Ameisensäurebehandlung

Hallo,

nachdem ich vor Jahren schon einmal mit der Bienenkiste geimkert hatte, möchte ich nach einer Pause wieder damit anfangen, da ich persönlich das Konzept der Bienenkiste für mich am besten finde. Ich benötige aber Hilfe und Ideen, wie ich in meiner Lage die Ameisensäurebehandlung optimal hinbekomme. Ich bin im südöstlichen Bayern und die Sommer sind generell über 30 Grad und mit stark erhöhter Luftfeuchtigkeit. Wir haben hier viele Bäche und Flüsse, und die Tallage in der ich mich befinde, verschärft die Situation zusätzlich.Die Tendenz der letzten Jahre zeigt, das dieser Zeitraum immer länger wird und eine Langzeitbehandlung z. B. mit dem Nassenheider Verdunster unmöglich macht. Zudem stelle ich mir die Frage, ob eine Verdunstung ausgehend vom Honigrazm überhaupt optimal die Wabengassen erreichen kann, da Ameisensäure schwerer als Luft am Boden der Beute bleibt. Ich trage tatsächlich den Gedanken, eine Öffnung über dem Brutraum im Deckel zu bauen , um von dort mit Hilfe von Schwammtüchern kurzzeitig am kühleren Abend oder Morgen Ameisensäuren an das Volk zu bringen.

Wie ist eure Einschätzung dazu?

Freue mich auf eure Meinungen

Ani

Hallo Ani, herzlich willkommen im Forum!

ich hatte letzte Saison eine Bienenkiste, eine Einraumbeute und eine EasyBeeBox bei mir im Garten stehen.

Bei mir in der pannonischen Tiefebene sind die Sommer auch ordentlich warm und ich hatte schon mehrmals Probleme mit der Dosierung der Ameisensäure im Nassenheider Verdunster.

Letztes Jahr habe ich auf die Behandlung mit Ameisensäure komplett verzichtet und alle Völker nur mehr mit sublimierter Oxalsäure behandelt.

Auf die Winterbehandlung habe ich letzes Jahr bei allen drei Völkern komplett verzichtet.

Sublimation von Oxalsäure funktioniert bei fast jeder Temperatur, man kann den Termin für die Behandlung auch kurzfristig ansetzen, wenn dies notwendig erscheint.

Wenn in der Zeit der Behandlung verdeckelte Brut in den Völkern ist, sollte man sich ein Konzept für eine Blockbehandlung überlegen. Bei mir hat sich 5x alle drei Tage bewährt.

Ich verwende einen Akku-Verdampfer (InstantVap® 18V Compact), dieser hat eine 6 mm Düse - man kann sich für alle Beuten einen passenden Fluglochkeil mit einer 6 mm Bohrung anfertigen.

Die Behandlung pro Beute ist dann in ca. 10 Minuten erledigt.

Langzeiterfahrungen für diese Methode kann ich noch nicht teilen, heuer sind alle drei Völker sehr stark ausgewintert und auf der Unterlage sind aktuell noch kaum Milben zu sehen.

Wenn man von den üblichen Behandlungsempfehlungen abweicht, sollte man aber schon einigermaßen Erfahrung bei der Beurteilung der Varroabelastung in Bienenvölkern haben.

Generell ist es mein Ziel von allen Varroa-Behandlungen wegzukommen um in meiner Region schlußendlich eine varroatolerante Bienenpopulation zu haben.

LG. Hartmuth

Danke für deine ausführliche Antwort. Tatsächlich denke ich, dass auch ich von Ameisensäure auf Oxalsäure ausweichen muss.

Wie willst du dauerhaft auf Behandlungen verzichten? Was ist dein Plan?

Vielleicht hast du Lust und Zeit, mir das ein wenig zu erzählen

LG Ani

Liebe Ani,

da muss ich jetzt doch ein bisschen weiter ausholen.

Ich hatte meinen ersten Bienenkurs vor ca. 10 Jahren bei einem Demeter-Imker in der Nähe von Wien.

Im Laufe der Zeit konnte ich erkennen, wie verschieden Imker mit ihren Völkern umgehen bzw. wie sie sich mit ihren Völkern identifizieren.

Für mich ist ein Bienenvolk ein Wesen, welches seit fast 100 Millionen Jahren die Erde bevölkert und sich bis vor kurzem immer perfekt an die sich ändernden Lebensbedingungen anpassen konnte.

Vor ca. 7000 Jahren traten die Menschen als Nutznießer von Bienenprodukten in das Leben der Bienen.

Der im Wald lebende Baumhöhlenbewohner wurde im Lauf der Zeit immer mehr in der Nähe von Menschen angesiedelt, in Behausungen welche dem Imker einen immer besseren Zugang zu den Völkern ermöglicht haben.

Bienen sind sehr anpassungsfähig, aber was ihnen speziell in den letzten knapp 200 Jahren von den Menschen zugemutet wurde, war vielleicht doch etwas zu viel.

Für mich ist der Maßstab die natürliche Lebensweise wilder Waldvölker.
Jede geplante Verbesserung sollte mit dieser abgeglichen werden.

Dazu gehört für mich unter anderem (die Reihung ist beliebig):

  • Extensive Bienenhaltung, die einzelnen Bienenstöcke möglichst weit von einander entfernt aufstellen.

  • Natürliche lokale Vermehrung über den Schwarmtrieb (am besten Naturschwärme).

  • Keine Unterdrückung des Schwarmtriebes, keine Maßnahmen gegen Drohnenbau.

  • Ungeteile Bruträume in Beuten die von den Bienen ausreichend klimatisiert werden können.

  • Naturwabenbau zumindest im Brutbereich, in welchem die Völker ihren Wabenkörper frei anlegen können.

  • Kein beliebiges Umsetzen von Rähmchen im Brutbereich bzw. zusammenwürfeln von Königinnen und Arbeitsbienen.

  • Die Bienen dürfen Ihre Königin selbst auswählen bzw. austauschen wann und wie sie es wollen.

  • Die Bienen dürfen auf eigenem Honig überwintern, entnommen werden nur Überschüsse, zugefüttert wird nur bei Futtermangel. (keine Reizfütterung, etc.)

  • Keine schädlichen Stoffe in die Natur ausbringen (Pflanzenschutzmittel, etc.)

  • Die klassischen Behandlungsmethoden gegen die Varroamilbe so weit wie möglich reduzieren.
    Nicht einfach auf Verdacht behandeln, nur wenn die Belastung für das Volk bedrohlich wird.
    Nur so kann sich aus meiner Sicht über kurz oder lang ein natürliches Gleichgewicht zwischen Wirt und Parasit einstellen und sich die Chance auf eine Koexistenz ergeben.

Beispiele für erfolgreiche Nichtbehandler in vielen Gebieten der Erde gibt es schon einige, diese lassen sich jedoch nicht 1:1 auf jede Region übertragen.

David Heaf hat in seinem Vortrag bei der sehr spannenden Konferenz: Resistenz und Toleranz letztes Jahr in der Fischermühle ein Buch von Steve Riley empfohlen, in welchem viele meiner oben erwähnten Vorstellungen enthalten sind und welches einen praktischen Weg zu einer behandlungsfreien Bienenhaltung weist.

Es ist in englischer Sprache geschrieben, soll aber angeblich auch bald in einer deutschen Übersetzung erscheinen.

Vielleicht magst du es dir einmal durchlesen: The Honey Bee Solution to Varroa
Inzwischen muss man es glaube ich nicht mehr in England bestellen.

Aus meiner Sicht ist es die Summe aller guten Maßnahmen welche zum Erfolg führen könnte, genauso wie die Summe aller schlechten Einflüsse zu schwachen und kranken Völkern führt.

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Den ausführlichen Ausführungen von Hartmuth kann ich mich voll und ganz anschließen!
Auch ich bin komplett von Ameisensäure auf Bedampfen mit Oxalsäure umgestiegen, weil ich denke, dass es den Bienen weniger Schmerzen zufügt und besser verträglich ist!
LG Mani

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Vielen lieben Dank für deine Zeit! Ich werde mich intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen.

Mein letzter Versuch, mit der Bienenkiste zu imkern war sehr schwierig, da ich die Ameisensäure nicht optimal einsetzen konnte. Oxalsäure bietet hier mehr Flexibilität, die ich dieses Mal nutzen werde.

Liebe Grüße Ani

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