Abschied von der Bienenkiste

Liebe Freunde der Bienenkiste,

meine Entscheidung ist nun gefallen. Ich werde mich von der Bienenkiste verabschieden. Meine Gründe sind:

  1. Die Handhabung ist für mich und diejenigen, die mir helfen nicht praxistauglich. Ich habe mich von den zu positiven Beschreibungen verleiten lassen. Es hieß da, dass das Umdrehen ganz einfach sein solle. Inzwischen ist mir klar, dass bei 86 kg Gesamtgewicht ich zwar nur die Hälfte heben muss, ABER das sind ja immer noch 43 kg! Das ist mir viel zu schwer.

  2. 86kg auf einer Personenwaage zu balancieren und dabei das Gewicht abzulesen ist eine klare Überforderung.

  3. Dann ist da noch das Problem, dass die aufgestellte Kiste zu wackelig ist. Der Besenstiel ist ein schlechter Witz, wenn die Kiste auf einer Wiese und nicht auf festem Boden steht. Wenn man sie ganz rumdreht muss man auf dem Boden rumkriechen… Wenn man statt Besenstiel einen Bock nimmt, steht das Konstrukt zwar besser, aber meist steht der Bock beim Umdrehen falsch. Dann hat man die 86 wackeligen kg in einer Hand um muss mit der anderen den Bock richtig stellen.

  4. Ich habe mir ein Gestell gebaut mit dem ich die Kiste leichter umdrehen kann. Das funktioniert an sich ganz gut. Aber es ist immernoch eine Asterei, die man besser zu zweit macht. Das besdeutet, dass man eigentlich nichts alleine machen kann, ausser hinten reinschauen. Aber da gibt es nicht wirklich was Erhellendes zu sehen.

  5. Wenn ich Bienen halte, bin ich für deren Wohlergehen verantwortlich. Bei der Bienenkiste habe ich aber immer das Gefühl im Blindflug zu sein. Ich soll nachschauen, ob ich Brut und welche Brut ich habe. Ich soll nachschauen, ob es Weiselzellen gibt,d wie alt die sind und ob da Eier/Larven drin sind, ich soll sehen wie es der Königin geht, ich soll dies und das sehen… Das kann man aber in der Kiste alles nicht, schon gar nicht als Anfänger für die sie beworben wird. Achja man bekommt den Hinweis man könne gut das Flugloch beobachten und daraus schließen, wie es den Bienen geht. Als Anfänger? Ernsthaft?! Für mich ist die Bienenkiste bei diesen Aufgaben ein Hindernis und keine Hilfe.

Das Volk wird nach dem Winter in eine Einraumbeute umziehen. Ich denke, dass man damit doch deutlich näher an die wesensgemäße Bienenhaltung herankommt. Und vor allem denke ich, dass man gerade als Anfänger viel mehr vom Leben der Bienen versteht, wenn man sehen kann, was sie tun. Und auch für mich soll die Bienenhaltung wesensgemäß sein (Massen bewegen, Arbeitshöhe, Lernmöglichkeiten…)

An dieser Stelle nochmal vielen Dank für eure Hilfe bei den Fragen, die ich hier im Forum gestellt habe. Bestimmt werde ich neue Fragen haben, wenn die ERB in Betrieb geht.

Ich habe diesen Text unter „Anfänger“ geschrieben, weil ich selbst ein solcher bin und ich hoffe, dass andere Anfänger noch einmal nachdenken bevor sie mit der Bienenkiste anfangen.

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Lieber Max @malkowitz,

zunächst mal tut es mir sehr leid für Dich, dass Du diese unguten Erfahrungen gemacht hast! Es ist superschade, dass Du gleich in Deinem ersten Jahr mit den Bienen so von dieser Betriebsweise mit der Bienenkiste enttäuscht wurdest, die viele andere so begeistert. Gleichzeitig denke ich aber auch, dass das zu Deinem persönlichen Weg mit den Bienen dazugehört! Du wirst in den nächsten Jahren verschiedenste Erfahrungen machen, es jeweils prüfen, was zu Dir und Deinen Bienen passt und dann auch immer mal wieder einen neuen Weg einschlagen. Dafür wünsche ich Dir und Deinen Bienen das Beste! :four_leaf_clover:

Ganz toll und mutig finde ich es auch, lieber Max, dass Du uns hier so offen und ehrlich Feedback gibst und uns Deine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke schilderst! Das ist nicht selbstverständlich! :clap:

Wenn wir jetzt schon an das nächste Jahr denken, dann findest Du für Deinen Start mit der Einraumbeute – neben dem Erfahrungsschatz in diesem Forum :wink: – besonders hier viele hilfreiche Informationen:

Abschließend möchte ich Dir noch die Imkerkurse „Mit den Bienen durchs Jahr“ von Mellifera ans Herz legen. Die neuen Kurse beginnen meist bereits Februar oder März. Vielleicht ist ja einer davon in Deiner Nähe und Du könntest so auch praktisch durchs Bienenjahr begleitet werden?

Liebe Grüße und Dir einen guten Weg mit den Bienen,
Michael :slight_smile:

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Moin.

Ich kann dir nur zustimmen. Die Bienenkiste ist für Anfänger ungeeignet. Das drehen der Kiste ist schon schwer genug. Ich bin immer alleine dabei. Das größte Problem ist aber aus meiner Sicht, das die Bienen durch das drehen der Kiste schon sehr aggressiv werden. Ich wurde mehrfach gestochen. Sei Waben waren sehr gut gefüllt. Jede Wabe hatte ca 2200g. Dann gab es richtig Probleme den Honig aus den Waben zu bekommen. Alles nach Vorschriften gemacht. Die Pampe läuft einfach nicht durch. So werde ich keinen Honig mehr ernten. Ich steige auch um. Aber in eine oder mehrere Magazinbeuten.

Im Frühling 2016 bin ich mehr oder weniger zufällig in einen Imkerkurs eines Demeter Imkermeisters in Wien geraten und habe dort die Bienenkiste als bienenfreundliche Behausung für Bienen kennengelernt.

Wir haben einen Naturschwarm in die Bienenkiste einlaufen lassen und ich war sofort fasziniert von diesen Wesen, die ich dort von einer ganz neuen Seite kennengelernt habe.

Gleich danach habe ich mir eine Bienenkiste besorgt, diese für die Bienen vorbereitet und mich an der lokalen Schwarmbörse als Interessent angemeldet.

Erst im nächsten Jahr, am 11. Mai 2017 habe ich dann endlich mein erstes Bienenvolk in Form eines Naturschwarmes aus der Region bekommen und in die Bienenkiste einlaufen lassen.

Mehr als 8 Jahre ist diese Bienenkiste jetzt ohne Unterbrechung mit Bienen besetzt.

Ich habe seither einiges dazugelernt und inzwischen auch schon zwei weitere Völker in anderen Beuten (Einraumbeute und EasyBeeBox) untergebracht.

Die Bienenkiste steht auf einer Stockwaage, ich drehe sie genau einmal im Jahr um und öffne den Boden um Honig und Wachs aus dem Honigraum zu ernten und um Platz für eventuell notwendige Behandlungen zu haben. Die Kiste kann schon mal gut 80 kg wiegen, zur Honigernte muss ich sie von der Stockwaage herunterheben und komplett auf den Rücken legen, dafür habe ich einen Helfer.

Ich mache die Bienenkiste inzwischen nur mehr ganz selten auf. Ich beobachte das Flugloch, die Stockwaage sowie das Gemüll auf der Kunststoffschale, welche unterhalb des Gitterbodens im Brutnestbereich eingeschoben ist - eingreifen muss ich fast nie. Die meisten Arbeiten kann man von der Rückseite machen, wenn man den Deckel abnimmt.

Mehr ist nicht notwendig und genau diese extensive Betriebsweise ist der Vorteil der Bienenkiste gegenüber anderen Beuten.

Wer gerne Rähmchen zieht und auch sonst viel eingreifen will, für den ist die Bienenkiste die falsche Wahl. Die Honigernte ist bei der Bienenkiste deutlich aufwändiger als bei Mobilbeuten mit Rähmchen, das muss man in Kauf nehmen.

Die Bienen sind genauso entspannt und friedlich wie auch in anderen Beuten, wenn sie gut behandelt werden.

Ich respektiere es natürlich wenn jemand andere Prioritäten in bezug auf die Bienenhaltung hat, möchte aber hier doch einer generellen Verurteilung der Bienenkiste entgegentreten.

In diesem Sinne nichts für ungut,

Hartmuth

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Hallo Hartmut,

ich denke, dass ich in meinem Text die Bienenkiste nicht generell verurteilt habe. Ich habe einige konkrete Probleme beschrieben, die, wie ich inzwischen weiß, nicht nur ich habe.

Du beobachtest das Flugloch. Schön! Was siehst du da? Mit deinen 8 Jahren Erfahrung bestimmt einiges. Darum beneide ich dich tatsächlich. Aber ich als Anfänger lese, wie schon geschrieben: beobachte das Flugloch! Dann sitze ich da und tue genau das. Leider ist es für mich als Anfänger so, dass ich froh bin die Drohnen von den Arbeiterinnen unterscheiden zu können. Wie ich erkennen soll, wie es den Bienen geht ist mir nicht klar, wird auch nirgens beschrieben (weil man dafür halt Erfahrung braucht) und das verstärkt die vorhandene Unsicherheit.

Eine Stockwaage ist bestimmt eine tolle Sache, aber der Preis!?

Eigentlich hat die Bienenkiste keinen Gitterboden, oder? Sollte sie den haben?

Es gibt bestimmt Menschen, die mit der Bienenkiste gut zurecht kommen, keine Frage. Ich möchte mit meinem Erfahrungsbericht andere Einsteiger anregen gut nachzudenken, bevor sie sich die Bienenkiste holen. Mein Fehler war eben, dass ich im Entscheidungsprozess zu positiv/ephorisch gedacht habe. Der wichtigste Fehler war nicht zu erkennen, dass man von Hilfe abhängig ist.

Wenn du die Kiste nur einmal im Jahr öffnest, frage ich mich, wie du an die Bienenprobe für die Varroakontrolle kommst. Allein dafür muss ich die Kiste mehrfach umdrehen. dazu kommt noch die Behandlung im Winter, Also mehrfach im Jahr um Hilfe bitten, und trotzdem sich plagen mit der Masse.

Viele Grüße, Max

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Hallo Max,

ich habe nach einem Grundkurs auch als Anfänger mit der Bienenkiste begonnen und für mich war das von Beginn an relativ einfach und recht erfolgreich.

Ergänzend zu den beiden Büchern über die Bienenkiste von Erhard Maria Klein habe ich mir dann noch weitere Literatur über Bienen besorgt, treffe mich regelmäßig am Imkerstammtisch mit anderen Imkern, habe schon einiges dazugelernt, weiß und verstehe aber immer noch vieles nicht.

Ich habe festgestellt, dass die Bienen auch weitgehend von allein gut zurechtkommen (also ohne dauernde Eingriffe).

Den Befall mit Varroa prüfe ich regelmäßig durch Zählung des natürlichen Milbenfalls durch den Gitterboden auf die Unterlagsschale, dafür muss ich die Beute nicht öffnen.

Meine Bienenkiste (ist nicht von Mellifera sondern wurde von einem Wiener Tischler angefertigt) hat einen Gitterboden, was ich sehr praktisch finde. Diesen lasse ich normalerweise geschlossen.

Die Stockwaage habe ich mir preisgünstig selber zusammengebaut, dazu gibt es Anleitungen im Internet.

Die Winterbehandlung gegen Varroa mache ich mit einem Oxalsäureverdampfer, das geht schnell und schonend für die Bienen, auch hierfür muss ich die Beute nicht öffnen.

Ich möchte mit meinem Beitrag auch auf die Vorteile der Bienenkiste hinweisen um Anfänger nicht generell zu entmutigen sie zu verwenden.

Mehr möchte ich zu diesem Thema auch gar nicht sagen - entscheiden muss am Ende jeder selbst und erst wenn man mit mehreren Beuten gearbeitet hat sieht man auch die Unterschiede.

Viele Grüße, Hartmuth.

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Meine ersten Jahre (seit 2019), die noch lange nicht vorbei sind, waren mit ähnlichen Erkenntnissen gespickt.

Als darwinistischer Naturfreund wollte ich gleich mit Warre in Stabilbau anfangen.

Mein Imkerpate warnte mich: “Kannste später immer noch probieren.”

Ich habe auch meine Erfahrungen gesammelt, passe meine Bienenhaltung auch den jeweiligen Gegebenheiten und meinen Wünschen an.

Ich weiß aber auch, meine Warre und auch alle anderen Beutensysteme sind nicht “das Gelbe vom Ei”.

Natürlich kann ein Beutenwechsel eine Verbesserung bringen, für wen?, viele andere Dinge vermutlich auch.

Ich setzte am Anfang meinen Wunsch zur möglichst naturnahen Bienenhaltung als Schwerpunkt.

Das versuche ich weiterhin zu verwirklichen, immer unter Voraussetzung einer möglichsten Bienenfreundlichkeit, unter den aktuellen Bedingungen.

Jeder muss selber seinen Weg gehen!

Wie heißt das Buch von Masanobu Fukuoka so treffend:

“Der Große Weg hat kein Tor”.

Alles Gute vom Rolf

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Hallo @malkowitz ,

bei dem Gewicht deiner BK hättest du dir ein Gestell nach meinen Bauplänen bauen sollen.

Ich hatte einen Bauplan für ein Gestell für 2 BK zum Umdrehen an einer Mittelachse hier schon mehrfach als Arbeitserleichterung hier eingestellt. Damit konnte man die BKs leicht alleine umdrehen und in der richtigen Höhe bearbeiten.

Da dein Entschluß ja entgültig zu sein scheind wünsche ich dir weiter Erfolg mit der Einraumbeute.

Davon mal abgesehen daß ich jetzt nicht mehr mit der BK imkere sondern mit Magazinbeuten ( hat Standortgründe in einer Gartenanlage wo Schwärme nicht wirklich gerne gesehen sind ) finde ich daß sich die Bienen in der BK eher wesensgemäß entwickeln können als in einer Magazinbeute.

Wenn du in einer Magazinbeute wie die Einraumbeute ist Querbau/Wildbau hast bist du mal krass gesagt am Ars… :innocent:
In der BK spielt das keine Rolle auch wenn man den Bienen mit dem Anfangsstreifen eine gewisse Richtung vorgeben möchte , sie bauen wie sie es für sie am besten ist.

Man muß in der BK auch nicht am Wabenwerk arbeiten da die BK Natur-/Schwarmimkerei ist und dies entspricht meiner Meinung nach am Besten dem Wesen der Bienen.

Gruß Jörg

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moin,

das wichtigste in meinen augen ist, daß du trotzdem weiter dem bien einen unterschlupf gewährst. als kleine anmerkung möchte ich allen anfängern (und auch dir) “mein” system zeigen. durch dieses gestell ist weder das öffnen des bodens noch das wiegen ein problem, wie hier zu sehen ist: https://www.youtube.com/watch?v=YIHxX-0Ga10

allerdings habe ich nur eine kleine biki und wiege sie nur im herbst und da hat sie nur ~42 bis 45 kg. dadurch daß sie bei diesem system nie umgedreht werden muss sind alle pflegerischen maßnahmen relativ stressfrei für den bien und gestochen werde ich nur durch eigene unachtsamkeit. ich will deinen beitrag nicht kritisieren, sondern nur mitlesern eine alternativlösung aufzeigen. dieses jahr habe ich die erste honigernte gemacht und auch das ging relativ einfach. ich plane aber die biki noch etwas zu modifizieren, zweigeteilter boden um nur den honigraum zur ernte zu öffnen, und werde dann meine erfahrung gerne mitteilen.

also bleib am ball, es gibt meist nicht “die” lösung, hauptsache du hast eine.

bis denne

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