Liebe Ani,
da muss ich jetzt doch ein bisschen weiter ausholen.
Ich hatte meinen ersten Bienenkurs vor ca. 10 Jahren bei einem Demeter-Imker in der Nähe von Wien.
Im Laufe der Zeit konnte ich erkennen, wie verschieden Imker mit ihren Völkern umgehen bzw. wie sie sich mit ihren Völkern identifizieren.
Für mich ist ein Bienenvolk ein Wesen, welches seit fast 100 Millionen Jahren die Erde bevölkert und sich bis vor kurzem immer perfekt an die sich ändernden Lebensbedingungen anpassen konnte.
Vor ca. 7000 Jahren traten die Menschen als Nutznießer von Bienenprodukten in das Leben der Bienen.
Der im Wald lebende Baumhöhlenbewohner wurde im Lauf der Zeit immer mehr in der Nähe von Menschen angesiedelt, in Behausungen welche dem Imker einen immer besseren Zugang zu den Völkern ermöglicht haben.
Bienen sind sehr anpassungsfähig, aber was ihnen speziell in den letzten knapp 200 Jahren von den Menschen zugemutet wurde, war vielleicht doch etwas zu viel.
Für mich ist der Maßstab die natürliche Lebensweise wilder Waldvölker.
Jede geplante Verbesserung sollte mit dieser abgeglichen werden.
Dazu gehört für mich unter anderem (die Reihung ist beliebig):
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Extensive Bienenhaltung, die einzelnen Bienenstöcke möglichst weit von einander entfernt aufstellen.
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Natürliche lokale Vermehrung über den Schwarmtrieb (am besten Naturschwärme).
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Keine Unterdrückung des Schwarmtriebes, keine Maßnahmen gegen Drohnenbau.
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Ungeteile Bruträume in Beuten die von den Bienen ausreichend klimatisiert werden können.
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Naturwabenbau zumindest im Brutbereich, in welchem die Völker ihren Wabenkörper frei anlegen können.
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Kein beliebiges Umsetzen von Rähmchen im Brutbereich bzw. zusammenwürfeln von Königinnen und Arbeitsbienen.
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Die Bienen dürfen Ihre Königin selbst auswählen bzw. austauschen wann und wie sie es wollen.
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Die Bienen dürfen auf eigenem Honig überwintern, entnommen werden nur Überschüsse, zugefüttert wird nur bei Futtermangel. (keine Reizfütterung, etc.)
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Keine schädlichen Stoffe in die Natur ausbringen (Pflanzenschutzmittel, etc.)
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Die klassischen Behandlungsmethoden gegen die Varroamilbe so weit wie möglich reduzieren.
Nicht einfach auf Verdacht behandeln, nur wenn die Belastung für das Volk bedrohlich wird.
Nur so kann sich aus meiner Sicht über kurz oder lang ein natürliches Gleichgewicht zwischen Wirt und Parasit einstellen und sich die Chance auf eine Koexistenz ergeben.
Beispiele für erfolgreiche Nichtbehandler in vielen Gebieten der Erde gibt es schon einige, diese lassen sich jedoch nicht 1:1 auf jede Region übertragen.
David Heaf hat in seinem Vortrag bei der sehr spannenden Konferenz: Resistenz und Toleranz letztes Jahr in der Fischermühle ein Buch von Steve Riley empfohlen, in welchem viele meiner oben erwähnten Vorstellungen enthalten sind und welches einen praktischen Weg zu einer behandlungsfreien Bienenhaltung weist.
Es ist in englischer Sprache geschrieben, soll aber angeblich auch bald in einer deutschen Übersetzung erscheinen.
Vielleicht magst du es dir einmal durchlesen: The Honey Bee Solution to Varroa
Inzwischen muss man es glaube ich nicht mehr in England bestellen.
Aus meiner Sicht ist es die Summe aller guten Maßnahmen welche zum Erfolg führen könnte, genauso wie die Summe aller schlechten Einflüsse zu schwachen und kranken Völkern führt.