Varroa-Resistenz durch Nichtbehandlung

Varroa resistente Völker bilden sich am schnellsten heraus, wo nicht behandelt wird. Im Nordwesten von Wales, im County Gwynedd, haben viele Imkerinnen und Imker die Varroabehandlung eingestellt. Dr. David Heaf ist ein wichtiger Protagonist dieser Entwicklung und beschreibt hier seinen Weg zur behandlungsfreien Imkerei

[Links entfernt (Werbung) - Auf Davids Website findet ihr den Artikel: http://www.dheaf.plus.com/warrebeekeeping/dealing_with_varroa.pdf]

Hallo Olaf,
willkommen im Forum!

Das ist ja gleich ein sehr spannendes Thema für den Einstieg - danke für diesen Beitrag!

Genau dort möchten ich und vermutlich auch einige andere hier im Forum gerne hinkommen.

Ich habe seit knapp 10 Jahren Bienen und habe seither nur Naturschwärme aus eigenen Beständen.

Die Bienen leben in verschiedenen Einraumbeuten auf Naturwabenbau und ich versuche sie nach Möglichkeit auf eigenem Honig zu überwintern.

Eine Bienenkiste (mein Urvolk) ist jetzt das zehnte Jahr ohne Unterbrechung mit Bienen besetzt.

Zu Beginn habe ich mit Ameisensäure gegen Varroa behandelt und bin in den letzten Jahren gewechselt zur OS-Verdampfung.

Ich wollte heuer komplett auf die Behandlung verzichten, hatte zuletzt aber Ende August bei einer Bienenkiste mehr als 400 Milben täglich auf der Unterlage.

Da konnte ich nicht mehr länger zuschauen und habe nun also trotzdem wieder mit einer Behandlung begonnen. Vor einiger Zeit hätte ich noch gedacht, dass einem Volk bei dieser Menge an Milben der sichere Tod bevorsteht, aber nach den Erfahrungen mit vorangegangenen sehr hohen Belastungen bei diesem Volk in den letzten Jahren sehe ich doch Chancen, dass es auch heuer wieder gut durch den Winter kommt.

Langer Rede, kurzer Sinn - ich habe es noch nicht geschafft, obwohl ich es gerne möchte, der Evolution einfach gemäß Darwin ihren Lauf zu lassen.

Wie handhabst du das aktuell mit deinen Bienenvölkern in Nürnberg?

Ich habe David Heaf ´s Vortrag im Herbst 2025 im Rahmen der Konferenz: Resistenz und Toleranz gehört und gesehen und kann seinen Erkenntnissen viel abgewinnen.

Es würde mich ermutigen, wenn es im Raum Deutschland, Schweiz, Österreich schon positive Erfahrungen zu diesem Thema gäbe und wenn auch die Imker ihre erfolgreichen behandlungsfreien Methoden veröffentlichen würden.

LG. Hartmuth

Ich habe in diesem Jahr Ende Februar mit 2 starken Wirtschaftsvölkern begonnen. Es sind jetzt 7. Stärke ca. 10000 Bienen. Beim Stand gestern, 4.9.26, hatten alle keine oder maximal 2 Milben in der Gemülldiagnose. Sie werden nur wöchentlich mit ca. 1 kg Raffinade gefüttert. Bienen, die nicht hungern, räubern nicht. Räuberei ist der Grund für die Verbreitung der Varroa destruktor.

Die namhaften deutschsprachigen Imkerkanäle auf YouTube erwähnen alle beiläufig die Verwendung verschiedener Varroa Mittel. Ich nehme an, dass die meisten davon für diese Schleichwerbung bezahlt werden. Die Einnahmen der Verkäufer von Varroa Mitteln stehen auf dem Spiel, wenn nicht mehr behandelt wird. Das ist der Grund, warum das Wissen von David Heaf im deutschsprachigen Raum so wenig verbreitet ist.

Für mich wäre es ein Hinweis, dass Bienenvölker mit der Varroamilbe zurechtkommen, wenn diese an einem Standort bereits mehrere Jahre behandlungsfrei überlebt haben.

Die Bienenkiste welche bei mir heuer mit so vielen Milben belastet ist, hatte zur Lindenblüte mehr als 50 kg Vorräte. Davon sind aktuell immer noch mehr als 30 kg vorhanden. So gesehen gab es keinen Grund für dieses Volk auf Räuberei zu gehen.

Es ist heuer nicht geschwärmt, hatte also keine Brutpause, ich vermute eher hierin eine Ursache für die rasante Ausbreitung der Varroa im heurigen Spätsommer.

Dass vielerorts diverse Mittel gegen Varroa angepriesen und gekauft werden, liegt meiner Ansicht nach nicht nur in der Gewinnabsicht der Hersteller begründet, sondern weil es für die meisten Imker ein ungelöstes Problem darstellt und weil sie (berechtigte) Angst haben ihre Bienenvölker zu verlieren.

Ich bin wie schon erwähnt auf der Suche nach einem Weg, wie ich von den Behandlungen komplett wegkomme.

Dabei versuche ich den Bienen ein möglichst natürliches und wesensgemäßes Umfeld zu bieten, soweit dies in einer Bienenbeute eben möglich ist.

Leider hab ich den Stein der Weisen für eine sanfte Umstellung auf „behandlungsfrei“ noch nicht gefunden und für das darwinistische Verfahren bin ich emotional noch nicht bereit.

Ich arbeite seit 11 Jahren an der Varroaresistenz durch Auslese am eigenen Stand. Dazu führe ich wöchenlich Aufzeichnungen, die ich ständig erweitert habe. Mir ist es bis jetzt nicht gelungen eine Resistenz herzustellen. Kurz gesagt, ohne Behandlung geht es am Anfang auf keinen Fall.

Das Thema ist sehr umfassend und kann nicht mit wenigen Worten abgehandelt werden. Auf jeden Fall ist der „Bond Test“ der sichere Tod.

Ich kann versuchen einen Weg aufzuzeigen, welcher über viele Jahre geht. Ich habe vieles ausprobiert und gelernt, was man auf keinen Fall machen sollte und auf was man achten muss.

Hinweis: Nach David Heaf muss eine regionale Gemeinschaft von Imkern da sein, sich einig sind, nicht zu behandeln. Was zu überprüfen wäre. Es dürfte erfahrenen Imkern klar sein, dass es sehr unterschiedliche Bienen gibt. Nicht nur die Rasse. Der regionale Genpool ist entscheidend. Bienen, die immer behandelt worden sind, müssen behandelt werden oder sie sterben. Das nennt man Negativ-Selektion, man könnte es auch mit einer Sucht vergleichen.

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Ich sehe da für mich ein „Henne-Ei“ Problem.

Fast jeder Imker in unserer Region hat behandelte Bienen, die müsste man demnach weiter behandeln. Wie kommt man aus diesem Teufelskreis heraus?

Wo fange ich an?

Kuba, kurzer Einblick:
Als in den 90er Jahren die Milbe nach Kuba kam, war Kuba durch den Rückgang des Sozialismus völlig abgeschnitten vom Handelsaustausch. Es musste auf voller Ebene gespart werden. Es gab keine Behandlungsmittel für Imker und keine Spritzmittel in der Landwirtschaft. So wurde aus der Bestandspopulation innerhalb von 10 Jahren eine resistente und leitungsfähige Biene. Kuba zählt zu den einzigen resistenten und voll bewirtschafteten Bienenpopulationen. Die Bienen brüten dort ganzjährig durch.

Hier kam die Resistenz durch nichts machen zustande, so wie es in der Natur der Fall ist. Wer nicht das Mindestmaß erfüllt wird beseitigt, also Negativselektion!

Wales, kurzer Einblick:

Es gibt im Hintergrund eine große wilde resistente Bienenpopulation die für sich selbst Einenständig ist. Diese Bienen sind durch Negativselektion entstanden! Diese Gruppe vermischt sich in den Randgebieten mit den imkerlichen Bienenmassen.
Dave hat als erster aufgehört zu behandeln. Weitere Imker folgten seinem Vorbild. Jetzt als Behandlungsfreiheit Bewahrer-Gruppe dominieren sie das Gebiet mit ihren Bienen. Dazu werden nach wie vor auch die wilden Bienenpopulationen als Unterstützung verwendet.
Werden Völker geteilt, dann aus den besten Völkern (Positivselektion!) der imkerlichen Völker. Die Schwarmimkerei ist für die Imker aus Wales sehr wichtig. Sind Völker nicht fit genug, sterben diese (Negativselektion) oder werden auch vom Imker beseitigt. Alle überlebenden Völker produzieren Drohnen für die Paarung mit jungfräulichen Königinnen am Stand. Es werden keine Belegstellen verwendet.

Weiter Beispiele gibt es in Hawaii und Norwegen.

Warum verwende ich die Worte Negaivselektion und Positivselektion?

Die natürliche Selektion erfolgt mittels Überlebenserfolg (Negativselektion). Alles was das Mindestmaß nicht erfüllt, stirbt. Am Ende überleben nur die vitalsten Völker unter sehr hohem Selektionsdruck!

Die menschliche Selektion verwendet die Positivselektion. Es wird immer von Spitzenvölkern nachgezogen und das ist das größte Problem für die Bienen. Wir setzen z.B. auf Honigertrag und übersehen viele Notwendigkeiten die ein Bienenvolk braucht z.B.Volkshygiene.

Das ist zu Beginn ein Einblick in das Thema. Stellt am Besten eure Fragen dazu.

Genau. Das ist es. Von der Varroa Resistenz in Kuba gibt es diverse Informationen. Grüße

Lieber @Olaf,

zunächst mal herzlich willkommen im Forum! :slight_smile:

Weil Du Dich hier angemeldet hast, gehe ich davon aus, dass Du auch wesensgemäß imkerst. Und Du hast auch gleich ein spannendes Thema gestartet!

Magst Du vielleicht kurz beschreiben, wie Du Deine Bienenvölker führst? Nach Deinen Ausführungen gehe ich davon aus, dass Du behandlungsfrei imkerst. Woher stammen die weiteren 5 Völker? Waren das alles Schwärme?

So sehr ich David Heafs Arbeit schätze: Ich möchte hier mal kurz anmerken, dass in Deutschland jede/r, die / der Bienen hält, nach § 15 der Bienenseuchen-Verordnung verpflichtet ist, diese gegen die Varroamilbe zu behandeln. Erfreulich, wenn das bei David Heaf in der Region Wales funktioniert, wo es eventuell keine solchen Gesetze gibt und die Bienendichte dort auch nicht so hoch wie in manchen Gegenden hierzulande ist.

Liebe Grüße,
Michael

Ich möchte zu bedenken geben, dass der Imker mit seinen Bienen nicht allein ist. Alles was am eigenen Stand passiert, ist mit den anderen Ständen der Nachbarschaft verbunden. Veränderungen in der Bienenhaltung kann man gleich setzen, mit „fährt sich wie ein Sattelschlepper“, also langsam und erfordert Erfahrung. Die „Bond Methode“ ist also nur in einem komplett abgeschlossenen Bereich oder bei gleicher Handhabung in einen größeren Areal sinnvoll.

Leider haben wir nicht die gleichen Bedingungen wie in Cuba oder bei D. Heaf.

Wir haben hier eine viel höhere Imker-Völker-Bienendichte.

Wir haben viele Berufsimker und Hobbyimker die vom Honigverkauf leben.

Dieser Honig wird in „D“ auch gebraucht und konsumiert. Andernfalls müssten wir noch mehr importieren. Woher - welcher Honig?

Wir haben keine Naturbienenvölker!

Wir haben hier bestimmte Gesetze, von der EU und von Deutschland.

Alles nicht so einfach, trotzdm ist es die Grundlage für eine Weiterentwicklung - Evolution!

Sich eigene Gedanken zu machen …

Alles Gute vom Rolf!