Notfall-Varroa-Behandlung im November?

Hallo,
Ich bin Neuimkerin seit 2020.
Mein erster Natur-Schwarm (~2,5 kg) ist spät (ende Juni) dieses Jahr in meine Bienenkiste(kleine Form mit 9 Waben ) eingezogen und hat sich sehr gut eingelebt.
2/3der Kiste mit Waben bebaut.
Habe im Sommer 3x Puderzuckertest gemacht und nur vereinzelt mal eine Milbe finden können.
Da das Volk sehr vital war und so spät eingezogen, habe ich nicht behandelt.
Ich vermute, das war ein Fehler.

In den letzten Tagen ist die Fläche vor der Kiste mit toten Bienen übersät. Einige haben einen Flügel kleiner als den anderen. Ich vermute das ist “verkrüppelt“.
Dennoch fliegen immernoch fleissig Sammlerinnen aus und bringen Pollen ein.
Bei Sonnenschein herrschte teils Gedränge vor dem Loch.Das Mäusegitter ist seit Oktober angebracht

Heute hab ich hinten aufgemacht und reingeschaut um tote Bienen rauszukehren.
Ich bin erschrocken weil von hinten war innen tatsächlich nur eine Biene am Boden krabbelnd zu sehen.
Die Waben weiß und nackt. Aber ich kann nicht bis ganz vorne sehen.
Ich bin nicht sicher ob das Brutnest da vorn oben noch ist.
Für genaueres muss ich die Kiste demnächst ganz öffnen.

Meine Befürchtung ist, dass die Varroa jetzt doch Überhand genommen haben und ich will nicht bis 3Wochen nach Frosteinbruch warten, zu behandeln.
Was ratet ihr mir?
Soll ich baldmöglichst eine Oxalsäure Behandlung (die Winterbehandlung) durchführen?
Oder ist das etwa normal dass die Bienen im Winter so wenige sind, dass man sie von hinten nicht mehr sieht?
Danke für Eure Kommentare.

Jutta

Hallo Jutta,

je nach Temperatur, kann es schon sein, dass die Bienen bereits in der Wintertraube saßen und die ist um diese Jahreszeit in der Bienenkiste eher vorne, also Fluglochnah. Wenn es kalt ist findet man daher keine Bienen mehr im Honigraum. Allerdings sollte es meiner Meinung nach möglich sein, vom unteren Teil der Bienentraube etwas zu sehen, von hinten oder vom Flugloch aus.
Leider musste ich auch schon die Erfahrung machen, dass die Puderzuckermethode keine sehr zuverlässigen Ergebnisse bringt. Ich habe deshalb leider am Anfang auch zwei Völker durch die Varroa verloren, deine Geschichte erinnert mich sehr an meine eigenen leidvollen Anfänge.
Ich denke es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder die Bienen sind bereits stark durch die Varroa geschädigt, dann wird ihnen die Winterbehandlung leider auch nicht mehr helfen, denn die Winterbienen werden dadurch nicht mehr gesund.
Oder es gibt noch genügend gesunde Bienen, dann würde ich eher abwarten, bis sie brutfrei sind und erst dann behandeln. Ich vermute wir sprechen hier von der Oxalsäureträufel-Methode und die kann man ja nur einmal machen, ansonsten wäre es eine zu große Belastung.
Viele Grüße
Norbert

Hallo Jutta und herzlich willkommen,

Fotos würden hier gut helfen die Situation einzuschätzen – sowohl von den toten Bienen als auch von der geöffneten Kiste.
Man kann Bienen natürlich auch totgucken, wenn man aber besorgt ist, sollte man ruhig einmal reingucken. Zum Herbst sterben nunmal die Sommerbienen und da bekommt manch Anfänger:in schonmal Panik, wenn vor der Beute 20, 30 oder 50 tote Bienen liegen. Die Flügel können auch angefressen sein oder was weiß ich. Es muss gar nicht ganz so schlimm sein. Wie gesagt: Fotos würden zur Einschätzung helfen.
Die praktischen Empfehlungen hat Norbert dir ja schon aufgezeigt …

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Hallo Norbert und Cupido,
Danke für Eure schnelle Rückmeldung und Einschätzungen, die mir sehr geholfen haben die Sache nicht zu überstürzen.

Die Anzahl der toten Bienen habe ich bis gestern auch für eher normal gehalten, mich hat sehr beunruhigt dass die Kiste so leer ist. Siehe FotoIMG_20201106_130101|666x500

Heute bei Sonnenschein trotz Kälte fliegen Bienen aus und vom Loch aus kann ich auch Bienen oben hängen sehen.

Ich werde also erstmal noch abwarten und die Winterbehandlung ( ja, ich habe vor zu träufeln wie es im Buch beschrieben steht) zum passenden Zeitpunkt zu machen.

Auf jeden Fall hab ich schonmal mitgenommen, auf Puderzucker wenig zu geben und generell eine Sommerbehandlung zu machen.

Wenn ich die Kiste dann zur Winterbehandlung öffne mache ich nochmal Fotos.

Vielen Lieben Dank vorerst mal!

Grüße aus dem schönen Bayern
Jutta

Zweites Foto konnte ich noch nicht mitschicken als Neuling im Forum

Hallo Jutta,
vielen Dank für die Bilder. Beim ersten Bild ist mir aufgefallen, dass doch recht viele Wachskrümel am Boden liegen. Normalerweise findet man das eher im Frühling während sie die Waben bauen. Ich möchte dich keinesfalls beunruhigen, aber das könnte auch auf Räuberei hindeuten (oder sie hatten wegen der niedrigen Temperaturen keine Gelegenheit das aufzuräumen, das könnte vielleicht auch sein).
Vielleicht kannst Du die Kiste nur zur Sicherheit mal wiegen, das stört die Bienen ja nicht weiter? Dann könntest du beurteilen ob das Gewicht ungewöhnlich stark abgenommen hat, nur zur Sicherheit :wink:
Viele Grüße
Norbert

Hallo Norbert,
Danke für den Gedanken.
Habe heute gewogen und kann Räuberei zum Glück ausschließen. Kiste wiegt 35,5 kg, waren im September 38kg.
Aufmachen hab ich mich auch heute nicht getraut, weil ich die 35kg Kiste allein nicht gut bewegen kann.
Zum Öffnen heb ich sie bisher vom Sockel runter.
Ich bin aber jetzt einigermaßen beruhigt.
Hab ein paar von den toten Bienen(die Anzahl liegt ~ unter 200) genauer angeschaut und die Flügel sind bei vielen ganz normal, bei manchen wirkt einer kleiner.
Ein Foto wo man das erkennen kann hab ich nicht geschafft.
Jetzt genieß ich einfach weiter den Bienen zuzuschauen wie sie ein und ausfliegen.

Eine Frage noch: gilt die je tztige Nachtkälte (~0°C) schon als Kälte in dem Sinne dass in ca 3 Wochen das Brutnest leer sein sollte?
Oder muss es dafür wirklich kalt sein, also auch tagsüber Nahe Null oder gar Frost?

Viele Grüße
Jutta

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Was wiegt denn die Kiste leer? 35 kg hört sich jetzt nicht viel an …

Habe mal geguckt, meine ¾ Bienenkiste wiegt leer 12kg. Wenn das bei dir ähnlich ist, sind das 23kg – ca. 6kg Waben und Bienen= 17kg Futter … das wäre eigentlich okay :ok_hand:t3:

ui, das hört sich leider nicht gut an. Am besten bei wärmeren Wetter öffnen und sich einen Gesamtüberblick verschaffen. Niemals einfach aufs Blaue mit Oxalsäure behandeln. Im Moment ist, wenn wieder erwarten ein Brutnest vorhanden ist, sowieso nicht möglich mit OS zu behandeln.OS wirkt nicht durch die Verdeckelungen.

Ja, genau, es ist die kleine Kiste, hat allerdings bei mir leer schon 17kg gehabt, falls kein Wiegefehler vorlag

Danke, wir haben weiter oben in Thread schon geklärt dass ein OS Behandlung jetzt akut keinen Sinn macht.

Bei 5kg Unterschied hast du nur 12kg Futter drin :thinking:
Das könnte grenzwertig werden, je nachdem wie der Winter wird und wie groß das Volk ist …

Hallo BEJU
hier die Empfehlung von EMK
https://bienenkiste.de/doku/betreuung/oxalsaeure/
Ich rechne ab Frost an meiner Kiste - nicht nach dem Internetwetterbericht-
LG
Siegfried

Hallo Elsa,
was die Behandlung mit OS im nichtbrutfreien Zustand angeht, gehen die Meinungen auch auseinander. Auf keinen Fall aber schadet eine Behandlung, sie wirkt halt nur nicht so gut, wie im brutfreien Zustand. Die auf den Bienen sitzenden Varroen werden schon abgetötet und die Milbenlast so reduziert.
An die Milben in den verdeckelten Brutwaben kommt die Säure nicht ran, was die Effektivität der Behandlung reduziert.
Ich mache sie trotz durchgehender Brüterei, weil die Winter hier im Rheingraben seit Jahren nicht mehr kalt genug sind. Auch eine ggf. nur 40%ige Reduzierung der Milben hilft den Bienen.

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Liebe Jutta, nenn mir ein Thema in der Imkerei zu der es keine 100 verschiedenen Meinungen gibt. Das ist auch das Schöne, das es immer mehrere Möglichkeiten gibt. All das was Du schreibst ist korrekt. Ich habe auch schon im Winter mit Milchsäure behandelt, weil es einfach viel zu milde war.