Wesensgemäßes Imkern - Schwarmtrieb zulassen oder Weiselzellen brechen?

Liebe Mellifera-Community,

ich habe nun viele Gespräche mit Imker:innen in meinem Umfeld zu diesem Thema geführt aber komme einfach nicht weiter. Daher würde ich gerne hier im Forum meine Gedanke und Herausforderungen teilen und würde mich über eine gute Diskussion freuen.

Ich bin seit 6 Jahren mit Einraumbeuten am Imkern nachdem ich in der Fischermühle einen Imkerkurs besucht habe. Seit 2 Jahren bin ich nun auf einem biodynamischen Betrieb am Arbeiten und versuche das Imkern als Hobby weiter zu führen. Dafür habe ich mir eine Obergrenze von 5-7 Völkern gesetzt, da ich sonst zu viel Zeit für die Pflege brauche, als dass es noch gut zu bewerkstelligen ist.

Ich versuche möglichst extensiv zu arbeiten und empfinde gleichzeitig eine große Achtung im Umgang mit den Bienen. Ich erlebe sehr stark während der Arbeit mit den Bienen, wie sehr ich selbst bei der Sache bin, ob ich tatsächlich meine innere “Aufrechte” finde. Dann sind die Bienen entspannt, gemütliches Summen und kein Stress. Wenn ich selbst abgelenkt bin oder mich mit den anstehenden Aufgaben unwohl fühle, dann brauche ich Handschuhe und Schleier, um nicht gestochen zu werden.

Nun gibt es eine Aufgabe, welche mir jedes Jahr Unwohlsein bereitet und das ist das Ausbrechen der Weiselzellen.

Für mich fühlt sich das wie eine Art der Abtreibung an, dem Lebens- und Vermehrungswillen des Bienenvolkes gewaltvoll ein Ende setzen und widerspricht meinem Wunsch nach wesensgemäßer Imkerei zutiefst. Außerdem freue mich sehr über das Summen der schwärmenden Bienen und bin immer wieder aus Neue beeindruckt, welche Orte sich der Bienenschwam, oder der Bien sucht, um sich zu finden.

So habe ich vom Ausbrechen der Zellen abgelassen und mich über die Vielzahl an Schwärmen gefreut. Da ich auch trotz Schwärmen mehr Honig ernte als ich essen kann, stört mich auch der Verlust der Produktivität nicht im geringsten. Einzig bei späten Schwärmen hatte ich in den letzten Jahren zwischenzeitlich Sorge, dass sich das Volk zu sehr verausgabt, um die junge Königin bis zum Schlüpfen des eigenen Geleges gut zu versorgen. Doch das hat bisher immer geklappt.

Nun habe ich jedoch nicht nur meine Obergrenze an Völkern erreicht, sondern auch noch mein imkerndes Umfeld mit Schwärmen gesättigt, sodass ich jetzt keine Völker mehr aufnehmen kann. Und jetzt beginnt sich meine Freude über das Summen und Schwärmen und Überforderung und Verzweiflung zu verwandeln. Denn ich empfinde eine Verantwortung den Schwärmen gegenüber und habe immer wieder gelesen und zum Teil selbst miterlebt, wie selten ein Schwarm ohne menschliche Pflege aufgrund von Varroa und/oder zu kleinem Futterraum überlebt.

So stehe ich vor einem moralischen Dilemma, auf welches ich keine Antwort weiß und hier Rat suchen möchte:

Breche ich die Weiselzellen raus, störe das Leben und den Vermehrungsdrang der Bienen oder entlasse ich die Bienen aus meiner kulturpflegenden Verantwortung in den fast sicheren Tod?

Ich kann mir vorstellen, dass für viele von euch meine Bedenken gar nicht so wirklich nachvollziehbar sind, gerade bei aktiver Königinnenzucht greifen wir ja regelmäßg “regulierend” in den Lebenszusammenhang ein, doch für mich sind die Bienen auf gewisse Weise eher Lehrer:innen als Nutztiere - und auf der anderen Seite eben doch auch Schutzbefohlende für welche ich eine pflegende Verantwortung habe.

Ich freue mich über eure Gedanken, Erfahrungsberichte von eigenen Vorgehensweisen und weiteren philosophischen Perspektiven!

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Lieber Raffael,

ich imkere in Bienenkisten und Warre (5 Völker) und habe zuverlässig jedes Jahr zwei starke Schwärme pro Volk. Weiselzellen breche ich keine. Daher stand ich in den letzten Jahren vor der selben Frage wie Du.

meine Lösung:

Ich suche schon im Vorfeld (ab Dezember Vorjahr) Abnehmer für Naturschwärme und nehme eine kleine Anzahlung und lasse mir eine Schwarmkiste vorbeibringen - die meisten Schwarmsuchenden lassen sich nämlich parallel bei mehreren Imkern auf Wartelisten setzen. Schwarmkiste + Anzahlung führen dazu das sie dann auch wirklich den Schwarm von mir nehmen und nicht drei Tage vorher von jemand anders.

Was an Schwärmen übrig bleibt schlage ich in leere Beuten ein, wintere die ein und verkaufe sie dann spätestens im nächsten Frühjahr als Wirtschaftsvolk. Das kann ja dann die Beutenform sein die bei Dir im Umfeld am gängigsten ist (hier DNM).

Beides kann ich Dir so empfehlen. Über die Jahre baust Du Dir damit ein Netzwerk auf und die Abnehmer finden sich von selbst.

Summende Grüße aus Leipzig,

Martin

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Ich breche auch keine Weiselzellen bei meinen 10-15 Völkern in ERB und TopBarHive. Es ist nicht notwendig. Ich freue mich immer über jeden Schwarm der kommt und habe dazu eine eigene Vorgehensweise entwickelt.

  1. Jeder Schwarm hat eine Königin die eine unterschiedlich starke Akkzeptanz im Volk geniest. Diese lässt sich am schnellsten beim Schwärmen sehen. Schwärme über 2kg haben “starke“ Königinnen und errichten in nur 7 Wochen im Naturbau ein überwinterungswürdiges Volk inklusive den dafür erforderlichen Honig.
  2. Nachschwärme kann man beim Einlauf vereinigen. Beispiel: Ich habe zwei Nachwärme, nehme den Stärksten und lasse diesen Einlaufen. Wenn er fast drinnen ist, kommt der Zweite auch auf die Laufbahn mit mindestens 0,5 bis 1m Abstand und läuft dem anderen hinterher. Dabei kannst du die Königin sehr schnell finden und rausnehmen. Wenn du sie nicht findest, müssen das die Zwei untereinander ausmachen. Auf jeden Fall hast du dann ein sehr starkes und schlagfertiges Volk und weniger Schwärme.
  3. Sortiere deine Völker auf Qualität aus. Du stellst fest das zwei von zehn Völker sehr schwach sind. Dann hast du die Möglichkeit diese im Herbst an einem warmen sonnigen Tag im Abstand von mindestens 5 Metern vor den anderen Beuten abzukehren, anstatt sie endlos aufzufüttern.
  4. Schwärme werden nach wie vor gebraucht, für uns eben nur weniger. Die Natur benutzt diese Art zur Anpassung und Selektion auf Erfolg. Ich sortiere meine Völker auch nach diesem Prinzip aus, nur das ich sie lediglich genetisch sterben lasse. Damit erreiche ich sehr gute Völker am Stand. Ganz ehrlich, meine Schwärme sind begehrt, weil meine Art der Selektion sehr gute und stabile Völkern erzeugt.

Das ist nur eine Kurzfassung und es gibt dabei einiges zu beachten. Wir können auch gerne mal telefonieren. :crayon: [persönliche Daten entfernt; bitte Kontakt via PN aufnehmen – @EmmBee]

LG von Frank aus 09387 Jahnsdorf