Die Versuche mit Bannwabenverfahren und Hyperthermie für 2024 habe ich nun abgeschlossen und möchte meine neuen Erfahrungen heute mit euch teilen.
Das Volk, von welchem ich letztes Jahr berichtet hatte, hat den Winter gut überlebt. Ich habe auch wieder keine Winterbehandlung durchgeführt (natürlicher Totenfall am 09.12.23 0 V/d).
Da ich nun zwei zu behandelnde Völker habe bezeichne ich es mal so, wie ich es in meinen Unterlagen führe, das Volk „gelb“.
Dieses Volk hatte ja während dem Bannwabenverfahren 2023 noch Kalkbrut und die Neigung zu Weiselzellen.
Am 10. Oktober musste ich wieder einen natürlichen Milbenfall von 11 V/d feststellen und habe nochmal für 8 Tage eine Ameisensäurebehandlung gemacht. Im Anschluss sind 480 Milben gefallen.
Im November habe ich mit Schreck meine gezeichnete Königin tot auf dem Boden gefunden.
Was nun? Klopfprobe gemacht – kurzes Aufbrausen dann wieder Ruhe. Aufgrund dieses Verhaltens habe ich mich beruhigt, nicht geöffnet und das Frühjahr abgewartet. Und das war gut so, denn es gab tatsächlich eine neue Dame. Vermutlich haben die Bienen im September still umgeweiselt, die beiden Weiseln parallel gepflegt und nach bestandener Probezeit der Neuen die Alte aus dem Bau geworfen. Die Kalkbrut ist seit etwa Juni endlich verschwunden.
Am 15.06.24 habe ich die Milbenzahl in Volk „gelb“ und „blau“ ermittelt.
gelb: 1 V/d
blau: 63 V/d !!!
Für „gelb“ habe ich entschieden, noch keine Behandlung durchzuführen.
Der Start mit dem Absperren der ersten Bannwaben (diesmal 2 Stück pro Volk) in „blau“ war am 21.06.24.
Meine Hyperthermiebox habe ich dieses Jahr etwas modernisiert und einen etwas jüngeren ausgemusterten Regler meiner Firma eingebaut. Dieser hat nun eine Rampenfunktion wodurch ich einfach die gewünschte Temperatur einstelle und sich anschließend die Box mit 0,1°C/Minute aufheizt. In dieser Zeit können andere Arbeiten, wie Absperrgitter/Bannwabe umsetzen, Milchsäurebehandlung o.a. gemacht werden.
Alle drei Wärmebehandlungen erfolgten dieses Mal mit in die Wabe gestochenem Fühler problemlos.
Der Milbenfall nach der ersten Wärmebehandlung war enorm. Auf dem Bild hier lagen 640 Milben nach einem Tag auf der Windel.
Die Anzahl der gefallenen Milben nach allen drei Wärmebehandlungen lag bei ca. 6000 Milben.
Da der natürliche Milbenfall am 14.08.24 bei „blau“ noch sehr hoch war, beschloss ich die gleiche Prozedur noch einmal aber nun gleichzeitig mit Volk „gelb“. Die Gelben hatten inzwischen 12 V/d.
Um die Flugbienen mitzubehandeln und um sicher zu gehen, dass es die letzte Behandlung für 2024 ist, habe ich während die Wärmebehandlung der 2. Bannwaben erfolgte, alle Bienen mit Milchsäure besprüht.
Beim gelben Volk sind insgesamt relativ wenig, d.h. ca. 930 Milben gefallen. Die letzten beiden Bannwaben waren nicht bestiftet und brauchten gar nicht erst in meine Box wandern.
Bei „blau“ fielen erfreulicherweise aus den 3. Bannwaben fast keine Milben mehr.
In den beiden PDF könnt ihr den genauen Milbenfall gut überblicken.
Milbenfall nach BWV mit Hyperthermie und MS - blau.pdf (134,5 KB)
Milbenfall nach BWV mit Hyperthermie und MS - gelb.pdf (131,6 KB)
Das blaue Volk habe ich vermutlich dieses Jahr etwas überbehandelt aber es waren auch sehr viele Milben im Juni und das sollte 2025 nicht mehr passieren.
Fazit:
- Dieses Verfahren ist eine weitere machbare Variante zur Varroabekämpfung.
- Es ist vermutlich keine Quälerei für die Bienen, auch mir gegenüber waren die Bienen sehr entspannt.
- Die Bienen machen jetzt einen sehr gesunden, ruhigen Eindruck und sind schon aus der Brut gegangen.
- Die Milchsäure könnte nächstes Jahr bestimmt entfallen, wenn ich im März eine Wärmebehandlung einiger Brutwaben machen würde.
- Die Hyperthermie ist praktisch, wenn man noch junge Waben nicht einschmelzen möchte oder das Einschmelzen von Brut unangenehm ist.
- unabhängig vom Wetter
- keine Bienenverluste und somit nachfolgend weniger Bruttätigkeit (was wiederum zu mehr Varroen führen würde)
- geringe Folgekosten (ca. 0,80 €/Volk für Strom und Milchsäure für alle Behandlungen bei gleichzeitiger Wärmebehandlung von angenommen 3 Völkern)
- Wer die ältesten Waben, und nur eine, als Bannwabe nutzt (ich habe willkürlich immer zwei Waben ausgewählt) kommt vielleicht mit dem Bannwabenverfahren auch ohne Hyperthermie aus (siehe Ralf Büchler).
Nachteile:
- eine gezeichnete Königin ist sinnvoll
- ein Zeitplan muss rechtzeitig gemacht und beachtet werden
- zeitaufwändiger als andere Methoden (3 x 3 h Hyperthermie + 4 x 15 Minuten Absperrgitter und Königin umsetzen pro Volk)
- wer ein Gerät kaufen muss hat hohe Kosten
- Einsatz von Technik
Ich werde vorerst bei dieser Art der Milbenreduktion bleiben und diese noch etwas optimieren.
Ziel für die Zukunft ist eine Hyperthermie ohne Säure im Sommer und eventuell eine im Frühling. Das deckt sich in etwa mit den Empfehlungen der handelsüblichen Geräte.