Frühe Honigernte ohne Brut möglich?

Mal eine Frage als zukünftiger “Honigernter”, da ich meine beiden Kisten erst seit Mai betreibe. Es wird in vielen Beiträgen ja einmal von der möglichen Aggresivität der Bienen bei der Honigernte und zum anderen von einer nicht zu frühen Ernte wegen noch vorhandener Brut im Honigraum geschrieben. Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht und möchte hier zwei Ideen preis geben. Erstens zur Aggresivität: Wie wäre es wenn man den Boden unterteilt, also ein Boden Brutraum und ein Boden Honigraum. Somit bei der Vorbereitung der Waben und der folgenden Ernte immer nur den Honigraumboden entfernt? Zweitens zur vorhandenen Brut im Honigraum: Bei dem entfernen des Trennschied zur Vorbereitung auf den Ausbau mit Honigwaben ein in der Größe genau passendes Trenngitter, wird im Net angeboten, anstatt Trennschied einbauen in kompletter Breite und Höhe des Innenraumes, so dass nur die Arbeiterinnen und nicht die König Zutritt zum Honigraum erhalten. Dieses verhindert das Belegen mit Brut im Honigraum. Was meint ihr dazu?

Hallo Frank,

genau diese Fragen habe ich mir für die Bienenkiste auch schon länger gestellt.

Eine Intention bei der Entwicklung der Bienenkiste war es sicher, dass man diese auch einfach selbst anfertigen können soll.
Außerdem sollte sie möglichst stabil sein, sonst könnte es Probleme beim Aufkippen bzw. beim Umlegen geben. Die Verwendung von Königinnenabsperrgittern und Bienenfluchten ist hinsichtlich der Honigernte sicherlich sehr praktisch, wird aber allgemein als nicht wesensgemäß angesehen.

Ich habe auch die EasyBeeBox in Betrieb, diese hat ein Schiebersystem integriert, mit welchem man zwischen den Honigraum und den Brutraum diverse Gitter, Bienenfluchten und Schiede einsetzen kann.
Die Idee ist an und für sich sehr gut, in der Praxis werden die Führungen aber von den Bienen regelmäßig mit Propolis verklebt.
Die Einsätze lassen sich dann nur mehr mit Gewalt entfernen und werden dabei nicht selten beschädigt.

Die Idee mit dem geteilten Deckel über dem Honigraum auf der Bienenkiste wäre eine Alternative um sie bei der Ernte nicht immer komplett umdrehen zu müssen. Dies könnte insbesondere bei beengten Aufstellungsverhältnissen (z. Bspl. unter einem niedrigen Vordach) von Vorteil sein.

Der springende Punkt bei all diesen Ideen ist eine durchdachte mechanische Konstruktion, die durchaus aufwendig sein könnte.

Meine Bienenkiste ist jetzt 10 Jahre alt und noch immer in gutem Zustand.
Falls ich diese mal ersetzen werde könnte ich mir eine geänderte Eigenkonstruktion vorstellen.

Sie hätte dann noch dickere Wände, eventuell einen geteilten Deckel, ein Wechsel-Schiedsystem und einen Gitterboden.

Wenn es so weit ist, werde ich hier gerne berichten.

LG. Hartmuth

Ich denke den Boden zu teilen ist nicht so problematisch. Ich würde den vorhandenen Boden in Höhe des Honigraumes trennen und dann beide Böden mit jeweils vier Riegeln versehen, so sollte es genauso stabil sein wie vorher. Klar wird der Königinnenschutz verkleistert, aber das wird ein normaler Trennschied ja auch. Wesensgemäße Haltung ja, dass ist ja genau das was einem an solchen Haltungsformen wie der BiKi interessiert, aber ich finde es besser keine Brut im Honigraum zuzulassen, denn ansonsten muss man ja auch ständig schauen, wann der Raum brutfrei ist und so hundertprozentig wird man es im Naturwabenbau auch nicht sehen und das Ganze ist dann mit mehreren Störungen im Volksablauf verbunden. Alles hat immer ein für und wider :person_shrugging:. Ein Gitterboden ist auch etwas, das ich befürworten würde. Ich habe diese Puderzuckermethode ausprobiert und die Bienen waren danach ziemlich platt, dachte schon sie wären tot. Es dauerte eine ganze Weile bis sie sich bewegten. Mit einem Gitterboden wären ständige Kontrollen wesentlich besser für die Bienen und den Imker.

Hallo Frank, genau wie du selbst schreibst:
Alles hat immer ein für und wider.
Genau so ist es auch mit der Bienenkiste und der besonderen Betriebsweise.
Du hast dir bestimmt lange Gedanken gemacht, welche Beute und Betriebsweise zu deinen Vorstellungen am besten passt aber mit dem Tun kommen die Fragen und Unsicherheiten.
All das was du andenkst lassen sich in einer Bienenhaltung im Magazin (Dadant usw.) ohne baulichen Veränderungen praktizieren.
Separate Honigzarge mit Absperrgitter, Einsatz einer Bienenflucht ist möglich, Gitterboden kann untergeschoben werden usw.
Die Bienenkistenbetriebsweise sieht jedoch mangels Absperrgitter nur eine und dann noch späte Honigernte vor, weil eben erst die Brut auslaufen muss. Eine Bienenflucht lässt sich nicht sinnvoll benutzen. Dein geteilter Deckel kann eine Lösung sein, wobei ich dir nicht garantieren kann, dass wenn nur der Deckel zum Honigraum zur Ernte aufgemacht wird, die Bienen tatsächlich nicht angriffslust werden. In meinen fast 14 Jahren mit der Bienenkiste gab es überwiegend friedfertige Honigernten.
Du könntest natürlich auch bei verteidigungsbereiten Wächterbienen über einen Königinnentausch nachdenken, aber das sind alles Eingriffe und Veränderungen an der wesensgemäßen Betriebsweise, die dieser teilweise widersprechen.
Prüfe einfach mal, ob eine andere Betriebsweise (Magazin) besser zu dir und deinen Bienen passt. Oder einfach ausprobieren, vielleicht nicht schon im 1. Bienenjahr, sondern dann wenn nicht nur theoretisches Wissen vorhanden ist.
LG Siggi
PS: Deine Ideen sind naheliegend, weil sie vieles einfacher/anderst machen würden, aber dann hast du zwar eine Bienenkiste aber eine Magazinbetriebsweise.

Wenn man es optimistisch betrachtet, könnte es am Ende das Beste aus zwei Welten sein.

Hallo Siegfried, ok also ich möchte schon etwas anderes machen als die “üblichen” Beuten nutzen wie Dadant, Segeberger usw. da ich hier eher den Nutzen für die Honiggewinnung aber nicht die der wesensgerechten Haltung sehe, mag sein das ich mich da aber täusche. Klar werde ich trotz meiner Gedanken die beiden Völker in meinen BiKi’s erstmal so pflegen, wie es gemäß des Buches vorgegeben ist. Im nächsten Jahr nach hoffentlich gelungener Überwinterung und der Honigernte werde ich dann überlegen, ob nicht doch die Einraumbeute oder Warre das richtige Konzept für mich ist. Ich habe viel gelesen auch hier im Forum und YouTube Filme angeschaut und muss feststellen, dass doch sehr viele von der BiKi auf andere Beuten übergegangen sind. Ich war vor ein paar Tagen mit einem seit 2014 in der Imkerei tätigen pensionierten Polizisten unterwegs auf seinen Gundflächen in Hanglage am Rhein. Er nutzte zum Anfang die BiKi und jetzt Warre, Einraumbeute und Top Hive Bar und hat sogar einen alten Baum dort stehen, in dem eine natürliche Höhle enstanden ist, in der er ein Volk hält. So konnte ich viele Eindrücke sammeln. Es ist halt sehr gut wenn man hier seine Gedanken teilen kann und von einer Seite positives kommt und von der anderen Seite eher begründete Bedenken. Damit kann man seine Ideen dann verbessern oder halt auch in den Müll werfen. Gruß Frank

Interessant fand ich übrigens bei dem Besuch von Harry auf seinen Flurstücken am Rhein auch, dass er dort eine Mini-Biki betreibt. Also viel kleiner als die BiKi, 40 Liter Brutraum, und hinten nur ein kleiner freier Raum zur Varroabehandlung und notfalls auffüttern, welches er aber nie betreibt. Also komplett ohne Honigernte, alles den Bienen selber überlassen! Dort kostet ein qm zum Kauf nur 1 € über den Weinhängen mit Blick über das Rheintal. Da überlege ich echt, ob ich mir da ein paar hundert qm kaufe und eine Naturwiese mit ein paar Bienenvölkern verwirkliche. Muss nur noch meine Frau ünerzeugen, dass ist ja immer die größte Hürde :grin:

Lieber Kerry, hier gibt es eine Anleitung für einen Varroa-Boden für die Bienenkiste. Lg Dennis