Räubern... mal anders rum... (abgehende Räuberei)

Moin moin,
meine Bienen fliegen wieder… normal freue ich mich darüber… aber eigentlich isses hier gerade eher schattig (soll heißen: „kalt“)!

Es ist echt beeindruckend, wenn man sich mit dem Rücken vor’s Flugloch stellt, sieht man wie so einen Tunnel oder ne gräulich/schwarze Wolke durch den bzw. die sie leicht wegfliegen und schwer beladen wieder kommen. Nur einen Schritt zur Seite und man sieht nix mehr. Und die rempeln einen echt an, wenn man in diesem Tunnel steht, ala „Alter, du stehst voll im Weg - geh’ ma’ zur Seite!“
Wahrgenommen habe ich das Ganze wegen des massiven Flugverkehrs (Stau vor dem eingeengten Flugloch). Das Volk ist gerade mega hektisch - dabei überhaupt nicht aggressiv. Es sind keinerlei Kämpfe wahrnehmbar. Auch die Wespen halten Abstand.

Die Peilung ist ziemlich klar… In der Richtung gibt es in 650m Entfernung nur einen Bienenstand eines (Berufs-)Imkers… den hab ich informiert. Der bleibt aber gelassen… Zitat: „ich war gestern erst am Stand und kontrolliere eh alle drei Tage.“

Ich habe keinen Bodenschieber und ich will das Volk nicht (unnötig) aufmachen… daher hab ich hinten in die Bienenkiste auf die Schnelle nochmal Thymol-Streifen reingelegt. (Grummel… und ich war so stolz, dass ich keine nennenswerten Varroen im Puderzucker-Schüttelbecher zählen konnte…)

Da ich jetzt keinen Thread gefunden habe, der sich mit „abgehender Räuberei“ beschäftigt… wäre meine Frage: Gibt es Empfehlungen, was ich jetzt noch tun könnte oder sollte? (Sichtweise: „Für meine Bienen“)

Disclaimer da es gerade einen anderen Thread mit „ankommender Räuberei“ gab:
Selbst wenn ich recht hätte und das andere Volk identifizieren könnte, würde ich da auf keinen Fall beigehen („Flugloch einengen“ beispielsweise). Es tut mir zwar leid und ich würde ihm gern helfen, aber es gehört nicht mir…
Die schon vorhandene Einsicht, dass ich mir dadurch in den nächsten zwei Tagen auch noch andere Krankheiten reinsaugen kann, ändert diese Meinung dennoch nicht. (In zwei Tagen wird der (Berufs-)Imker sicherlich seinen Bienenstand aufsuchen und Maßnahmen ergreifen.)

Joar… gibt’s Meinungen, Tipps? Würde mich sehr freuen.
Grüße Thomas

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Hallo @enieH ,
da die Bienen nicht zu deinem Nachteil unterwegs sind kannst du nur froh sein.
Leider zum Nachteil des anderen, aber er ist ja informiert !! und könnte Gegenmaßnahmen einleiten.
Deine Sicherheitsmaßnahme mit dem Thymol halte ich auch für eine richtige Entscheidung ( ist aus der Not gebohren wie man so sagt ) , dann hat man sich nichts vorzuwerfen falls doch noch etwas mit dem Volk über Winter passiert.
Gruß Jörg

Vielen Dank für die schnelle Rückmeldung.

Heute regnet’s … und sie fliegen weiter… :confused:

Wenn ich es von hinten richtig sehe, werden die Waben ganz hinten dunkler.
Könnte also sein, dass sie sich Waldhonig mopsen, denn der andere Bienenstand steht hinten direkt am Wald.

Könnte es ein Problem mit einem „verhonigtem“ Brutnest geben? (Weiß nicht, wie praxisrelevant diese Bedenken sind.)
Wobei ich auf YT gesehen habe, dass man dann Leerwaben einsetzt, was bei der Bienenkiste ja je eh nicht geht. Ich hab jedenfalls keine ausgebauten Leerwaben zum einsetzen… wahrscheinlich ist das ja auch gut so…

Kann ich also nur noch hoffen, dass schon genug Winterbienen da sind.

Grüße Thomas

Keine Angst um diese Jahreszeit stellt das Verhonigen des Brutnests sicher kein Problem dar. Es handelt sich hier sowieso um eine recht theoretisches Szenario. Bienen sind so dumm auch wieder nicht!
Wenn die Honigspeicher rappelvoll sind und die Bienenmenge halbwegs wintertauglich, weswegen sollten Sie stark brüten? Nur junge Völker die noch nicht besonders stark sind brüten weiter sozusagen auf der letzten Naht, auch wenn es eigentlich schon zu kalt ist und der energiebedarf dadurch extrem ansteigt. Wenn allerdings der Energiebedarf stark ansteigt, dann müssen sie ohnehin schon wieder Honig rausfressen und schwupps haben sie wieder Platz.

Viel bedenklicher ist eher das ganz oben bereits geschilderte Problem, dass die Bienen sich eventuell wieder eine große Zahl Varroen eines geschwächten Volkes einfangen. Möglicherweise gleich noch weitere Krankheiten, die die geschwächten Bienen aus dem geräuberten Volk tragen könnten.
Wenn es sich allerdings um einen Beruf Imker handelt, dann gehe ich davon aus dass er nach den gängigen Regeln behandelt hat. Schwieriger wäre es schon, wenn ein Volk aus einem verwahrlosten, ungepflegten Bestand geräubert wird.

Deshalb freue ich mich nicht wenn meine eigenen Bienen räubern. Und aus demselben Grund ist es auch ein Zuchtziel, Bienen mit wenig Lust auf Räuberei zu erhalten. Ligustica wird ja beispielsweise nachgesagt, zum Räubern zu neigen.

Viele Grüße,
Wolfgang

Moin.

Habe gerade diesen Thread wiedergefunden und einen Nachtrag dazu.

Das megastarke Volk war in dem Winter eingegangen. Das Volk bestand im Frühjahr nur noch aus wenigen hundert(?) Bienen. Eine Königin war nicht mehr zu finden.

Es sah nicht wie Futterabriss aus. Ich hatte zumindest keine toten Bienen kopfüber in den Zellen gefunden. Vermutung war also Varroa.

Nachdem ich dann aber den Honig nicht aus den Waben bekommen habe… bzw. Wärme einsetzen musste, um das Honig/Wachsgemisch zu trennen, lag die Diagnose Melizitose näher… und es war demnach also auch keine Räuberei.

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Vielen Dank für das Update! Ich glaube, es ist ein kleiner Denkfehler drin: Nicht nur Melezitose kristallisiert im Stock sondern auch jeder andere Honig- vor allem halt Blütenhonig, Rapshonig etc.kristallisiert früher oder später. Und ganz bestimmt im Winter, wenn er kalt wird. Die Tatsache, dass Wärme angewendet werden musste beweist also nicht, dass es sich um Melezitose handelt! Man müsste schon wissen wie viel Wärme, also bei welcher Temperatur dier Honig flüssig wurde - oder besser gesagt - bis zu welcher Temperatur er NICHT flüssig wurde: Melezitose Honig Kristalle schmelzen definitiv nicht bei 40 Grad sondern erst bei deutlich höheren Temperaturen

Das liegt daran, dass es ein Dreifach-Zucker ist mit gänzlich anderen Eigenschaften Diese Temperaturen können die Bienen natürlich nicht erreichen und deswegen sind sie zum Auflösen von Melezitose auf eine Wasserquelle angewiesen und das macht ihn ja zum Problem im Winter.

In Mobilbau ist das übrigens kein so großes Problem, denn ich hänge Melezitose Waben einfach an den äußeren Rand des Honigvorrats, wo die Bienen sie erst im Frühjahr erreichen werden und eine auf die andere Seite des Brutnests. An warmen Herbsttsgen naschen sie auch davon und fressen sich im Winter dann eh von ihr weg, falls noch was übrig ist.

Fazit und zurück zum Thema: Ich glaube nicht an die Melezitose Theorie, sondern an den Varroatod.

Viele Grüße von der üppigen Lindentracht in Bayern!

Wolfgang

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Aaahhh wieder was gelernt.

Ich hab mir so ein Wärmegerät aus dem Imkerfachhandel vom Vereinskollegen geborgt. (DeutschNormalBeute mit Heizung und Temperaturfühler). Das “Auftauen” hat fast anderthalb Tage gedauert.

Ich durfte die Temperatur auf keinen Fall verstellen. Nach deiner Aussage war es dann wohl doch kein Melezitose.

Mich würde interessieren, wie ich MelezitoseHonig identifizieren kann - um nach außen umhängen zu können.

Melezitose Honig ist eigentlich ein Phänomen, das man nicht übersehen kann. Im Waldhonig ist oft ein gewisser Anteil enthalten, der nicht weiter auffällt und auch nicht relevant ist.

Wenn es mehr ist- so wie in vielen Teilen Bayerns 2024 - dann ist die Diagnose einfach: Meist ab Juli krasse und nicht wirklich erwartete Zunahmen im Honigraum. Nach wenigen Tagen bereits kristalline Strukturen in den Zellen. Beim Schleudern geht oft deutlich weniger als die Hälfte raus. Naschprobe: Angenehm feinkristallines Gefühl auf der Zunge (Melezitose Honig ist durchaus beliebt, wenn er denn endlich ins Glas gezaubert ist)

Tipp: Wenn irgendwie gerüchteweise von Melezitose in der Gegend die Rede ist: Sofort Kontrollieren und ggf. umgehend und öfter ernten.

Die Reife des Honigs steht in diesem Fall nicht im Vordergrund. Was zählt, ist, dass man das Zeug rausbekommt.

Ggf. kann man unreifen Melezitose Honig einfrieren und als Frühjahrsfutter gut verwenden.

Wenn er reif ist freuen sie viele Kunden.

Ist man zu spät dran und die Melezitose ist wie Beton in den Waben: Das erkennt man , wenn man mit nem Zahnstocher oÄ. ne Probe nimmt: Es ist wie Sand. Raus mit diesen Waben und einfrieren.

Alternativ: Umtragen lassen. Recht aufwendig und es sollte noch warm genug sein. Es gibt verschiedene Tricks, die auch funktionieren.

Fazit: Melezitose ist ein feines Stöffchen! Es tritt gerne in Massen auf und treibt den Imker in den Wahnsinn. Wenn man aber zeitig dran ist bekommt man eine reiche Ernte eines beliebten Honigs.

Wenn man. das Auftreten verschläft, kann es massive Probleme geben, da das Zeug nur mit viel Wasser genutzt werden kann. Damit ist es als Winterfutter ein Problemfall.

Der imkerliche Eingriff kann hier Völker retten. Typischerweise: Raus mit den Melezitose Waben und einfüttern. Dieser Punkt geht ganz klar an den Mobilbau. Im Stabilbau muss man sehen, wie die Sache ausgeht.

Aber: Die Hauptgeissel bleibt die Varroa! Die Bienen kommen allermeistens ganz passabel mit der Melezitose zurecht. Insbesondere, wenn man ihnen nicht den gesamten Frühjahrshonig gestohlen hat.

Grüße! Wolfgang

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