Bens Bienen in der Oberträgerbeute!

Ich habe jetzt seit 2017 Bienen. Angefangen hat’s mit zwei Völkern und von da wurde es mehr. Ich bin mit Dadantbeuten und Naturbau gestartet. Inzwischen sind es 16 Völker und ich stoße so langsam auf Platzprobleme. Zu jeder Dadantbeute gehören ja mehrere Honigräume und ein Fütterer. Die muss man außerhalb der Saison irgendwo lagern und das ist schwierig. Ich habe keinen Keller, keine isolierten Dachboden und um’s Haus rum ist nur ein Grünstreifen.

Abgesehen davon gefiel mir an den Dadantbeute das abheben der Honigräume nicht so wirklich. Selbst die Flachzargen sind recht schwer und wenn die Bienen sind nicht sonderlich begeistert, wenn plötzlich das Dach samt Futtervorräten davon schwebt und ein komisches Säugetier seine Nase in die Kiste steckt.

Also habe ich mir letztes Jahr ein paar Dadantlagerbeuten gebaut. Im Prinzip ähnlich der Mellifera Einraumbeute nur eben nicht Hochkant. Da passen 29 Dadanträhmchen rein. Die Kisten gefielen mir eigentlich ganz gut, sie hatten nur das Problem dass der Deckel recht unhandlich ist. Für mich geht’s gerade so, Frau und Kinder tun sich doch recht schwer.

Also habe ich überlegt wie ich einen Klappdeckel an die Kisten ran bekomme. Das führte dann irgendwie vom Hundersten ins Tausende. Zwischenzeitlich hatte ich mal voll isolierte Dadantlagerbeuten mit fünf Zentimeter Holzwollenisolierung rund herum. Die Variante hätte mehr Schrauben als die Titantic Nieten gehabt und hat’s zum Glück nie aus dem CAD-Programm raus geschafft.

Irgendwann habe ich dann von der Familienimkerei Müller gehört. Die nutzen Bienenbarken, das sind Oberträgerbeuten. Diese Art von Beute hatte ich zwar schon mal gesehen, aber nicht weiter beachtet, weil sie etwas Abseits des Imker-Mainstreams liegen. Der Vorteil der Beute liegt darin, dass man keine Rähmchen braucht, also auch keine Rähmchen lagern und vorbereiten muss. Außerdem braucht man dafür ebenfalls keinen zusätzlichen Lagerplatz.

Das klang gut, also plane ich für diese Jahr einige Völker in Oberträgerbeuten umsetzen und parallel zu testen was mir besser liegt. Die Baubeschreibung habe ich hier dokumentiert: Bau einer Oberträgerbeute.

Was mir aktuell schon auffällt ist dass immer mehr Teile ins Konzept reinfallen. Da ich bei einer Oberträgerbeute nicht schleudern kann, brauche ich auch keine Schleuder mehr. Das spart wieder Platz. Wenn ich eh keine Schleuder habe, sondern mit Siebeimern arbeite, kann ich auch kleinere Mengen Honig verarbeiten. Ein Siebeimer für zwei Waben ist Ok, zwei Waben in der Schleuder lohnt nicht. D.h. ich kann theoretisch Volksreinen, mindestens aber standortreinen Honig machen.

Erste Arbeitsvorteile zeigen sich auch schon - und das obwohl noch gar keine Bienen in den Oberträgerbeuten sitzen. Ich habe für die Dadantvölker schon die Honigräume vorbereiten müssen. Das Wetter gibt’s zwar noch nicht her, aber die Bienenmasse steigt. Das beutet ich habe schon wieder die Kisten, mit dem Auto, durch die gegen gekurvt. Bei den Oberträgerbeuten hätte ich bestenfalls das Schied verschieben müssen.

Sorgen bereitet mir noch ein wenig der Ertrag. Sechzehn Völker bedeuten durchaus einiges an Arbeit, da gerät dann auch die finanzielle Seite in den Vordergrund. Wenn das nicht ins Plus kommt, dann kann ich mir gerne ein zwei Völker in den Garten stellen, aber die Volkszahl kann ich mir mit Verlust, dann schlichtweg nicht erlauben.

So, im Moment heißt es erst mal abwarten. Das Wetter ist aktuell so doof, dass die Bienen immer noch in so einem Zwischenzustand sind. Ich muss aufpassen dass den Völkern nicht doch noch das Futter ausgeht. Sollte dass dann besser werden steht als nächster Schritt die Besiedlung der ersten Oberträgerbeute an. In einer meiner Dadantlagerbeuten sind aktuell 2 Völker. Das wird dann also zu eng und eins der Völker muss zwangsläufig umziehen.

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Alles was du dir jetzt an vermeintlicher Arbeitserleichterung ausgedacht hast wirst du sowohl in Sachen Ertrag und Arbeitsaufwand für die Honigernte wieder einbüßen. Wenn du tatsächlich 16 Dadantvölker auf Oberträgerbeute umstellen willst, dann hast du einen riesen Aufwand bei der Honigernte. Bei so einer Anzahl an Völkern muss man einfach schleudern können, um noch einigermaßen effektiv arbeiten zu können. Man kann einfach nicht 16 Völker halten ohne Platz für die Gerätschaften vorzuhalten. Da bleibt nur die Zahl der Völker entsprechend deutlich zu reduzieren. Zumal du wie du schreibst auch noch ein Plus erwirtschaften willst. Mit ständiger Systemumstellung funktioniert das sowieso nicht. Brauchst ja immer neue Kästen und Zubehör. Die Dadanthonigräume gibts auch als halbe vier Wabenzargen. Wiegen dann noch weniger als die Hälfte. Wenn du denkst das die Bienen nicht begeistert sind vom abheben des Honigraums, dann arbeite mit Bienenfluchten. Adam-Fütterer kannst du durch wesentlich kleinere und günstigere Futtertaschen ersetzen. Diese können sogar als Schied genutzt werden.
Fazit: Viele Völker = Effizientes System wie Dadant, Zander oder… 2-3 Völker = Gewinerzielung streichen und mit dem Imkern was dir Spass macht. Man kann einfach nicht alles haben…

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Danke für deinen Beitrag.

Welchen Mehraufwand bei der Honigernte siehst Du? Aktuell gehe ich davon aus, dass es nicht unbedingt mehr oder weniger Aufwand wird, aber ein anderer Aufwand.

Bei Rähmchen muss ich Bienenfluchten einlegen, ein Tag später die HRs holen, die Waben entdeckeln, in die Schleuder stellen. Schleudern, umdrehen, schleudern, sieben. Rähmchen zurück auf die Völker. Klar, kann man mit Radialschleuder und Entdeckelungsmaschine noch optimieren, aber das ist dann ein ganzes Level höher.

Das hin und her fahren zu den Völkern fällt bei mir recht stark ins Gewicht, da die Bienen nicht hinterm Haus stehen und ich auch nicht ständig mit dem Auto da hin will.

Bei Oberträgerbeuten stelle ich mir den Ablauf so vor: Wabe vor Ort abkehren vom Oberträger in eine Eurobox schneiden (Da passt die Waben ganz rein = Vermeidung von Kleckerei), Oberträger zurück in die Kiste. Ab damit nach Haus, ggf. Wabenhonigstücke ausstanzen, Waben in Siebeimer zermatschen, durchlaufen lassen, am nächsten Tag das Wachs rausnehmen. Ließe sich mit Schneckenpresse oder kontinuierlichem Wachsschmelzer optimieren, ist aber wie oben dann wieder eine andere Liga. Fraglich ist noch wie gut das sieben via Eimer geht, wenn der Honig fester ist und ob das vor Ort ausschneiden sich nicht besser durch Trägertausch ersetzen lässt.

Prinzipiell beschreibt Wyatt Mangum und Michael Bush aber dass das Sieben auch bei 200 Völker (Mangum) funktioniert.

Bzgl. Ertrag - ich habe die Kosten pro Volk durch gerechnet und Libreoffice meint, dass ich mit einer realistischen Honigmenge und Preis durchaus kostendeckend sein kann. Wachs und Wabenhonig ist da noch nicht berücksichtigt. Da ich keinerlei Wachs für Mittelwände brauche, käme das quasi noch dazu. Aber ja, Computertabellen sind geduldig. Da sind einfach zu viele Variablen drin um 100%ig zuverlässig zu sein.

Ich will auch gar nicht behaupten, dass die Methode Oberträgerbeute generell die Bessere ist. Wäre das so, wären OTB die Regel und nicht die Exotenbeuten die sie sind. Allerdings sind sie vielleicht für mich die bessere Variante, eben weil meine Bedingungen anders liegen. Die Planungen und die Beispiele anderer Imker deuten darauf hin dass es funktionieren könnte. Und mehr als solche Indizien bekommt man ja leider nicht. Wäre es anders, hätten wir alle vorletztes Jahr Aktien von Klopapier- und Nudelproduzenten gekauft.

Deshalb will ich das mal ausprobieren - es könnte klappen und falls es dass tut wäre das prima.

Hallo,

ich weiß jetzt nicht wie Du das bisher gemacht hast und wieviel Honig Du von Deinen 16 Völkern bisher hattest.
Aber ein normaler Magazinimker an einem durchschnittlichen Standort (ohne Wanderung) kann sicher 30kg Honig in einem durchschnittlichen Jahr ernten.
Bei Deinen 16 Völkern wäre das ca. eine halbe Tonne Honig.
Wenn Du das Wännchenweise ernten möchtest dann fährst Du oft und die 500kg tropfen auch ein Weilchen…

Dann kannst Du die Waben auch auf dem Fahrrad transportieren um Sprit zu sparen.
Oder du läufst, dann brauchst Du nicht mal Platz und Geld für Fahrrad und Auto.

Jetzt ernsthaft:
Je größer der Betrieb umso effizienter musst du arbeiten, erst Recht wenn Du Geld verdienen möchtest.

Abgesehen davon bin ich überzeugt dass es 100e Arten gibt wie Du leichter mehr Geld verdienen kannst als mit Bienen und Honigverkauf.
Aber es kann ja auch nur Spaß machen…

Gruß Andreas

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Hat ja alles mit wesengemäßer Bienenhaltung nichts zu tun - was ihr hier alles so schreibt.
Konventionelle Imker wollen Ertrag sehen und Geld kassieren - sehr sehr traurig.
Das gehört nicht zur Haltung von Honigbienen nach den Mellifera-Prinzipien und zu einer wesensgemäßen Bienenhaltung - viel Ertrag und wenig tun.

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Eigentlich hat das nur einer geschrieben, also bitte nicht verallgemeinern…

Wir beiden anderen im Chatverlauf haben das weder gut geheissen noch befürwortet.

Sorry - Dein Kommentar gab mir den Eindruck, dass deine Imkerei voll auf Honigertrag ausgerichtet ist

„„Jetzt ernsthaft:
Je größer der Betrieb umso effizienter musst du arbeiten, erst Recht wenn Du Geld verdienen möchtest.““

Andreas - was wolltest du uns damit sagen ??

Genau das was ich geschrieben habe.
Nämlich dass wer groß sein will und Geld verdienen möchte auch effizient arbeiten muss.

Das gilt beim Imkern genauso wie beim Bäcker oder Handwerker.

Das heißt aber nicht, dass es deswegen besser oder erstrebenswert ist und auch nicht daß ich das gut finde.

Bensbienen wollte offensichtlich mit einer stattlichen Anzahl an Bienenvölkern Geld verdienen.
Dazu braucht es eine gewisse Effizienz und die besteht nicht darin, dass du 500kg Honig als Tropfhonig erntest.

Du findest ja auch keinen gewerblichen Gipser der ein Gerüst aus Baumstangen und Stricken aufstellt und den Gips von Hand aufträgt.
Das ist zu aufwendig und es geht mit modernen Gerätschaften schneller und einfacher.
Wenn das jemand für sich einmalig und privat macht sieht es anders aus.

Anders gesagt möchte Bensbienen groß sein und Geld verdienen, ist aber was die Effizienz betrifft dabei es zu verkomplizieren. Das ist konträr und lässt mich auch am Realitätssinn und Erfahrung zweifeln.

Da stimme ich völlig zu. Je größer, desto mehr Effizienz. Deshalb ja Oberträger: Keine Abstandshalter, keine Anfangsstreifen, kein Ausschmelzen von Altwachs. Keine Schleuder die zu Bedienen und Reinigen ist, keine Waben die zu entdeckeln sind.

Klar, es gibt dafür andere Tätigkeiten wie Oberträger sägen, Waben zerkleinern, etc. Ersteres kann ich dann einer vorhandenen Werkstatt recht effizient durchführen, letzteres werde ich sehen welche beiden Abläufe mehr Aufwand bedeuten.

Ausgehend von der Melliferaseite https://www.mellifera.de/ueber-uns/was-ist-wesensgemaesse-bienenhaltung.html sind die folgenden Punkte ausschlaggebend für wesensgemäße Bienenhaltung.

  • Naturwabenbau: Ist bei der OTB zwangsläufig gegegen.

  • Vermehrung über den Schwarmtrieb: Ich breche keine Schwarmzellen, ich führe eine Schwarmvorwegnahme durch. Königinnenzucht via Umlarven und Mini Plus habe ich mal versucht, gefiel mir nicht. Die Mini-Plus Beuten stehen leer hinterm Haus.

  • Varroabehandlung in der OTB unterscheidet sich nicht von der Melliferaeinraumbeute. Was hier den Bienen am angenehmsten ist, kann ich nicht abschließend beantworten, keine der Methode dürfte Begeisterungsstürme auslösen. AS ist für die Bienen nicht angenehmt, Königin käfigen zwecks Brutpause ist nicht schön, Totale Brutentnahme bedeutet entweder die Vernichtung der Brut oder Brutsammler was wieder AS und/oder Zellen brechen bedeutet. Alles nicht schön, aber eine Methode ist notwendig - Varroaresistenzzucht ist nichts für den Hobby/Nebenerwerbsimker.

  • Respekt vor dem Bien: Stimme ich zu, es zu beweisen ist natürlich schwierig. Für mich gehört da dazu die folgenden Punkte dazu:

  • Kein schneiden von Königinnenflügeln: Was ich nicht tue.

  • Kein Wandern: Ein Baum läuft auch nicht mit den Bienen von Tracht zu Tracht. In der OTB ist Wandern nicht wirklich praktikabel.

  • Kein schneiden von Drohnenbrut: Man könnte argumentieren, dass das Schneiden von Drohnenbrut dem Bien gegen die Varroa hilft und so in Summe besser für ihn ist. Dem widerspreche ich, es gibt bessere Methoden der Varroabehandlung und die Drohnen erfüllen auch unabhängig von Schwarmtrieb eine Aufgabe im Stock.

Zum Punkt ‚wenig tun‘. Was spricht dagegen wenn der Imker weniger zu tun hat? Weniger Arbeiten am Volk heißt auch weniger Störungen. Natürlich darf die Arbeitsersparnis nicht auf Kosten des Bien gehen, d.h. ich kann mir nicht einfach die Varroabehandlung sparen, aber ein Bandscheibenvorfall meinerseits nützt den Bienen nicht wirklich.

Zu guter Letzt: Die Gewinnerzielungsabsicht. Da gibt es natürlich mehrere Stufen. Ganz oben die ‚More than Honey‘ - Variante, wo die Völker auf Teufel komm raus in die Mandeln gefahren werden und am Ende vom Jahr zerrupft und neu zusammen gesetzt werden. Ja, das ist definitiv abzulehnen.

Das andere Ende ist die völlige Abwesenheit von wirtschaftlichen Überlegungen. Bienenhaltung ohne menschlichen Eingriff - ohne Honigentnahme, denn wenn man es ganz genau nimmt, ist die Honigentnahme zum Eigenverbraucht ja auch ein wirtschaftlicher Vorteil für den Bienenhalter. Prinzipiell wäre das der Idealzustand, allerdings ist die Frage ob das so funktionieren kann.

Die Bienen sind im Ökosystem notwendig. Wir Menschen haben das System aber so weit kaputt gemacht, dass die Bienen ohne Unterstützung mittelfristig nicht klar kommen. Langfristig wäre das durchaus denkbar, aber sicher ist es nicht. Wir haben genügend Arten ausgerottet in dem wir einfach nur Neubaugebiete ausgewiesen haben. Das Insektensterben stimmt mich auch nicht unbedingt positiv, dass die Bienen so ganz alleine klar kommen, solange wir noch da sind. Nur zur Sicherheit: Ich behaupte nicht dass die Bienen uns generell zum Leben brauchen, das haben sie lange ohne uns geschafft. Ich sage nur, dass die Bienen in der Welt, die wir innerhalb kürzester Zeit verkorkst haben ein existenzielles Problem haben könnten!

D.h. irgendjemand muss letztlich Zeit und Energie investieren und die Bienen unterstützen. Wenn das jemand so zu sagen auf eigene Kosten macht, dann verdient diese Person höchstes Lob, allerdings kann und will sich das nicht unbedingt jeder unbedingt Leisten. So ein Schiffer-Tree für 600 Euro ist halt ne andere Hausnummer als ein kleines Vogelhäuschen. Also werden das viel weniger Leute machen, was wahrscheinlich eine deutliche Senkung der Honigbienenvölker führt.

Man kann da natürlich noch viel länger diskutieren, welche Eingriffe der Mensch überhaupt machen sollte, oder ob er als Teil der Welt nicht sogar dazu verpflichtet ist. Ich persönlich finde wir sind es, denn wer wenn nicht wir, trägt die Verantwortung zum Erhalt des Lebens auf dem Planten. Leider machen wir nicht unbedingt einen guten Job, aber letztlich kommen wir hier in philosophische Bereiche. Da ist ein Bienenforum vielleicht nicht ganz passend.

Letztlich hilft also eigentlich nur ein Mittelweg - eine Zusammenarbeit mit dem Bien zum gegenseitigen Nutzen. Wenn ich also Honig entnehme ohne die Bienen zu beräubern, was spricht dagegen, wenn ich den Honig anderen Menschen verkaufe und so dafür sorgen kann, dass ich genügend Geld und Zeit für die Betreuung der Bienenvölker habe?

Klar, das ist jetzt schön daher geredet und wer weiß, vielleicht liegt ja neben meiner Tastatur der turbokapitalistische Masterplan zur Ausbeutung der Honigbienen zur Profitmaximierung. Allerdings wie oben bereits erwähnt wurde: Es gäbe 100e Arten wie ich leichter Geld verdienen könnte. Da kann ich nur zustimmen. Wenn ich rein nach Gewinn- und Verlust gehe, bin ich aktuell ein stramm idealistischer Bienenhalter, welcher finanziellen Gewinn nicht nur ablehnt, sondern auch aktiv an dessen Vermeidung arbeitet :laughing: .

Das Risiko, dass das alles nicht funktioniert wie ich mir das vorstelle und somit mein jugendlicher Leichtsinn (sowas hat man auch mit 39 wohl noch) durch ein hartes Aufschlagen in der Realität bestraft wird, ist nicht ab zu streiten.

Was wäre das Risiko?
Ein gewisses Risiko für die Bienen besteht. Nicht unbedingt durch die Art der Kiste, aber Vernachlässigung durch Überarbeitung meinerseits. Das ist nicht ab zu streiten. Diese Risiko versuche ich durch langsames Wachstum zu vermeiden. Das lief bisher recht gut. Auch bei meiner, vergleichsweise hohen Völkerzahl habe ich keine nennenswerten Völkerverluste. Letztes Jahr habe ich 16 Völker eingewintert, und 16 Völker fliegen wieder. Ich behaupte nicht dass ich keine Fehler mache, aber ein Bienenkiller scheine ich auch nicht zu sein.

Das weitere Risiko wäre dass ich finanziellen Verlust mit der Imkerei mache. Genau genommen ist das eigentlich aktuell kein Risiko, sondern Gewissheit. Insbesondere durch den Bau neuer Kisten, lege ich aktuell drauf. Aber letztlich ist das ja auch nur mein Problem. Ob ich mein Geld jetzt in eine Modelleisenbahn stecke, einen Aktienfond, oder in Holzkisten bleibt ja mir überlassen. Wenn ich irgendwann mal keine Holzkisten mehr kaufen kann oder will gebe ich die Bienen gerne in bessere Hände. Die Kisten sind dank Biofarbe und Verzicht auf synthetische Material CO2-neutral thermisch verwertbar.

Welche Chancen bestehen?
Vielleicht finde ich einen Weg der mir mein Bienenhobby einfacher macht und es mir ermöglicht mein einem kleinen Gewinn am Ende des Jahres mit meinen Liebsten ein wenig zu feiern. Reich werde ich durch die Imkerei nicht, das war aber auch nie das Ziel.

Lernen werde ich, und potenziell auch andere davon, auf jeden Fall. Mehr zu wissen hat noch nie geschadet, und wenn es nur das Wissen ist, wie es nicht geht.

Was wäre die Alternative?
Ich könnte das ganze sein lassen. Klar, wäre um ein vielfaches einfacher. Das kann man aber zu allem sagen. Sollte ich mal ein neues Rezept ausprobieren? Nein, lass sein, schmeckt bestimmt nicht. Sollte ich ein neues Hobby anfangen? Nein, lass sein, kostet Geld, ist kompliziert und diese kleinen gestreiften Viecher können stechen.

Ich habe, hoffentlich, noch ein paar Jahre auf dem Planeten. Aber wenn’s mal rum ist und ich zurück auf meine Leben blicke - ich glaube ich werde die Dinge die ich aus Furcht vor dem Scheitern habe bleiben lasse, mehr bereuen als die Dinge, die nichts geworden sind.

Aber zum eigentlichen Thema zurück:

Ja, richtig. Ich muss aber sowieso regelmäßig zu den Bienen zwecks Schwarmkontrolle. Was spricht gegen die kontinuierliche Entnahme von Honig bei diesen Kontrollen? Statt einmal die HRs zu Ernten, werden nur die bereits fertigen Oberträger entnommen. Auch bei den Magazinbeuten sind die Honigräume ja auch in unterschiedlichem Zustand, stellenweise sind ja nicht mal alle Rähmchen innerhalb eines HRs gleich trocken.

Das Tropfen des Honig dauert auch, richtig. Entdeckeln und Schleudern dauert allerdings auch. Durch Sieb tropft der Honig allerdings alleine, da muss ich nicht daneben stehen. Platz für die Eimer habe ich glücklicherweise - im Gegensatz zum Platz für die leeren HRs. Das Tropfen ließe sich via (Schnecken)presse noch beschleunigen. Schleudern ginge durch eine Selbstwendeschleuder schneller. Beide Punkte lasse ich allerdings erst mal außen vor. Maschinen kaufen um Zeit zu sparen geht immer.

Meine Hypothese in diesem Fall: Die Gewinnung von Honig durch die Eimermethode ist nicht weniger Effizient als das Schleudern. Im Einzelfall kann es sogar effizienter sein in Bezug auf Zeitaufwand.

In Bezug auf Kostendeckung: Der Honigertrag wird geringer sein, da die Bienen ja jedes mal wieder Waben bauen müssen. Dafür ist der Ertrag an Wabenhonig und Wachs höher. Denkbar dass dieser Faktor den verlorenen Kostenbeitrag ausgleicht.

Garantien gibt’s wie immer keine.

Was spräche prinzipiell dagegen ein E-Bike zu nutzen? Es gibt inzwischen Cargo-Bikes die entsprechende Kapazitäten haben, auch motorisierte Anhänger sind verfügbar. Letztlich ist das eigentlich nur eine Frage der Völkerzahl. 300 kann ich mit dem Fahrrad alleine nicht bedienen, klar. 30 vielleicht schon.

Das ist ja eine ganze Menge Lesestoff. Ich will gar nicht auf alle Punkte eingehen. Ich stimme dir im Wesentlichen zu. Probier es aus. Erstmal mit einer kleinen Anzahl und wenn’s gut läuft, kannst du ja weiter ausbauen.

Ein Punkt ist mir noch aufgefallen:

Hier zu würde ich antworten: „Das Timing“. Vielleicht ist es in Magazinen möglich, aber in meinen Einraumbeuten hatte ich bisher zur Schwarmzeit noch nie erntereifen Honig… (Allerdings bin ich auch erst im dritten Jahr.)

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Jeder, der einen Beruf hat, von dem er leben muss, will Geld kassieren.
Von welchem Geld lebst denn Du?

Gruß
Heiner

So, gerade hat die Schwarmvorwegnahme geklappt. Rein von der Größe der Made in der Zelle hätte ich mir wahrscheinlich noch ein, zwei Tage Zeit lassen können. Bei dem unbeständigen Wetter hier bin aber lieber etwas zu früh. Nicht das es morgen nach Feierabend in Strömen regnet und ich die Kiste nicht aufmachen kann.

Morgen wird das Volk dann in die erste Oberträgerbeute eingebracht.

Das einschlagen vor zwei Tagen hat geklappt. Heute habe ich das erste mal ein vorsichtig nach den Bienen geschaut.

Was so auf den ersten Blick zeigt.

  • Die Bienen waren gefühlt ruhiger als wenn ich eine Dadantkiste aufmache. Das entfernen eines Oberträgers sorgt nur für eine kleine Lücke, und es kommen keine Bienen rausgeflogen. Die Bienen die am Oberträger sitzen laufen dann oben auf den restlichen Trägern herum und machen eine etwas verwirrten Eindruck, weil plötzlich der Zugang weg ist. Agressivität konnte ich aber keine feststellen.

  • Das zusammenschieben der Oberträger muss man anders machen. Ran schieben die bei den Rähmchen geht nicht, da sitzen die Bienen im Weg, wenn man den Träger aber von oben am nächsten herunterschiebt, funktioniert das gut. Die Bienen werden dann vorsichtig in die Beute zurück geschoben.

  • Das Schied ist in der Hinsicht schwieriger. Das herunterschieben funktioniert nicht 100% ideal, da am Boden der Beute noch Bienen sitzen, für die besteht Quetschgefahr. Ich denke aber wenn der Wabenbau vorangeschritten ist, löst sich das Problem von alleine.

  • Der Einblick in die Beute ist schlechter. Klar man kann halt nicht mehr zwischen den Rähmchen in die Gassen schauen und solange noch keine Waben ausgebaut sind, will ich auch nicht zu sehr stören, d.h. ich nehme keine Oberträger aus der Mitte raus. Aber auch das, denke ich wird besser sobald die Waben ausgebaut sind. Das dürfte letztlich die andere Seite der Medaille sein. Ruhigere Bienen, weil weniger Störung, weniger Störung, weil schlechter einsehbar.

  • Die Dreiecksprofile funktionieren - zumindest soweit ich das zum aktuellen Zeitpunkt beurteilen kann. Die Baubienen hingen entlang der Oberträger. Das wird sich aber erst in ein paar Tagen zeigen.

  • Die Futterkammer wurde gefunden. Hatte mir etwas Gedanken gemacht ob das Futter hinter dem Schied gefunden wird. Der hat nämlich nur oben 3 Löcher und ist an den Seiten nicht umlaufbar. Scheint aber kein Problem zu sein.

  • Die Fluglöcher sind stärker ‚gefüllt‘. Während bei den Dadantkisten das Flugloch immer leer ist, abgesehen eben von den startenden und landenden Bienen, sitzen bei den runden, kleinen Fluglöchern Bienen drin. Ob das nun gut oder schlecht ist, lässt sich noch nicht so sagen.

Alles in allem bin ich erstmal zufrieden. Es zeigten sich noch keine gravierenden Probleme, es ist ja aber noch ziemlich früh im Experiment Oberträgerbeute.

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Hier der Blick von Oben hinter Schied. Unten sieht man die Futterschüssel.


Einen ersten Untermieter gibt’s auch schon.

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Direkt nach dem Einzug der Bienen. Ich wollte erst nur ein Flugloch öffnen, habe dann aber die anderen Korken doch noch entfernt. War mir etwas viel Stau vor der Öffnung.

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Heute hat es endlich mal mit Wetter und Zeit gepasst, so dass ich nach den Bienen schauen konnte. Vor drei Tagen habe ich ein zweites Volk in eine zweite Oberträgerbeute eingeschlagen. Das Wetter war zwar nicht so prickelnd, aber das Muttervolk hatte schon verdeckelte Schwarmzellen, da war es mit der Schwarmvorwegnahme allerhöchste Eisenbahn.

Erkenntnisse soweit:

  • Die Dreiecksprofile funktionieren: Die Bienen haben sich gut an die Vorgabe gehalten, nur einen Oberträger musste ich etwas korrigieren. Das ist bei Rähmchen mit Anfangsstreifen auch nicht anders.
  • Die Bienen sind immer noch sehr entspannt. Es ist ja immer nur eine kleine Lücke offen, d.h. es können gar keine ‚Heerscharen‘ aufsteigen.
  • Das zusammenschieben der Oberträger funktioniert mit etwas Übung inzwischen recht gut. Man quetscht keine Bienen wenn man mit Gefühl vor geht.
  • Das Rausheben den Oberträger ist einfacher als bei Rähmchen. Bei den Rähmchen, selbst bei Dadant besteht immer die Gefahr dass man Bienen zwische Rähmchen und Wand rollt oder quetscht, wenn sich das Rähmchen verkantet. Das passier bei der Oberträgern nicht, man hebt die Wabe ja aus einem V-förmigen Querschnitt raus. Da kann nix verkanten. Außerdem gibt’s ja kein Holz zwischen Wabe und Wand.
  • Die Stabilität der Waben ist nicht so schwach wie befürchtet aber auch nicht so gut wie erhofft. Klar, wird noch etwas stabiler mit der Zeit, aber es ist doch Vorsicht geboten beim Umgang.
  • Die runden Fluglöcher gefallen mir gut. Ich habe keine fachliche Begründung, aber es fühlt sich einfach stimmiger an.

Hier noch ein paar Fotos. Ich bitte die Qualität ein wenig zu entschuldigen, mein heutiger Fotoassistent braucht noch etwas Übung.


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Hier noch ein kurzes - dezent verwackeltes - Video vom Flugbetrieb an den Beuten.
https://youtu.be/2rIFvm_Vx7Y

Heute habe ich die eingezogenen Schwärme mit Oxalsäure behandelt. Beim ersten Volk war dafür eigentlich schon etwas zu spät, da muss ich dann im späteren Jahr nochmal eine Befallsmessung machen und ggf. nochmal behandeln.

Ansonsten gefallen mir die Oberträgerbeuten echt gut. Der Umgang mit den Oberträgern ist sehr angenehm.

Hier noch zwei Fotos:


Heute ist ein weiteres Volk in eine Oberträgerbeute umgezogen.