Phänomen "Drohnenwanderung"?

Ich beobachte heute Nachmittag etwas sehr Seltsames, auf das ich mir absolut keinen Reim machen kann: Über die Wiese im Garten vor den zwei Beuten verteilt „wandern“ zahlreiche Bienen, und es sind ausschließlich Drohnen!

Es sind so viele, dass ich mich sehr achtsam im Garten bewegen muss, um ja keine zu zertreten. Sie verteilen sich auf der Wiese in einer Entfernung von bis ca. 12-13 Metern vor den Beuten und ich habe sie auch erst durch ihr Brummen wahrgenommen.

Bei dem einem Volk in der MERB hatte ich vor einer Woche festgestellt, dass es viel Drohnenbrut (aber auch Arbeiterinnenbrut) pflegt, und auch Drohnen selbst hatte ich reichlich gesehen.

Heute ist sehr starke Flugaktivität im Gange (aktuell sonnig bei 16 °C) und ich kann auch Drohnen am Flugloch In beide Richtungen beobachten.

Was bitte ist dieses Phänomen um diese Jahreszeit? Und was hat es zu bedeuten?

Rätselt
Michael, :thinking:
der mutmaßt, dass das wieder mal in keinem Lehrbuch steht

hm, seltsam - bei uns sieht es an manchen Tagen ähnlich aus, allerdings sind es bei uns Arbeiterinnen, die in großer Zahl im feuchten Gras Wasser sammeln

Und jetzt kurz nach 19 Uhr rühren sich die „Wanderdrohnen“ auf der Wiese nicht mehr, …

… während die Arbeiterinnen an der Einraumbeute weiterhin zahlreich ein- und ausfliegen. Das ist gruselig. :flushed:

Sehr seltsam. Sind noch genug Vorräte in der Beute? Vielleicht eine Reaktion wie im Spätsommer, wenn die Bienen die Drohnen nicht mehr einlassen und füttern wollen? Hast du beobachtet, ob auch Drohnen in den Bienenstock dürfen?

Ja, das Volk ist gerade frisch eingefüttert. Das hier ist die letzte (= fluglochfernste) Wabe von gestern, als ich die leere Futtertasche entnahm:

Die hatte ich erst 6 Tage zuvor in nur halb ausgebautem Zustand eingehangen.

Eine vorgezogene Drohnenschlacht (wie seltsam wäre das denn?) habe ich nicht beobachten können. Im Gegenteil - die Drohnen konnten eigentlich ganz normal ein- und ausfliegen. Allerdings bin ich auch nicht den ganzen Tag im Garten gewesen. :wink: Eher sporadisch mal.

klar wäre das seltsam. Ich hatte den Gedanken nur deshalb, weil mich der Anblick kurz an mein Bienenkistenvolk erinnerte. Ich habe 2020, als das Volk CBPV beobachtet, dass keine Drohnen mehr in den Bienenstock durften (allerdings war es Juni, wenn ich mich richtig erinnere). Die Bienen waren damals so angeschlagen, konnten kaum noch sammeln und ich vermute, dass sie daher auch die Drohnen nicht bei sich haben wollten. Bei dir sieht das ja nun anders aus. Sehr seltsam, keine Ahnung also, welches Phänomen dahinter steckt. Vielleicht war es zu kühl, sodass sie nicht ausfliegen konnten

Das sind Drohnen die ihren Flugmuskel nicht entwickelt haben während den letzten Stunden der Entwicklung.
Flügel sind das letzte die sich ausbilden.
Ursache: Verkühlung oder giftiger Pollen während der Larvenzeit.

Aber es könnte ja auch sein, dass die Flugmuskulatur nur aufgrund der momentanen Kälte draußen erstarrt ist, wie man es öfters mal beobachten kann. Mich wundert`s nur, dass ausschließlich Drohnen am Boden waren.
@EmmBee - liegen noch immer welche im Gras (ich meine natürlich nicht die von damals)? Du könntest ja mal welche mit ins Warme nehmen (oder anhauchen) und beobachten, ob sie wieder auftauen

Interessante Theorie. Das würde dann aber eigentlich doch alle Bienen betreffen und nicht nur Drohnen, denke ich? Es waren tatsächlich ausschließlich Drohnen, die da „zu Fuß“ unterwegs waren.

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Kalt war’s definitiv nicht. Am betreffenden Tag (17.4.) war es nie unter 10 °C im Schatten gewesen (Messstation am Haus):

Im Gegenteil waren es zu dem Zeitpunkt der Beobachtung sogar ca. 16 °C gewesen. Die Wiese war zudem im Sonnenschein. Kälte können wir also ausschließen.

Nein, nur die toten Drohnen von vorgestern. Die Wiese mutet wie ein Drohnenfriedhof an… Das Phänomen hat sich gestern auch nicht wiederholt, obwohl es recht ähnliche klimatische Bedingungen waren. Die Drohnen sind wie alle anderen Bienen ein- und ausgeflogen.

Drohnen haben eine etwas längere Entwicklungszeit als Arbeiter, sie werden zu dem im Naturbau meist am Rande des Brutnestes angelegt.
Dort kann es leicht vorkommen dass es durch das Zusammenziehen der Traube bei kalten Nachttemperaturen die Brut unterkühlt wird für einen zu langen Zeitraum.
Daraus erfolgen adulte Bienenwesen mit verkrüppelten Flügelmuskulaturen oder nicht vollkommen ausgebildeten Flügeln.

Das gleiche Bild entsteht aber auch dann, wenn Bienen durch Gifte verloren gehen und die Brut nicht gewärmt werden kann.

Oder bei Kurzlebigkeit durch Varroa und „Viren“.

Es können aber auch Faktoren sich hochmultiplizieren.

virtuelles imkern bringt da keine Lösung

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Was auch noch sein kann ist, dass es für die Drohnen zu kalt war um ihre Flugmuskelatur aufplustern, auf pumpen zu können.

Da taucht dann unweigerlich die Frage auf: Haben diese Völker sogar
Acarapiose?

Zitat Wikipedia:

In Österreich gehört die Acarapidose selbst zu nicht zu den [anzeigepflichtigen]([Bienenkrankheiten] jedoch ist eine erfolgte oder drohendes Absterben von 30 % der Völker eines Bienenstands anzeige pflichtig
In der Schweiz Tracheenmilbenkrankheit ist die ist eine zu überwachende und somit meldepflichtige Tierseuche.[[7]]

Die deutsche [Bienenseuchen-Verordnung] sieht im § 14 eine Behandlungspflicht aller Bienenvölker am betroffenen Stand durch den Imker vor. Das zuständige Veterinäramt) kann in einem von ihm bestimmten Gebiet die Behandlung aller Bienenvölker anordnen.

[Zitat als solches gekennzeichnet: Bitte fremde Zitate kennzeichnen! - @EmmBee]

sorry, das habe ich wohl überlesen

Eigentlich war ich schon geneigt, das Ganze als „einzigartiges Ereignis“ abzutun, aber es wiederholt sich in den letzten Tagen kontinuierlich. Mit Ausnahme des Folgetags (18.4.) fand dieses Phänomen an allen drei folgenden Tagen bis einschließlich gestern statt. Immer das gleiche Bild: Unmengen von ausschließlich (!) Drohnen wandern von den Beuten weg über die Wiese…! Ich habe auch Drohnen mit der Hand aufgenommen. Offenbar können sie tatsächlich nicht fliegen, so dass die Theorie

durchaus für mich als Erklärung in Frage kommt.

Gestern Nachmittag (ca. 15:30 Uhr) ging an der Einraumbeute die Post ab, dass ich schon ein Abschwärmen befürchtete:

Relativ viele Drohnen, wie ich finde. Die „Wanderdrohnen“ sind dann zum Abend hin „erstarrt“ und wohl verendet… Die Temperaturen gingen gestern von 8 °C (morgens) bis 18 °C (abends). Zum Zeitpunkt des Fotos hatte es 17 °C und Sonne.

Danke für Deinen Hinweis auf eine mögliche Krankheit!

Es erscheint mir dennoch sehr unwahrscheinlich, denn aus meiner Sicht spricht gegen diese Krankheit:

  • Keines der in Wolfgang Ritters Buch „Bienen gesund erhalten“ zur Acarapiose beschriebenen wesentlichen Krankheitsbilder trifft zu (z. B. deutlich schwächeres Volk, erhöhter Totenfall im Winter, allgemein unruhiges Volk). Nur ein paar einzelne Exemplare der Drohnen zeigten asymetrisch gespreizte Flügel.
  • Ich betone nochmal: Es waren alles nur Drohnen. Die genannte Krankheit beträfe ja alle Bienen und würde daher vermutlich nicht nur selektiv Drohnen befallen.

Rätselt weiterhin
Michael

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Mit dem Volk ist alles Bestens!
Erst einmal!

Ja, waren erkältete Drohnen die kalte füße bekommen haben und auswanderten.
Hast mal geschaut wo die genau hin wandern?
Bei mir im Bienengarten gibt es Bienenfriedhöfe, das sind gewisse Stellen wo Putzbienen morgens die Leichen der Nacht hin bringen.
Bei mir unter Haselbüsche!

Ja, das hoffe ich. Vielen Dank!

Es gibt da keinen exakten Punkt. Die Drohnen wandern sehr zielstrebig in eine Richtung weg von der Einraumbeute über ca. 10 Meter Wiese. Sie verenden aber verstreut auf der Wiese. Einen etwaigen „Bienenfriedhof“ habe ich bisher noch nicht ausmachen können.

Besten Dank für Deine Überlegungen und liebe Grüße,
Michael

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