BOBBIE - Citizen Science Projekt zur befallsorientierten Behandlung von Bienenvölkern

Liebe Katrin, liebe Bobbies,

ich habe jetzt bei meinen beiden Versuchsvölkern die Milben gezählt - wegen der anrollenden Hitzewelle heute, nach nur 2 Tagen. Das Ergebnis ist eindeutig: einmal 40 und einmal 25V/2Tage.
Das zweite Volk ist ein Schwarm von diesem Jahr, der am 11. Juni nochmal einen Schwarm abgegeben hat. Das Volk ist immer noch sehr stark. Da es jetzt eine Brutpause hat, bis die neue Königin wieder legt, habe ich doch quasi eine „natürliche“ Varroabehandlung. Soll ich da trotzdem noch eine Schwammtuchbehandlung machen?

Grüße aus dem Norden!

Ja, danke @Katrin. Das hatte ich gelesen.

Was ich nicht gelesen habe (oder überlesen habe) - aber ich gehe davon aus - Die Lüftungsöffnungen der ERB mache ich für die Behandlung zu?! Und das Schied nehme ich raus bzw. schiebe es ans andere Ende der ERB, so kann sich die Säure besser im gesamten Raum verteilen? Oder bleibt das Schied an der letzten Wabe?

Liebe Katharina,

ich sehe es wie du und würde davon ausgehen, dass durch die Brutpause auch eine Verzögerung bei Varroa eintritt. Trotzdem ist es natürlich sinnvoll, wenn du die Milben auf dem Schirm behältst. Ggf. ergibt sich in der Brutpause für die die Möglichkeit, mit Oxalsäure eine schonenende Behandlung zu machen, weil du ja nur noch Milben auf den Bienen hast, die dadurch getroffen werden.

Keinesfalls würde ich in einem brutfreien Bienenvolk AS anwenden. Wenn wieder Brut da ist und auch schlüpft, würde ich mit den Zählungen weitermachen. Vorher bringt es nicht so viel, weil ja die phoretischen (=aufsitzenden) Milben erstmal in die neue Brut einsteigen.

Ich würde sagen, wenn du keine OS anwendest, kann das Bienenvolk etwas später in Bobbie einsteigen.

Viele liebe Grüße

Katrin

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Hi Jette,

wie wir mit Honigwaben umgehen, steht unter „Wie gehe ich mit Honigwaben bzw. -ernte bei meinen Versuchsvölkern um?“: Sie werden für die Dauer der Behandlung hinters Schied gehängt.

Wir gehen davon aus, dass die AS durch die Wabengassen absinkt, dort sozusagen durch die gedeckelten Waben des Brutnestes zieht und dann durch das Flugloch heraus„fließt“ bzw. gefächelt wird.

Dabei halte ich die oberen Lüftungsöffnungen (abseits vom Bienensitz) für wenig relevant und würde bei den unteren nach dem pers. Gefühl gehen.
So habe ich sie z. B. im letzten Jahr mal geschlossen, als ich viel bebrüteten Wildbau im Boden hatte, von dem ich wollte, dass die AS ihn auch noch gut erreicht. Bei der Langzeitverdunstung ist das eine andere Sache, weil man die Stockluft mit AS anreichern will. Beim Schwammtuch geht die Verdunstung aber sehr schnell und ist auch so schnell wieder vorüber (lt. Gebrauchsinfo bereits nach 4-8 Stunden).

Viele Grüße

Katrin

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Dann mache ich das so, zähle aber demnächst nochmal.
Danke Katrin!

Ich werde noch zum Mäusemelker

Das Volk L25 hatte vergangenes Jahr fünf mal mit Schwammtuch und einmal gesprüht behandelt und im Dezember über zwei Wochen mit Null Varroaen gemessen. Klingt doch gut. Es ist ein Volk das stärker als die anderen ist und an einem überwiegend sonnigen Platz steht.

Zur ersten Messung 2025 hatte ich 75 festgestellt. Wo kamen die nur her?? Nach der AS Behandlung fielen in den ersten drei Tagen insgesamt 1161 und innerhalb 14 Tagen waren es dann 2850 durch tägliches zählen. Klingt doch gut.
Bei der zweiten Messung warten es dann 123 täglich und nach dem Schwamm Tuch zählte ich nur bis 300 bei einem viertel der Fläche und gabs dann auf. Im ganzen wären es wohl 1200 innerhalb eines Tages am 24.7. Habe dann leider vergessen den Schieber noch mal für einen Tag zu geben. Am 25. dann den Schieber noch mal und am 27. waren es über 500.

Der Nachbar L 68 war am 27.7 nach vier Tagen bei über 1000.

Varroen sah ich keine auf den Bienen, keine DWV und auch keine lückige oder irgendwie kranke Brut. Die Bienen sehen gesund aus.
Es ist viel Pollen eingelagert und Brut ist noch auf fünf Waben, ist also weniger geworden gegenüber vor einem Monat so wie die Anzahl der Bienen auch.
Nach Liebig und Aumeier wirkt die AS erst so richtig im August – weil dann viele Bienen abgingen und nicht mehr einen so großen Schutzschild um die Brut errichten können.

Vor rund 30 Jahren hatte Dr. Büchler einen Versuch Naturbau/ Drohenenbrutschneiden. Das Ergebnis war rund 7000/2000 Milben. (Büchler in die Biene 2/1996 S 20 ff) So was muss man im Hinterkopf haben.

Ohne die Behandlungen wäre das Volk m.M.wohl demnächst unrettbar verloren und in den Ewigen Honiggründen eingezogen. Man kann auch natürliche Auslese sagen.
Ich denke dass ich dieses und die anderen Völker wieder gut über den Winter bringen werde. Es ist ja noch früh im Jahr.

Macht es Sinn nur zu Behandeln? Sollte eventuell nicht umgeweiselt werden? Mit einem Eistreifen? Auf einen möglichen Schwarm nächstes Jahr warten mit einer Königin mit dann eventuell anderen Eigenschaft was die Varroa angeht? Tzzzz??? Irgendwie muss es doch einen Ausweg aus der Varroa geben. Gibt es einen wesensgemäßen Vorschlag? Das Volk aus dem Projekt abzumelden und dann irgendwas zu tun halte ich nicht für zielführend.

Es gibt auch ein Volk 108 mit zwei mal 8 Milben, es steht an einem überwiegend schattigen Platz unter dem Kirschbaum und ist etwas schwächer in Volksstärke und Honigertrag. Das wäre doch ein Kandidat um umzuweiseln. Irgend eine oder mehrere Eigenschaften stecken doch da drin.

lg
Alexander

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Hallo liebe Bobbie-Imker,

ich möchte euch um Rat und Erfahrungen bitten. Es ist mein erstes Jahr mit der ERB und mein erstes Bobbie Jahr.

Mein Volk in der ERB ist ein Schwarm von Ende Mai, er sitzt auf 9 voll ausgebauten Rähmchen und ist eingefüttert.

Bei den ersten Zählungen fielen keine bzw. nur vereinzelt Milben. Bei der letzten Zählung waren es dann 30 in 3 Tagen. Habe mit 45ml Schwammtuch über dem Brutnest behandelt, Brut war zu dem Zeitpunkt auf 3 Rähmchen. Heute wieder gezählt: mehr als 60 Milben in 3 Tagen!! (Die Hälfte der Milben sind dunkel, die andere Hälfte ist durchsichtig bis hellbraun.) Ich bin geschockt und weiß nicht so richtig, was ich tun soll.

Tagsüber erreichen wir keine 20 Grad mehr und nachts fallen die Temperaturen deutlich unter 10 Grad. Anhand des Gemülls vermute ich, dass das (fast) keine Brut mehr da ist (Wabengassen im Gemüll nicht erkennbar), ich hab aber noch nicht reingeschaut.

Welche Optionen hab ich? Ameisensäure per Schwammtuch am frühen Nachmittag auflegen, wenn es am wärmsten ist? AS Langzeitverdunstung - funktioniert wahrscheinlich nicht mehr. Oxalsäure jetzt schon behandeln, falls sie wirklich brutfrei sein sollten?

Würde mich freuen, wenn ihr eure Einschätzung teilen würdet!

Danke und viele Grüße

Jette

Hallo Jette,

laut Beipackzettel soll Ameisensäure bei Temperaturen >13°C wirksam eingesetzt werden können. Wenn bei dir tagsüber noch diese Temperatur erreicht wird, kannst du behandeln.

Grüße Katharina

Hallo Jette,

Schau doch mal ins Volk rein wieviel Brut noch vorhanden ist. Nach Gebrauchsanweisung geht das Schwammtuch bis 12 Grad. Ich glaube das zwar nicht recht. Die 12 Grad stehen aber auch schon in älteren seriösen Quellen. Gegen Wochende soll es wieder trockener und wärmer werden. Dann lege es bei ausreichend Temperatur auf. Die Wirkung ist nach ein paar Stunden ohnehin durch.

Bei mir ist es 8 Grad und esw regnet und regnet. Ich warte auch auf das Wochenende.

Derzeit ist m.W. nur Ameisensäure zur Behandlung vorgesehen. Die OS erst zur Restentmilbung.

lg Alexander

Danke! Das wusste ich nicht, dass AS auch bei kühleren Temperaturen noch funktioniert. Das mache ich dann auf jeden Fall und kann dann mit dem Volk auch in der Bobbie Beobachtung bleiben. Hoffentlich wirkt es dann auch gut und sie kommen durch…

Hallo @SumMST Jette,

wie lange ist denn Deine AS-Behandlung her? Sie hat eine längere Wirkung. Ich habe keine Schwammtuch-Erfahrungen, aber mit dem Nassenheider Verdunster habe ich die Erfahrung gemacht, dass auch vier Wochen nach Ende der Behandlung noch erhöhter Milbenfall herrscht. Das ist genau das, was man mit der Behandlung erzielen möchte, tote Milben.

Alles Gute

AS wirkt einen Brutzyklus lang. In den ersten zwei bis drei Tagen fallen die Milben die gerade auf den Bienen sitzen. Und da die AS auch in die Brut wirkt, fallen 12 Tage lang, besser 14 Tage lang, auch die Milben die in der Brut erwischt wurden und kommen mit der schlüpfenden Biene auch aus der Brutzelle raus und fallen ab.. . Danach stellt sich wieder natürlicher Milbenfall ein.

Dass vier Wochen lang ein erhöhter Milbenfall durch AS besteht ist nicht die Lehrmeinung.

Die drei bis vier Wochen ist eher was für Sprühverfahren mit OS oder MS.

lg Alexander

Zur Wirkung der AS und der dauer der Wirkung im Volk gilt, bei der Schwammtuchmethode verdunstet sie innerhalb von 4–8 Stunden, was eine Behandlung von etwa 24 Stunden bedeutet. Bei Fertigpräparaten wie den MAQS Streifen, hier hält die Wirkung etwa 7 Tage an, da die Säure über diesen Zeitraum verdunstet.

Danke für Deine plausible Erläuterung.

Dennoch hatte ich einst tatsächlich die Beobachtung gemacht, dass nach ca 3½ Wochen ein wesentlich höherer Totenfall herrschte als vor der Behandlung. Diagnose nach 5 Wochen ergab dann den niedrigsten Wert (habe Wochen später noch einmal diagnostiziert und bestätigt gefunden).

Mein Imkerpate hatte ähnliche Verläufe beobachtet.

Messungenauigkeit ist natürlich immer ‘Programm’ aber dann würde ich die ‘Ausreißer’ eher nach unten erwarten.

Vielleicht hat hier jemand ähnliche oder ganz andere Beobachtungen und Einschätzungen?

Aber Achtung: Du triffst eben auch die Milben in der verdeckelten Brut. Die schlüpft erst 13 Tage später, und mit ihr fallen die damals von der Behandlung getroffenen toten Milben heraus.

Es gibt auch die Ansicht, dass phoretische Milben von der Behandlung geschädigt werden, sich dann aber etwas später noch in eine verdeckelungsreife Zelle “retten”, dort aber ebenfalls sterben, so dass der Behandlungsmilbenfall noch etwas länger gehen könnte als nur 2 Wochen.

Ich habe im Moment ein Volk, was im täglichen Totenfall außergewöhnlich viele helle und lebende dunkle Milben hat. Das werde ich hoffentlich auf unserer Konferenz näher klären können, die wir im November veranstalten (ups, hier fehlt noch der Post, aber es geht um Resistenz und Toleranz: Wege zu einer Koexistenz von Bienen und Milben - hier der Link: www.mellifera.de/toleranz).

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Ich kenne das nur vom sprühen dass halbtote Varroen sich noch mal in die Brut retten, den Zyklus durchlaufen und dann tot oder fast ganz tot rauskommen und dann runterfallen.

Bei Brutfreiheit und spühen von OS oder MS kann es sein dass der natürliche Abfall erst wieder nach drei bis vier Wochen eintritt.

Abert warum sollte das bei AS nicht auch möglich sein.

lg Alexander

Hallo! :blossom:
Es ist verrückt, wie stark die Varroa ein Bienenvolk durcheinanderbringen kann. Viele vergessen, dass das Problem nicht nur die Milbe ist, sondern auch, wie man reagiert. Pauschale Behandlungen schwächen oft die Völker, während „wesensgemäße“ Methoden die Widerstandskraft der Bienen stärken können.

Kleiner persönlicher Tipp: Ein Freund von mir überwacht den Varroa-Befall genau, bevor er eingreift, und seine Völker sind viel gesünder – weniger Stress für die Bienen und für ihn.