GOX - ein ernstzunehmendes Qualtätsmerkmal von Honig …

…oder nur ein Marketing-Gag?
Um es direkt vorweg zu sagen, ich kann die Frage nicht beantworten, möchte es aber gerne hier platzieren.
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Ich bin durch Zufall auf dieses Thema im Netzt gestoßen. Ein mir bekannter Imker hat das Thema aufgemacht und verschiedene Honige getestet.
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Laut der Homepage https://gox-honig.de/#gox steht das Kunstwort GOX für Glukoseoxidase.
Zitat:
Glukoseoxidase (kurz GOX oder GO) ist ein Enzym, welches Wasserstoffperoxid (H2O2) bei der Umwandlung von Zucker freisetzt. H2O2 kann Krankheitserreger wie Bakterien und Viren unschädlich machen. Man kennt H2O2 auch als Desinfektionsmittel (hoch konzentriert ca. 30%ig) oder Mundspülung (3%ig). Ein starkes Oxidationsmittel, welches schnell reagiert. Glukoseoxidase stellt H2O2 in sehr geringen, nicht toxischen Konzentrationen her und dies stetig über den aktiven Zeitraum. Je höher der Aktivitätswert, umso schneller wird H2O2 gebildet.
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Als Spielkind habe ich mir die Teststreifen gekauft und 5 verschiedene Honige getestet, davon stammt einer aus meiner Biki und einer aus meiner Klotzbeute. Ich war gespannt wie die Honige abschneiden würden und habe natürlich hoch auf meine gewettet. Ich war aber von dem Ergebnis etwas überrascht!
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Den geringsten Indikatorwert zeigte mein Honig aus der Biki! Danach folgten ein Imkerhonig aus der Nachbarschaft und ein gekaufter Honig aus Sardinien. Auf Platz zwei lag ein Honig aus extensiver konventioneller Magazinimkerei. Platz 1, was mich wiederum freut, belegt mein Honig aus der Klotzbeute.
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Was meint ihr zu diesem Thema? Gag oder wissenschaftlich ernst zu nehmen?


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Nick @NickLeukhardt von Mellifera e.V. hatte dazu Folgendes dazu im Blog gepostet (29. Januar 2021):

Antibakterielle Wirkung in heimischem Honig

In den Demeter-Honigen von Mellifera wurden hohe Konzentrationen des Enzyms Glucose-Oxidase, kurz GOX, gemessen. Dieses unterstützt den menschlichen Körper beim Kampf gegen Keime und wirkt antibakteriell. Damit bietet Mellifera eine heimische Alternative zum Neuseeländer Manuka-Honig.

Das GOX-Siegel gibt die Aktivität des Enzyms Glucose-OXidase an, welches das antibakteriell wirksame Wasserstoffperoxid produziert. Je höher der Wert ist, desto schneller wird Wasserstoffperoxid in verdünntem Honig produziert und die antibakterielle Wirkung erreicht.

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Von @Streuobstfreund angefixt, habe ich mir die Teststreifen auch bestellt und gleich getestet. Ich habe nach Erntetag sortiert.

Ich bin sehr zufrieden…! :sweat_smile:

Überrascht bin ich darüber, dass der Sommerhonig keine Aktivität zeigt und der Frühlingshonig von 2023 (hier mit ´24 markiert) noch recht aktiv ist. Auch interessant ist, dass das GOX je weiter es zum Sommer geht, desto schwächer er wird.

LG, Seb

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Seit wann freuen wir uns denn, dass freie Radikale freigesetzt werden? Das Ganze erinnert mich jetzt schon arg an die paracelsische Säftelehre.
In ernsthaften, wissenschaftlichen Studien nachgewiesen sind für den Menschen positive Effekte von antioxidativen Substanzen. Also quasi das Gegenteil.
Der Mensch ist kein Reagenzglas. Der Intermediärstoffwechsel ist um derart vieles komplexer, als das man mit einer alleinigen Substanz eine heilsbringende Wirkung heraufbeschwören könnte.
Ist diese GOX Wirkung denn irgendwo wissenschaftlich belegt?
Meine Behauptung: Es handelt sich wieder mal um einen Gag. Wissenschaftlich ernst zu nehmen ist eine Hypothese immer genau, dann wenn sie durch eine wissenschaftliche Studie, die nach den anerkannten Kriterien stattfindet (das bedeutet einen extrem hohen Anspruch beim Studiendesign!) untermauert wird. Sonst ist es nichts weiter als eine Hypothese und davon gibt es reichlich.
Ich wünsche allen von euch frohes Einfüttern und eine erfolgreiche Varroabekämpfung!

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ChatGPT:
GOX-Teststreifen messen in der Regel die Aktivität des Enzyms Glucoseoxidase (GOX) im Honig.
Das ist ein interessanter, aber kein alleiniger Indikator für die Honigqualität.


1. Hintergrund

  • GOX in Honig wird von den Bienen in die Nektarvorräte eingebracht.
  • Es wandelt Glukose zu Gluconsäure und Wasserstoffperoxid um.
  • Wasserstoffperoxid ist ein Teil der antibakteriellen Wirkung von Honig.

Die GOX-Aktivität gilt als frischer Honig = hohe Enzymaktivität,
während Lagerung, Erwärmung oder starke Verarbeitung GOX schnell inaktivieren.


2. Aussagekraft für die Honigqualität

Was der Test sagen kann Was er nicht sagen kann
Ob GOX noch aktiv ist → Hinweis auf frische, schonende Verarbeitung Gesamte Honigqualität oder Echtheit
Ob der Honig stark erhitzt wurde (z. B. Pasteurisation) Sortenreinheit, geografische Herkunft
Ob Lagerung zu Enzymabbau geführt hat Feuchtegehalt, Zuckerprofil, Rückstände, HMF-Wert
Ein grober Indikator für „enzymatische Frische“ Mikrobiologische Sicherheit oder Verfälschung mit Sirup

3. Grenzen

  • Natürliche Streuung: Je nach Blütenquelle und Bienenvolk kann der GOX-Gehalt schon im frisch geschleuderten Honig sehr unterschiedlich sein.
  • Umweltfaktoren: Hitze beim Transport, Sonneneinstrahlung oder zu lange Lagerung mindern GOX-Aktivität.
  • Kein offizieller Qualitätsparameter: In den meisten Honigqualitätsnormen (z. B. EU-Honigrichtlinie) wird nicht die GOX-Aktivität, sondern z. B. Diastasezahl und HMF-Gehalt bewertet.

4. Fazit

GOX-Teststreifen sind ein schnelles Screening-Werkzeug, um grob zu prüfen, ob ein Honig vermutlich frisch und schonend behandelt wurde.
Sie sind nicht geeignet, allein über die Gesamtqualität oder Echtheit zu urteilen – dafür braucht man ein umfassendes Laborprofil (Diastase, HMF, Wassergehalt, Leitfähigkeit, Sensorik).

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Das ist mal eine gute Übersicht! Die KI hat allerdings was vergessen: Der Test kann nicht sagen, ob dem Honig GOX künstlich zugesetzt wurde. Man kann es einfach erwerben. Es wird in Laboranalysen und auch in der Lebensmittelverarbeitung verwendet.
Wenn sich jetzt nämlich tatsächlich etablieren sollte, dass der GOX Gehalt eines Honigs ein Qualitätsmerkmal oder Frischemerkmal ist, dann kann man darauf wetten, dass es auch bald hinzugepanscht wird. Die Honigpanscher sind sehr ressourcenreich und immer aktiv!

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Ob gepanscht wird oder nicht - „schwarze Schafe“ gibt es immer und überall. Das kann ich nicht ändern.

Aus meiner Sicht ist die GOX - Untersuchung und der Siegel durchaus interessant. Das will ich gerne erläutern.

Ich betreibe meine Imkerei im Nebenerwerb und verkaufe den Honig meiner Bienen bei 4 Händlern in Berlin. Diese Händler haben natürlich auch Honige von anderen Erzeugern, manche biozertifiziert, andere nicht. Ich selbst bin nicht biozertifiziert. Dafür ist meine Imkerei zu klein, bzw. würde jedes Honigglas um 0,41 € teurer werden. (Andere Aspekte klammere ich hier aus).

Da ich selbst im Lebensmitteleinzelhandel arbeite, konnte ich das Preisempfinden der Kundschaft beobachten und mein Honigpreis sehr genau anpassen. Viele Verbraucher wollen sich nicht mit dem Produkt das sie kaufen auseinandersetzen. Einerseits vertrauen / überlassen sie es dem Händler das zu tun, dafür bezahlen sie die Marge. Andererseits gucken sie nach dem Bio-Zertifikat und dieses überzeugt den Kunden, dafür ist es da.

Ein GOX Siegel (und alles was dazu gehört) kann für kleine Imkereien ein Instrument sein, um die Qualität ihres Honigs deutlich zu machen. Für Imkereien für die eine Zertifizierung mit zu hohen Kosten und Arbeitsaufwand verbunden ist.

LG, Seb

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