Erhöhtes Bienensterben 2021/2022

habe eben diese Info aus meiner Whatsapp Bienen-Gruppe bekommen:

Das nass-kalte Wetter im vergangenen Sommer und die Varroamilbe haben den Bienenvölkern im Winter stark zugesetzt. Besonders schwer hat es die Imker im Kreis Sigmaringen getroffen: Dort seien rund drei Viertel aller Bienen über den Winter gestorben, so der Vorsitzende des Bezirksimkervereins. Bei einigen Imkern habe kein einziges Bienenvolk überlebt. Die Imker helfen sich nun gegenseitig: Wer noch Völker übrig hat, gibt sie weiter. Bei Mellifera im Zollernalbkreis und beim Bezirksimkerverein Freudenstadt lagen die Verluste zwischen 20 und 50 Prozent. Die Bienen konnten im Vorjahr wegen des schlechten Wetters keinen Honig einlagern. Sie waren deshalb schwach und anfällig für Krankheiten.

Ich höre ähnliches auch hier in meiner Umgebung

Ich kann es bald nicht mehr hören, jedes Frühjahr die gleiche Leier…

Zu 90% ist das Problem nicht in der Beute sondern dahinter.

Sicher kann man mal eine Saison Pech haben wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammen kommen.

Aber die genannten Faktoren schlechtes Wetter (und fehlender Honigeintrag) sowie die Varroamilbe sind keine unnormalen Faktoren die überraschend und neu gekommen sind.

Somit eigentlich nichts Ungewöhnliches.

Wie gesagt, zum großen Teil sind es immer dieselben die „Pech“ haben und die anderen bringen immer 90 oder 95% über den Winter.
Warum wohl?
Die Welt ist einfach ungerecht…

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Das ist traurig und sehr schade um die Bienen. Auch ich denke, daß es ein Menschenproblem ist. Ich empfehle die Bücher von Tom Seeley und anderer naturgemäßer Imker intensiv zu studieren und sich weit in das Bienenwesen zu denken. Die Bienendichte und zu eng stehende Bienenvölker - Praktikabilität! - sind oftmals das Problem.

Seit 4 Jahren habe ich Bienen. 6 eigene Völker (Dadant) und von meinem Nachbar betreue ich 12 Völker (Kuntsch). Er ist 86 Jahre alt und kann nicht mehr so recht. Wir diskutieren viel, doch er nimmt meine Ideen an und so stehen alle Völker in Einzelstellung mit 700 Meter bis 1,2 Kilometer Distanz. Seit 4 Jahren ist uns kein Volk gestorben.
Und ich habe Waden wie ein Rennradfahrer…
Gruß, Seb

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Bei mir in der Region gab es im letzten Jahr fast keinen Nektareintrag. Die gemessenen Gewichte der online Stockwagen der Imkervereine ringsherum haben sich kaum verändert.
Ich habe daher fast den ganzen Sommer gefüttert und musste zum Herbst dennoch auffüttern.
Einige Imker aus der Gegend wollten es aber nicht glauben, da es so schön geblüht hat. Denen sind teilweise die Völker schon im letzten Jahr bzw. dann über den Winter verhungert/eingegangen.
Grüße Ingo

Lieber Andreas @Ostalbkiste,

Deine Behauptung

also das allseits bekannte Mantra „Der Fehler steht hinter dem Kasten“ des Dr. Gerhard Liebig, den ich als Wissenschaftler durchaus schätze, finde ich nicht unproblematisch.

In meinem Umfeld (u.a. Mellifera-Regionalgruppen) kann ich das nämlich nicht bestätigen. Offenbar ist dort diesen Winter 2021/22 ein deutlich erhöhtes Sterben von Bienenvölkern zu verzeichnen. Unten den betroffenen Bienenmenschen sind Anfänger genauso wie langjährige Imker mit reichlich Jahr(zehnt)en an Erfahrungen. Auch bei den Erfahreneren fielen diesen Winter Verluste von teilweise ca. 3/4 bis hin zum Totalverlust (!) an. Weil ich darum weiß, dass die meisten davon sehr reflektiert und achtsam mit ihren Bienen umgehen und sich um eine wesensgemäße Bienenhaltung bemühen, halte ich die These, dass in den allermeisten Fällen der Bienenmensch selbst Schuld hat, für sehr gewagt.

Das stimmt. Und diesen Winter scheint es trotz aller Erfahrungen und Bemühungen überraschend viele erwischt zu haben, obwohl sie die Jahre zuvor nichts dergleichen erleben mussten. Und die Anfänger stehen zusammen mit ihren Imkerpaten und / oder ihrer Praxiskurs-Begleitung vor einem Rätsel, was hier schiefgegangen sein könnte.

Deshalb habe ich ja auch geschrieben, dass es in den meisten Fällen so ist aber nicht in allen.

Aber der Aufmacher in der Presse mit dem frühjährlichen Bienensterben ist jedes Jahr ein dankbares Thema weil keiner möchte dass die Bienen sterben…

Ich habe in den letzten Jahren viele Anfänger unterstützt und dabei einiges erlebt.
Aber ich merke jedes Mal sehr schnell wer es ernst meint und nimmt und wer nicht.

Da geht der eine eine im August 5 Wochen in Urlaub und wundert sich dass das Einfüttern und Behandeln im September zu spät ist.
Der andere macht trotz Hinweisen keine Mäusegitter ans Flugloch und ist erstaunt weil im Frühjahr die Maus noch lebt aber die Bienen nicht mehr.
Der nächste lässt im letzten Frühjahr seine Bienen bei schlechten Tracht- und Wetterverhältnissen fast verhungern obwohl mehrfach darauf hingewiesen wurde.

Ich meine, dass eine gewisse Ernsthaftigkeit erwartet werden kann und muss.
Gott sei Dank gibt es auch Gewissenhafte und bei denen funktioniert es dann auch in der Regel deutlich besser.

Das Problem im letzen Herbst und Winter stellt sich für mich und in meiner Region (Württemberg/Ostalb) wie folgt dar:

Das ganze Jahr rekordverdächtig schlechte Trachtverhältnisse mit Zufütterungen.
Weil auch der Wald nicht honigte haben viele früh behandelt, allerdings nicht bei besten Bedingungen.
Anschließend besseres Wetter in den Herbst hinein, mit der Folge dass die Völker lange in der Brut und entsprechend stark waren.
Das hatte entsprechend höheren Futterverbrauch zur Folge, so dass manche mit zu wenig Vorräten in den Winter gingen.

Das weitaus größere Problem war die Varroa.
Vor allem starke Völker mit aussergewöhnlich langer und starker Brutphase erlitten nach nicht optimalen Behandlungserfolgen im Juli/August starke Zunahmen an Varroen.
Ganz auffällig waren übereinstimmende Berichte, dass vor allem und zuerst die stärksten Völker eingingen.
Danach die benachbarten durch Reinvasion, vor allem bei enger Aufstellung.
Wer das nicht rechtzeitig erkannte und gegensteuerte hatte ein Problem.

Aber es ist wie immer:
Es geht fast nichts nach Schema „F“.
Man kann nicht pauschal sagen dass 15 oder 18 kg Futter für den Winter reichen.
Es kommt auf die Stärke des Biens, das Klima, den Zeitpunkt des Fütterns usw. an.

Zum Thema des Fadens nochmal:
Ich bleibe dabei, dass der Grossteil der Probleme hausgemacht ist, entweder aus mangelnder Erfahrung oder Ernsthaftigkeit.

Auch ich hatte vor ca. 10 Jahren einen Winter mit rund 50% Verlusten.
Nach kritischer Selbstreflexion musste ich mir aber auch eingestehen dass bei der Varroabehandlung im Herbst davor nicht alles optimal war.

Seither bin ich wachsamer und die Verluste bewegen sich bei durchschnittlich 5% und damit kann ich leben…

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Dankeschön, Andreas @Ostalbkiste, für Deine ausführliche Antwort! Jetzt kann ich Deinen Hintergrund viel besser verstehen und nachvollziehen. :slight_smile:

Jetzt ist es auch statistisch belegt - siehe Infobrief 10/2022 des Apis e.V. vom 6. Mai:

Überdurchschnittliche Winterverluste

[…] Auf der Basis von mehr als zehntausend Antworten lag die mittlere Verlustquote in Deutschland bei 20,9% und damit im oberen Bereich der langjährigen Schwankungsbreite. Fast 69,5% der antwortenden Imker berichteten von mehr oder weniger umfangreichen Ausfällen, ein Wert der deutlich über den Zahlen der vergangenen Jahre liegt. […]
Hauptursache dürfte hauptsächlich in den schlechten Witterungsbedingungen des vergangenen Jahres liegen. Bei erhöhtem Varroadruck waren die Bekämpfungsbedingungen in vielen Regionen schlecht. Auch sollte der Frage nachgegangen werden, ob das schlechte Wetter einen reduzierten Nahrungseintrag, insbesondere Polleneintrag, zur Folge hatte und die Bienen „mangelernährt“ aufwuchsen und geschwächt in den Winter gingen. […]

Hier der Download des PDF-Dokuments:

Auf Seite 3 findet sich der Artikel und auf Seite 4 die detaillierte Statistik nach den Regionen Deutschlands.

Dito in der Schweiz:

Mehr als jedes fünfte der Bienenvölker in der Schweiz überlebten den Winter 21/22 nicht – dies ist ein Anstieg der Winterverluste um rund sieben Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr (von 14,2% auf 21,4%). Es handelt sich um den höchsten Verlust seit 10 Jahren, der vor allem dem nasskalten Wetter im Frühling und Sommer 2021 geschuldet ist.

Siehe hier:

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