Nachdem gestern bei uns in Eisenstadt mit 37,7°C der bisher heisseste Tag in der nun seit bereits 10 Tagen anhaltenden Hitzewelle war, konnte ich beobachten, dass bei einem meiner Völker massiv Drohnenbrut aus dem Stock ausgeräumt wurde.
Der Boden vor dem Stock war mit weissen Drohnenpuppen übersät und auf der Unterlage war auch alles voll mit zernagten Brutteilchen.
Hat jemand im Forum in den letzten Tagen eine ähnliche Beobachtung gemacht?
Könnte Hitzestress die Ursache sein?
Es sind sehr viele Bienen im Stock und er ist randvoll mit Vorräten.
Der Varroatotenfall auf der Unterlage ist noch unter den üblichen Schadschwellen.
Wären bei bestimmten Krankheiten nur die Drohnennymphen betroffen?
Die erwachsenen Drohnen dürfen, so weit ich das beobachten konnte, weiterhin im Stock bleiben.
Aber gestern lagen am Abend geschätzte fünfzig schon sehr weit entwickelte
Drohnennymphen am Boden vor dem Stock.
Und da haben die Wespen und Ameisen sicher schon einige vorher weggeschafft.
Heute waren es nach meiner Beobachtung schon deutlich weniger, wobei ich tagsüber nicht nachschauen konnte.
Morgen früh werde ich nochmals genauer hinschauen.
Mich hätte interessiert ob es eventuell einen Zusammenhang mit der großen Wärme in den letzten Tagen geben könnte oder ob andere plausible Gründe für dieses Verhalten bekannt sind.
Das selbe Spiel bei mir in Sachsen bei einem Vorschwarm mit 3kg, wo das Volk die letzte Behandlung 2024 bekommen hat und bis jetzt unbehandelt ist. Der tägliche Milbenfall beläuft sich auf drei Milben. Das Volk räumt ansonst ebenso gut aus. Ich würde sagen das die Abkühlung eine Wende in der Volksentwicklung herbeigeführt hat. Ebenso ist die Lindenblüte vorbei, welche meine letzte Tracht darstellt. Auf jeden Fall räumt ein Volk nicht ohne weiteres Brut aus, es kann mit erhöhten Milbenfall zusammenhängen.
In den letzten sieben Tagen hatte ich durchschnittlich 3 Milben/Tag auf der Unterlage, wobei die Tendenz aktuell steigend ist.
Wenn dieses Volk varroasensitive Gegenmaßnahmen setzt, wäre dies ja grundsätzlich sehr positiv - ich konnte das bisher in diesem Umfang aber noch nie beobachten.
Sollte die ausgeräumte Drohenbrut wirklich einen erhöhten Befallsgrad durch Varroen aufweisen, dann müsste das meiner Meinung nach auch an den Puppen und auf der Unterlage zu erkennen sein.
Wäre es denkbar, dass die durch die Hitze entstandene Trockenheit die Pflanzen stark gestresst und zu einem Pollenmangel geführt hat, so dass die Arbeiterinnen Ihre Larven kannibalisieren um Eiweiß zurückzugewinnen?
Die Larven waren durchwegs angefressen und auch auf der Unterlage waren viele Teilchen zu finden.
So wie es aussieht ist die Aktion jetzt vorerst mal abgeschlossen.
Es schaut wieder alles normal aus vor dem Flugloch.
Auch wenn ich jetzt auf Anhieb keine eindeutige Erklärung für dieses Verhalten gefunden habe, gehe ich trotzdem davon aus, dass die Bienen auch in diesem Fall wissen was sie tun.
Man muss nicht immer alles erklären können. Völker beobachten und lernen wie sie alles Regeln, ist ein spannendes Ereignis und das jedes Jahr neu.
Natürlich greife ich ein, wenn ich ein massives Problem erkenne wie zum Beispiel, zu viele Milben, Weisellosigkeit, Räuberei usw. Viele Probleme gibt es nur weil wir viele Bienen auf geringem Raum halten, deshalb muss man regulierend eingreifen und für die Bienen gute Schlußfolgerungen treffen.
Eine gute Maßnahme ist den Beutenabstand zu vergrößern, damit entkoppelt man gegenseitige Abhängigkeiten!
Bei einem von mir betreuten Neuimker die selbe Situation: Drohnenpuppen / -maden werden seit ein paar Tagen ausgeräumt und vors Flugloch geschmissen. Bei nur einem Volk, bei den anderen von mir und in meinem Bekanntenkreis (in und um Leipzig) nicht.
Bei mir tritt es auch nur bei einem Volk auf. Es ist ein starker Schwarm vom 27.05., jetzt auf 3 Warre-Zargen die komplett sehr dicht besetzt sind. Hier gab es auch eine Abkühlung nach der Hitzewelle. Früh waren es so 8-9 Grad.
In der aktuellen Bienen und Natur (Thema: ‘Imkern in der Sommerhitze’) gibt es einen Artikel zu Schädigung der Drohnenbrut bei starker Hitze. Die Drohnen entwickeln sich nicht so gut, sterben deutlich früher und haben deutlich weniger (fruchtbare) Spermien.
Vielleicht hat dein Volk das ja wahrgenommen und die Brut vorab entsorgt…?
Das ist bestimmt nicht der Fall, denn es geschieht in Völkern die stark sind und die Brutnesttemperatur konstant halten können. Meistens sind es diesjährige Schwärme mit neuem Wabenbau. Also Völker, die alles recht gut unter Kontrolle halten können.
Meiner Erfahrung nach ist der Auslöser das Trachtende. Das fällt in die Zeit der schon kürzer werdenden Tage. Ohne Tracht keine Schwärme, ohne Schwärme keine neuen Königinen, wozu dann Drohnen?! Ausserdem ist jetzt mit stark reduzierter Brutfläche zu rechnen. Die Bienen bereiten sich auf den bevor stehenden Winter vor.
In einem naturbelassenem Bienenvolk sind Drohnen in ganz geringer Anzahl übers Jahr im Bienenvolk zu finden. Ich habe das bei meinen Durchsichten im Oktober immer wieder beobachten können.
Wird spät im Jahr eine stille Umweiselung durchgeführt, werden in der Regel 2 Weisel- oder Nachschaffungen angelegt. Dazu kommen bis zu 5 Drohnenzellen die oftmals in Arbeiterinnenzellen aufgezogen werden. Also eine kleines Komplettsystem zur Begattung. Dabei ist das Volk nur auf sich und das Überleben ausgerichtet.