebe und mineralischen Aussenputz (Wie bei Wärmedmmverbundsystem) machen.
Ökologisch betrachtet ist natürlich Kork die erste Wahl.
Ich bin gespannt, was da noch für Ideen kommen.
Klingt gut.
Würdest du die Dämmung außen oder innen einbauen?
Hatte überlegt vielleicht doppelwandig zu bauen mit einer Dämmung dazwischen. Das erscheint mir aber recht aufwändig. Und wenn man z.B Weichfaserplatten innen anbringt besteht die Gefahr, dass die Bienen diese anknabbern.
Dämmung würde ich immer aussen anbringen. Dadurch nutzt man für ein ausgeglichenes Klima die Speicherkapazität des Holzes.
Man kann natürlich auch überlegen einfach dickes Holz (2 Lagen?) Zu nehmen. Holz dämmt ja auch recht gut. Damit wird das ganze aber recht schwer.
mit entsprechender dicker Wandstärke kann man schon viel erreichen.
Melliferas Original ist da ja schon nicht schlecht. Ich habe ebenfalls eine gebaut und noch ein paar Millimeter draufgepackt, 28mm Leimholz aus dem Baumarkt (inkl. Zusägerei) . Das muss glaube ich nicht noch mehr gedämmt werden.
Richtung Stirnseiten hat man ansonsten die Möglichkeit mit den Dämm-Schied zu arbeiten und leere Waben und Futterwaben geben ebenfalls Dämmung.
Ich hatte vorher ähnliche Überlegungen wie @malkowitz , aber wegen des Mehraufwands verworfen: z.B. Dünnere Platten verwenden und Dämmung draufbringen (Holzfaserdämmung, Kork oder Stroh - definitiv kein Plaste und Elaste) und darauf nochmals eine Verkleidung als Witterungsschutz - Wahnsinnsaufwand. Fand ich. - Das Verhältnis Dämmung zu Gewicht würde so vielleicht Nuancen besser, aber zu welchem Preis (€ und h)?
Die ERB als Konzept ist sowieso keine Beute zum Wandern , sondern sozusagen eine Im(men)obilie. Steht einmal und gut is, weshalb ich nicht am einzelnen Gramm spare.
Wenn sie irgendwann voll belegt und mit gutem Vorrat bestückt ist, fällt das Leergewicht noch weniger ins Gewicht.
Allet Jute P.S.: ich sehe bei meiner Beute außerdem 2x 20mm Dämmplatte als Innendeckel unter dem Blechdeckel vor.
Hallo Linus,
tatsächlich bestehen meine Beuten auch aus 28mm Fichtenholz. Doch in der Natur ist die Dämmung meist das dreifache davon. Bei unseren Breitengraden reicht dies natürlich aus, doch auch vor der extremen Hitze würde ich gerne die Beuten dämmen. Finde aber auch einige Varianten deutlich zu aufwändig zum dämmen.
LG
Das ist sicher auch ein wichtiger Aspekt. Je nach Standort…Wenn die Möglichkeit besteht, ihnen ein schattiges Plätzchen auszusuchen oder zu gestalten, ist die Dämmung gegen Hitze weniger relevant bzw mit 28mm Fichte nicht schlecht. - Ideal ist Schatten unter Laubbaum oder Weinranken, dann hat im Winter die Sonne eine Chance an der Beute anzukommen
Ergänzung: hier im Forum gibt es einige Beschreibungen kreativer Köpfe und versierter Hände, die Strohbeuten entworfen und gebaut haben. Darunter auch Einräumlinge. Die dürften gute Dämmung bei guter Gewichtsbilanz haben.
Das kann ich mir künftig auch für meine Bienen vorstellen mal anzugehen.
Zwar nutze ich nicht die Einraumbeute, sondern ein vergrößertes Dadant-Format, doch auch ich baue meine Beuten selbst. Mittlerweile seit 6 Jahren. Immer wieder wird der Bauplan weiterentwickelt, sodass ich jetzt die 3 Generation meiner Beuten baue. Die Wandstärke liegt bei ca. 5,5 cm - im Sandwichverfahren. Von Innen nach Außen: 18 mm Vollholz, 1cm Hanfvlies und waagerechte Stegleisten, 24 mm Dreischichtplatte (querverleimt). Die Ecken der äußeren Schalung (Dreischichtplatte) werden in Gerung gearbeitet. Das macht die Beute deutlich haltbarer, da keine Stirnseiten des Holzes freiliegen. Auch ragt die Schalung über den Boden der Beute, sodass er kaum der Witterung ausgesetzt wird. Obenauf kommt ein Klimadeckel aufgestülpt, gefüllt mit 3 cm Hanfvlies, 5-6 cm Schilf und Roggenstroh. Das klingt sehr Aufwendung - ist es auch - doch die Beuten können ohne Weiteres 3 Jahre im Freien stehen. Erst dann brauchen sie einen neuen Anstrich.
Meine Empfehlung wäre, nicht über eine Dämmung deiner selbstgebauten Beute nachzudenken, sondern eine solche zu konstruieren. Eine, bei der die Dämmung integriert ist zum Beispiel. Schon während der Planung werden dir Problemchen deutlich, die du schon im Entwurf lösen kannst und nicht erst an der Werkbank.
Ich wünsche dir viel Erfolg!
Hallo piet,
eine gute Diskussion hast Du ausgelöst! Ich interessiere mich auch dafür und seit ich vor kurzem das Buch „Wenn Bienen Imker wären“ von Dean M. Bochem gelesen habe, hab ich eine super Anleitung für mich gefunden. Das Buch ist ein Pädoyer für gedämmte Lagerbeuten/Einraumbeuten. Die Fragen zur Dämmung mit allen Details werden dort beantwortet bzw. über Ideen, Materialien, Erprobungen und Studien dazu berichtet (es geht darüber hinaus um Varroabehandlung mit Wärme, verschiedene Beutenheizungen und Möglichkeiten der Varroabehandlung bzw. evtl. nicht behandeln zu müssen, Standort, ohne Zucker imkern usw.), möglichst einfach und günstig. Ein geniales Buch!
Im Zuge dessen (und weil der Autor im Herbst zur Mellifera Varroa-Konferenz kommt) habe ich mir noch das Buch von David Heaf „The modified golden Hive“ bestellt. Das Buch ist ein Bauplan für gedämmte Einraumbeuten. Er beschreibt auch Varianten seiner Imkerkollegen, die die Dämmung bei der ERB ähnlich oder anders gelöst haben wie er selbst. Allerdings ein dünnes Buch und nichts was bei Dean nicht auch drin steht.
Ein Fazit aus den beiden Büchern, Beuten sollten richtig gut gedämmt werden und im Schatten stehen.
Dean nimmt zum Dämmen u.a. Kork und Kokosmatten in Kombination weil es sich gut ergänzt und er berichtet über alle anderen geeigenten Materialien. Feinkork, möglichst glatte Oberfläche wird von den Bienen nicht angenagt, kann somit innen angebracht werden. Das habe ich selber beim Bau von Trennschieden getestet. Oder wenn man weiches Material (Wollfilz, Weichfaser etc.) innen anbringen will, z.B. als Dämmung oben/Deckel, ist Deans Idee den Wollfilz/die Kokosmatte mit einem Propolisgitter vor den Bienen zu schützen. Sie propolisieren dann alles zu, gut für ein gesundes Beutenklima - drei Seiten einer Beute sollten komplett propolisiert sein laut Dean. Also super Ideen.
@ Sebastian, sehen schön aus Deine Beuten (auf Deiner Interneseite gesehen)!
VG, Seb.
Hallo, das ist ja in der Tat ein inspirierend Thread.
@bienenseb , Danke für den Buchtipp und Kurzzusammenfassung
@sebastian , Danke für Deine Einblicke. Das ist sehr beeindruckend, aber wohl nicht für jeden leistbar - für mich nicht. Wie in so vielen Aspekten ist Bienenhaltung immer wieder Kompromisse machen… Kannst Du abschätzen, wieviel Arbeitszeit in einer Beute steckt? Bist Du handwerklich ausgebildet? Entsprechend ausgestattet augenscheinlich ja
@piet , Danke für die Anstöße durch Deinen ‚Fred‘ und teilen Deiner Herangehensweise und Verbesserungsideen und -fragen.
Die Arbeitszeit der Herstellung einer Beute würde ich - „mit Allem drum und dran“ - auf 8 Stunden schätzen. Trockenzeit und Einkauf nicht mitgerechnet. Wobei ich nie eine einzelne Beute baue. Die letzte Generation, die auf dem Foto zu sehen ist, habe ich im letzten Sommer begonnen zu bauen - 8 Stück, davon 3 vollständig. Erst die Böden im Juli, dann im September die Bruträume. Zuvor hatte ich entschieden meine Adamsfütterer zu Klimadeckeln umzubauen, da ich diese nicht mehr nutze. Diesen Sommer habe 2 Beuten vervollständig und bei 3en fehlt noch die Deckelfüllung und Außenbehandlung. Das werde ich im August noch fertigstellen. In den letzten 10 Jahren wurde mein Wohnhaus grundsaniert. Ich habe alte Holzverkleidungen, Türzargen und Dielenböden sortiert und die guten Teile aufgehoben. Davon zehre ich. Neues Holz kaufe ich aber für die Innenseiten der Beute. Schilf für den Deckel schneide ich im Winter am Bach und Winterroggen lässt sich ganz einfach im Garten aussäen.
Aber du merkst und ich gebe es auch zu - ich brenne für dieses Thema. Ich stecke mein ganzes Herzblut in diese ganzheitliche Herangehensweise und für mich umfasst sie auch, dass ich alles selber baue. Rähmchen, Futtertaschen, Beuten, Böcke und Schiede. Auch mein Garten ist von der Bienenhaltung geprägt und mein Arbeitgeber (der auch mein bester Honighändler ist) entlässt mich 6 Monate im Jahr in die Bienenteilzeit.
Ich kann die Nutzung von geschlossenen, gedämmten oder dickwandingen Bienenbeuten - 4 cm und mehr - deutlich empfehlen! Ich mache aber darauf aufmerksam, dass sich dadurch wichtige Parameter, wie wir sie aus den Imkerbüchern kennen, verändern. Wer in der Imkerpraxis nicht firm ist, sollte diese Umstellung behutsam, in Begleitung oder im Netzwerk umsetzen.
Ich nutze eine semi-professionelle, mobile Tischkreissäge, ein Exzenterschleifer, eine Standbohrmaschine und ein Akkuschrauber.
Eine Tischlerausbildung habe ich nicht, aber auch keine „2 linke Hände“.
Ich habe vor Jahren eine Beute von Bienen Janisch gedämmt. 2,5 cm Korkplatten und darauf 2,4 cm Rauspund Lärche. Ergibt insgesamt ca. 7 cm Wandstärke. Schweineschwer, aber unverrottbar. Auch den Kopf habe ich mit ca. 5 cm gedämmt. Die Bienen gedeihen nicht besser, oder schlechter ald in meinem dünnen Beuten.
Moin.
wenn die Dämmung an der Seite am dicksten ist, hätte ich Bedenken, dass im Frühjahr das Wasser am Dach kondensiert und auf die Bienentraube herunter tropft.
Das Schied ist nix besonderes, einfach nur ein Brett hinter der letzten Wabe. An den Seiten und unten liegt es nicht an. Die Bienen können es umlaufen.