Behandlung mit Brennnessel?

beim letzten Summasummarum-Treffen berichtete eine Teilnehmerin (Anfängerin), dass sie zur Behandlung Brennesselblätter auf die Rähmchen lege, die von den Bienen durch das Volk gezogen würden und über das Flugloch entsorgt. Sie habe damit gute Erfahrung. In der Runde hinterließ diese Aussage großen Schweigen, dabei hätte mich interessiert, ob von den erfahrenen Imkern jemand etwas dazu sagen kann. Wenn die Varraomilben durch Brennnesseln ebensogut wie durch Ameisensäure in Schach gehalten werden könnten, wäre die Methode doch durchaus interessant, auch unter dem Aspekt, dass eine gleichmäßige Konzentration eher gegeben wäre, als mit der Schwammtuch-Methode.
Mit herzlichem Gruß,
Maikel

Ich habe so etwas ähnliches mal über Rhabarberblätter gehört, weil Rhabarber von Natur aus auch Oxalsäure enthält. Habe aber keine seriöse Quelle, geschweige denn Erfahrung damit…

In den vergangenen 40 Jahren ist so viel über „Behandlungsmethoden“ erzählt worden. Kaum zu glaubern dass so was immer noch rumgeistert.
Beim Summasummarum wird bestimmt auch über wirksame erprobte Methoden berichtet.
An die würde ich mich halten.

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Lieber @Maikel,

Das allein ist schon ein Widerspruch. Wenn diese Anfängerin auf 4 oder mehr Jahre Erfahrung mit der Methode zurückgreifen könnte und die betreffenden Völker überwiegend noch leben würden, dann würde ich das mit der „guten Erfahrung“ glauben (dann wäre sie aber keine Anfängerin mehr). Was ich aus eigener Erfahrung mit Rhabarber bestätigen kann, ist, dass die Pflanzenteile durch die Bienen nach und nach entsorgt werden.

Ja, das wurde in meinem Umfeld tatsächlich auch von mehreren eigentlich wohlmeinenden Bienenmenschen praktiziert. Meines Wissens nach leben die betreffenden Völker nicht mehr… Ich selber habe es auch ausprobiert, jedoch nicht als einzige Behandlung.

Das ist nach meiner Beobachtung gerade bei Anfängern so. Ich war zu Anfang auch der Meinung, dass es da doch etwas alternatives, genauso wie die klassische Behandlung Wirksames geben müsse! Aber reihenweise sind diese Bienenmenschen, die ihren Bienen mit alternativen Behandlungsmethoden (inkl. Nichtbehandlung, z.B. im Schiffer Tree) eigentlich etwas Gutes tun wollten, durch das Tal der Tränen gegangen und haben teilweise auch frustriert das Handtuch mit der Bienenhaltung geworfen, nachdem ihnen die Völker spätestens im zweiten Jahr eingegangen waren.

Das möchte ich so unterschreiben!

Liebe Grüße,
Michael

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Weil ich schon vor der Varroazeit imkerte und den ersten Befall und die ganze Entwicklung über mehr als 40 Jahre selbst mitbekam kann ich von den sogenannten alternativen Konzepten und varroarestistenten Bienen (schon Angang der 80igern) Lieder singen. Mit tun die Leute leid die darauf reingefallen sind und insbesondere die Bienen die eingegangen sind.
Wir haben Tiere in Pflege genommen und havben die verdammte Pflicht uns um sie zu kümmern.
lg
Alexander

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Ich imkere jetzt seit acht Jahren und behandle gegen Varroa mit Ameisensäure und mit Oxalsäuredampf immer dann wenn ich es für notwendig halte.

Generell wird ja vieles über Bienen gesagt und geschrieben, aber letztendlich muss jeder selber entscheiden wie er mit seinen Völkern umgeht.

In meiner näheren Umgebung bin ich heuer auf immerhin drei wild lebende Völker gestoßen, welche sich in ihren selbst gewählten Behausungen (Baumhöhlen sowie Mauernischen in verlassenen Gebäuden) angesiedelt haben.

Bei einem davon weiß ich sicher, dass es nicht erst heuer eingezogen ist - bei den beiden anderen ist es wahrscheinlich auch so.

Ich beobachte diese Völker um zu sehen, über welche Zeiträume sie ohne menschliche Eingriffe überleben können.

Sollte dies über mehrere Jahre möglich sein, wäre es für mich ein gutes Zeichen dafür, dass Bienen, bei geeigneten Bedingungen, auch ohne Behandlungen mit Varroa zurecht kommen können.

Es geistern natürlich auch viele „Wundermittel“ herum.
Warum?
Was haben wir bei den Bienen in 40 Jahren wissenschaftlicher Behandlung erreicht?
Wie haben sich die Behandlungsmethoden verändert?
Ich denke manchmal, wir gehen oft zu „engstirnig“, zu technisiert, an viele Dinge heran, gerade was die Natur betrifft.
Aber bitte nicht gleich als „ketzerisch“ ansehen - sind nur meine Gedanken …

Alles Gute vom Rolf

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Seit ich meine Bienen mit Oxalsäure bedampfen darf, sind wir eigentlich happy, die Mädels und ich - auf so dubiose Ideen wie Rhabarber, Brennnesseln etc. würden wir uns nicht einlassen wollen - denn dann droht Völkerverlust!
LG Mani

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Es gab zum Beispiel auch mal eine Idee mit dem Kupferdraht gegen die Varroa (siehe die nicht immer ernste geführte Diskussion im Imkerforum-Thread von 2012). Das war mir dann 2020/21 auch nochmal anderswo als ernsthaft angepriesene Alternative begegnet.

Jemand zieht dann später in dem Thread ein zynisches Fazit:

Durch das gänzliche Unterlassen einer anderweitigen Varrosebehandlung stirb das Bienenvolk aus. Demnach reduziert sich die Möglichkeit der Milben sich fortzupflanzen. Binnen kürzester Zeit wird sie so verschwinden, […] . Auf diese Weise wird der Bienenstock also 100% varroafrei!

Das trifft dann wohl auch auf die Brennnesselbehandlung zu.

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Und wie würde dann deiner Meinung nach eine „weitstirnige“ Vorgehensweise aussehen?

Lg Sulz.

Bitte dann in einem eigenen Thema. Hier fragte @Maikel konkret nach Behandlung mit Brennnesseln. Danke!

hallo Mani, danke für deine Einschätzung. Heißt das, du verdampfst nur
noch (mit 12V-Pfännchen oder mit Bunsenbrenner Varrostat ?), auch in der
Brut-Zeit (dann 5x hintereinander) ? Und kannst auf AS verzichten ? LG
Maikel

Hallo Hartmuth,

ich habe den Verdacht, hätten die Imker von Anfang an nicht „behandelt“,
hätten vermutlich nur wenige überlebt, und zwar die, die sich wehren
können. So hat die ganze Behandlerei (um die wir jetzt nicht mehr herum
kommen), die Bienen von uns abhängig gemacht.
Spannend, ob die Wildvölker überleben ! Danke für den Erfahrungsbericht
, Gruß Maikel

ich danke allen für eure Antworten !

Ich verdampfe nicht mit gefährlichen Stövchen… sondern mit einem in England weit verbreiteten und erprobten, gasbetriebenen Gerät, und ich habe nur gute Erfahrungen damit gemacht. Ja, ich verzichte jetzt auf AS und habe im Herbst, im Winter (bei Bedarf) und im frühen Frühjahr behandelt. (Meistens Block-behandlungen - 7x jeden dritten Tag). Machen kann ich das, weil ich nur zwei Völker habe und diese direkt vor meiner Haustüre stehen! Wäre ich Profi - Imker oder hätte mehrere Völker, wäre der Aufwand wahrscheinlich zu groß!

Während sie Honig im Honigraum einlagern, behandle ich natürlich nicht - aber ich kontrolliere häufig den Schieber Auch jetzt sind in meinen beiden Völkern kaum Varroen - das lässt mich hoffen, dass sie die Zeit bis Ende Juli gut überstehen. Sie habe ja auch mehr Zeit zum „grooming“ - vielleicht ist das auch ein Grund! Ende Juli presse ich meinen Honig (wenn möglich) und dann gibt es wieder einen Behandlungszyklus - wenn es notwendig ist!
Und - ich behandle nur mit Varroxal von Andermatt. Alle Fragen beantwortet???
LG Mani

PS: Wenn du hier in den Beiträgen im Forum ein wenig suchen würdest, hättest du diese Antwort auch selbst finden können, denn alles wurde schon mal geschrieben!

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Hier geht es mit Rolfs „weitstirniger Bienenhaltung“ weiter:

Vielen Dank, lieber @Rolf! :slight_smile:

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Die „natürliche“ Auslese der europäischen Bienenvölker, die Varroa ohne Hilfe überleben, würde zu geschätzen Verlusten von 80 - 90% führen - das wollen wir in Europa nicht.
Es gibt bereits ein Zuchtprogramm, in dem erfahrene Züchter zusammen arbeiten und gezielt die Völker vermehren, die sich am besten gegen Varroa wehren (Hygieneverhalten). Das braucht einen langen Atem, zehn Jahre sind bei der Auslese und Zucht nix. Zumal das inmitten einer Varroa-verseuchten Bienenwelt versucht wird.
Nicht behandelnde Anfänger sind da sicherlich keine Hilfe.

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Das ist ja keine Kritik, wir haben mit der Zucht einige Dinge erreicht.
Was ist aber mit den anderen „erreichten Zuchtergebnissen“?
Sind unsere gezüchteten Völker noch vital?
Warum vertragen sie immer weniger Milben?
Warum gibt es immer mehr Krankheitsprobleme?
Treten die auch bei wilden/verwilderten Völkern auf?
Warum sollen wir die gezüchteten KÖ’s immer schneller ersetzen?
Haben wir wirklich „alle“ Aspekte unserer Zucht im Griff?

Alles Gute vom Rolf

Ganz kurz nur zu den Kranheitsproblemen. Im Darm des Menschen gibt es viele „Lebewrsen“ die wir zur Abwehr von Krankheiten benötigen.
Dieses gab es vor dem Einsatz vom AS auch in den Bienenvölkern. Durch den Einsatz von AS sind die Bienen praktisch Clean geworden.
Beim Einsatz von AS sinkt z. B. die Brutnesttemperatur um ca. 6 Grad und braucht etwa 8 Tage um wieder auf Temperatur zu kommen. Ich habe Meßprotokolle dazu. Was geschieht in der Zeit mit der Brut?
Seit etwa 20 Jahren ist das Hygieneverhalten, bekannt. Leider wurde dem zu wenig Beachtung geschenkt und weiter auf AS gesetzt.
In der VSH Zucht könnte man schon viel weiter sein.
Im Idealfall hat der Drohn zwei und die Königin zwei Sexalle für VSH, daß schneiden der Drohnenrahmem wird immer noch propagiert.
Dabei kann jeder Imker durch gezielte Hygienetests und gezielter Nachzucht der guten Kö’s und diesen den Drohnenrahmen lassen und die anderen schneiden viel zu VSH beitragen.

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Sehr richtig, die Ameisensäure killt dann nicht nur die Varroamilbe („Toll, die AS wirkt auch in die verdeckelte Brut hinein!“), sondern gleich (nahezu) das ganze Mikrobiom des Bienenstocks.

In dem Zusammenhang sei auch noch die Nestduftwärmebindung (Johannes Thür) erwähnt, der wir durch unsere Eingriffe auch regelmäßig einen Bärendienst erweisen.

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